Ortsnamen im Tecklenburger Land
Dornengestrüpp statt Donnergott

Tecklenburger Land -

Eine spannende Zeitreise zu den Anfängen der Ortsnamen im Tecklenburger Land hatte der Verein Stadtführer Ibbenbüren versprochen. Und eine solche wurde es dann auch für die knapp 60 Interessierten. Gastredner Dr. Christof Spannhoff aus Lienen erwies sich als versierter Kenner der Materie, bot Allgemeines und Spezielles, Erhellendes und Erheiterndes zu den Ortsnamen im Tecklenburger Land.

Dienstag, 06.11.2018, 13:20 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 06.11.2018, 13:14 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 06.11.2018, 13:20 Uhr
Wusste Spannendes zu den Ortsnamen im Tecklenburger Land zu berichten: Dr. Christoph Spannhoff.
Wusste Spannendes zu den Ortsnamen im Tecklenburger Land zu berichten: Dr. Christoph Spannhoff. Foto: Holger Luck

„Dörenthe hat mit dem germanischen Gott Thor nichts zu tun.“ Punkt! – In seinem knapp 90-minütigen Vortrag räumte Spannhoff herzlich, aber auch hart mit mancher volksetymologischer Namensdeutung auf. Im Fall von Dörenthe belegen seine Studien, dass die ältesten schriftlichen Belege (um 1100) von „Thurnithi“ sprechen, was später zu „Thorenthe“ wurde. Darin steckt das altniederdeutsche Wort „Thorn“ (Dornenstrauch). Vom Namensursprung her bedeute Dörenthe „Örtlichkeit, an der Dorngesträuch vorhanden ist“.

Die vielen, bis heute kolportierten Fehldeutungen stammen aus dem 19. Jahrhundert, einer Zeit, in der allerorten nach Belegen für die germanische Vergangenheit der Deutschen gesucht wurde. Relikte und Kultstätten, die die Germanen als vermeintliche Hochkultur auswiesen, standen hoch im Kurs. Hinzu kam das Bestreben späterer Heimatforscher, die Entstehung ihrer jeweiligen Orte möglichst früh datieren zu wollen.

Als weitere Beispiele nannte der Historiker unter anderem Tecklenburg, für das er die „wenig heroische“ Bedeutung „Zickenberg“ fand, oder Riesenbeck, das schlicht „ansteigendes Gewässer“ bedeutet und nicht auf geheimnisvolle Riesen der germanischen Mythologie verweist. Auch Bockraden geht auf eine profane „Buchenrodung“, und nicht auf Thor geopferte Böcke zurück.

Im Gegensatz zu den frühen Deutungsversuchen der Heimatforscher orientiert sich die moderne Namenskunde, als Teil der Historischen Sprachwissenschaft, streng an den ersten schriftlichen Belegen für den jeweiligen Ortsnamen. Diese gelte es, mit historischen Sprachen und Sprachstufen sowie mit möglicherweise verschliffenen oder zusammengezogenen Wörtern abzugleichen. Aus der sorgfältigen Quellenarbeit ließen sich dann möglicherweise auch Datierungen herleiten, die in vorchristliche Zeiten zurückgehen, so Spannhoff. Sicher ist er sich da im Fall der Bauerschaft Alstedde. Hier sieht der Namensforscher nach bisherigen Erkenntnissen den einzigen vorchristlich-kultischen Ortsnamen im Tecklenburger Land.

Auch bei Püsselbüren (Menschen der Siedlung des Pusilo) geht Spannhoff von einer frühen Entstehung des Ortsnamens, vor Beginn der schriftlichen Überlieferung (vor 800 v. Chr.) aus. Die 900-Jahr-Feier habe der Ortsteil allerdings „deutlich zu früh gefeiert“, meinte der Historiker augenzwinkernd. Zum ersten Mal tauche „Pusilemburen“ erst um 1150 in den Quellen auf.

Brochterbeck hat nichts mit den Brukterern zu tun, wie bereits seit dem 19. Jahrhundert vermutet wurde. Der Ortsname geht vielmehr auf einen Bach zurück (niederdeutsch bike, beke), der nach einer bestimmten Pflanzenbezeichnung benannt wurde. Was genau ein Brochter ursprünglich war, lässt sich laut Spannhoff heute nicht mehr genau klären, aber es müsse ein niederwaldfähiges Gewächs gewesen sein, also ein Baum oder Busch, den man auf den Stock setzen konnte.

Ledde: Der Ortsname Ledde geht auf altes „Lytha“ zurück und ist verwandt mit dem niederdeutschen Wort Liet (hochdeutsch Leite), das im Tecklenburger Land einen Hohlweg oder ein Tal zwischen zwei Hügeln, eine Mulde bezeichnete.

Ladbergen: In Ladbergen, dessen älteste Form „Hlakbergon“ lautet, stecken „Grenzhügel“, denn der Name gehört zu altniederdeutsch hlak (Grenze, Grenzzeichen). Und Lengerich besteht aus den Bestandteilen lang und reke, rike. Letzteres bedeutet „Zaun, Einfriedung“. Lengerich meint also den „langen Zaun“ oder die „ausgedehnte Einfriedung“. Diese bezog sich vermutlich auf den Haupthof, den das Stift Herford hier besaß und auf dessen Grund und Boden auch die erste Lengericher Kirche gegründet worden ist.

Zum Thema

Dr. Christof Spannhoff: Von Alstedde bis Wolfer. Ortsnamenstudien aus dem Tecklenburger Land. 2017.

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