Jubilarin Hanna Schmedt
Wippen im Takt zum Ständchen

Lienen -

Hanna Schmedt ist in Lienen vielen bekannt. Sie war oder ist in vielen Organisationen und Vereinen engagiert. Jetzt feierte sie einen runden Geburtstag. Sie stamme noch aus der Zeit des Kaiserreiches, sagte einer der Gratulanten.

Mittwoch, 24.10.2018, 18:30 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 24.10.2018, 18:24 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 24.10.2018, 18:30 Uhr
Geburtstagskind Hanna Schmedt freut sich über das Ständchen, das ihr die Mitglieder der Tele-Sound-Band bringen.
Geburtstagskind Hanna Schmedt freut sich über das Ständchen, das ihr die Mitglieder der Tele-Sound-Band bringen. Foto: Michael Baar

Dass alten Menschen nachgesagt wird, sie würden sich fast ausschließlich über Krankheiten unterhalten, stört Hanna Schmedt nicht. „Da kann man immer noch was lernen, wie man mit Dingen umgehen muss“, lacht sie und hebt ihr Sektglas. „Auf Dein Wohl“, tönt es aus der Runde. Zurecht, denn die Lienenerin hat am Montag ihr 100. Lebensjahr vollendet.

Am Mittwochmorgen wird es offiziell. Gerd Schomberg als stellvertretender Bürgermeister, Friedel Stegemann vom Heimatverein, Pfarrerin Susanne Nickel und der stellvertretende Landrat Bernhard Hembrock trudeln nach und nach ein, nehmen im Wohnzimmer Platz.

Aus dem Flur sind Stimmen zu vernehmen. „Feiern die da eine eigene Party“, fragt Hanna Schmedt in die Runde. Wer „die“ sind, wird wenige Augenblicke später hörbar. Die ersten Töne von „Zum Geburtstag viel Glück“ erklingen und alle singen mit. Die Altersjubilarin erhebt sich, schiebt ihren Rollator in den Flur und kann ihr Glück kaum fassen: Drei Mitglieder der Tele-Sound-Band haben sich ins Haus „geschlichen“.

Nach dem letzten Ton nimmt Hanna Schmedt Egon Koch in

Die Jubilarin ist begeistert von den Wünschen der übrigen Gäste.

Die Jubilarin ist begeistert von den Wünschen der übrigen Gäste.

den Arm, drückt ihn. Die beiden anderen Musiker folgen. Und dann ist erst mal ein kleines Hauskonzert angesagt. „Du und ich im Mondenschein“ erklingt, die 100-Jährige wippt im Takt mit, schwingt die Arme – und strahlt über das ganze Gesicht. Erinnerungen werden ausgetauscht, noch ein Lied – nur mühsam ist das musikalische Quartett zu bewegen, ins Wohnzimmer zu gehen. So ganz am Rande erzählt Hanna Schmedt, dass sie mit 80 Jahren das Saxofonspielen erlernt hat.

„Geben Sie mal ihre Hand“, sagt sie unvermittelt, streckt ihre Rechte aus, verhakt die Finger ineinander. „Ziehen“, sagt sie nur und lächelt. Donnerwetter, da sitzt noch richtig Kraft im Arm. „Ich mache regelmäßig meine Übungen“, erzählt sie. Liegestütze, „aber an der Wand“, Beingymnastik. Da kommt die von Kindheit auf begeisterte Sportlerin in ihr durch.

„Du bist noch im Kaiserreich geboren worden“, weist Friedel Stegemann auf ihren Geburtstag hin. Hanna Schmedt nutzt das, um einen gestrafften Überblick über ihr Leben zu geben. Lehrerin wollte sie werden, doch da kam der Zweite Weltkrieg dazwischen. Erst Anfang der 1960er Jahre wird sie dann „Mikatzen“-Lehrerin an der Bauerschaftsschule Höste. „Mikatzen, weil wir eine verkürzte Ausbildung hatten“, erklärt sie den Begriff.

Bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1978 ist sie an der Stadtschule Lengerich, der Grundschule Höste und an der Schule Intrup tätig. „Das war damals eine Versuchsschule, weil dort der Mengenlehre-Unterricht ausprobiert wurde“, gibt sie ein weiteres Detail zum Besten. In allen Schulen hat sie ein Orchester mit Orffschen Instrumenten zusammengestellt und geleitet.

Daneben blieb ihr offenbar noch Zeit: In Lienen gründet sie 1950 den Volkstanzkreis, singt in der Kantorei in Lengerich mit, ist an der Musikschule tätig. Ihr Mann Friedrich ist Lehrer und Kreisheimatpfleger. Ihm zuliebe lernt sie die plattdeutsche Sprache, übernimmt nach dem Tod ihres Mannes 1984 dessen Kurse an der Volkshochschule, leitet einen plattdeutschen Kreis in Lienen. Sie knüpft Verbindungen nach St. Marys im US-Bundesstaat Ohio, der Partnergemeinde von Lienen, ist ab 1992 nicht nur dort zu Besuch, sondern auch in Brasilien.

Ausgelastet scheint sie damit nicht zu sein. Sie ist Gründungsmitglied im Förderverein Hallenfreibad Lienen und im Malkreis „Grüne Erde“. 2006 wird sie mit dem Wanderpreis des Landrats ausgezeichnet. Im Kreisjahrbuch 2019 ist ihr eine Geschichte gewidmet. „Da sind zwei Fehler drin“, sagt sie unvermittelt. Ob man das nicht richtigstellen könnte? Sie habe nicht die Musikschule Lengerich und auch nicht den Musikverein Lienen gegründet.

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