Symposium zu Hof- und Familiennamen
Der Meyer fiel nicht vom Himmel

Lienen/Tecklenburger Land -

Was hat die Großfamilie Brenninkmeyer aus Mettingen mit Schweinen zu tun? Weit bevor Clemens und August das bekannte Textilunternehmen C&A gründeten offenbar eine ganze Menge. Das machte Josef Bröker, Heimatforscher aus Ibbenbüren, in seinem Vortrag zum Hof- und Familiennamen Brenninkmeyer bei einem Symposium in der Draiflessen Collection deutlich.

Mittwoch, 21.11.2018, 17:00 Uhr aktualisiert: 21.11.2018, 17:04 Uhr
Während Dr. Christof Spannhoff (links) über den Meier im Allgemeinen referierte, ließ Heimatforscher Josef Bröker aus Ibbenbüren dem 120 Besuchern teilhaben an seinen Nachforschungen zum Familiennamen Brenninkmeyer (im Hintergrund ein Foto des alten Brenninkhofes in Mettingen).
Während Dr. Christof Spannhoff (links) über den Meier im Allgemeinen referierte, ließ Heimatforscher Josef Bröker aus Ibbenbüren dem 120 Besuchern teilhaben an seinen Nachforschungen zum Familiennamen Brenninkmeyer (im Hintergrund ein Foto des alten Brenninkhofes in Mettingen). Foto: Oliver Langemeyer

Neben den Überlegungen zum Familiennamen Brenninckmeyer von Josef Bröker untersuchte der Mitveranstalter der Mettinger Tagung, der Lienener Historiker und Sprachwissenschaftler Dr. Christof Spannhoff, allgemein die Namen auf -meier im Gebiet der alten Grafschaft Tecklenburg. Insgesamt gibt es laut Spannhoff 132 solcher Hof- und Familiennamen, die ursprünglich im Tecklenburger Raum entstanden und nicht später „zugewandert“ sind.

Den größten Anteil habe mit über 40 Prozent Westerkappeln. Lienen habe mit 15 Namen immerhin einen Anteil von elf Prozent. Zu nennen seien etwa Pellemeier, Bardelmeyer oder Fletemeyer. „Der Großteil dieser Namen entstand erst in den zwei Jahrhunderten zwischen 1545 und 1755 aus anderen Bildungen“, erläuterte Spannhoff. So wurde aus dem 1580 genannten „Peter im Elsen“ spätestens 1621 „Elßmeier“, aus dem 1673 noch „Horst Henrich“ genannten Bauern bis 1755 der „Horstmeyer“. Verglichen mit den Namen auf „Mann“ (zum Beispiel Wittmann oder Hersmann), die vereinzelt bereits seit der Mitte des 14. Jahrhunderts erscheinen, seien die Namen auf -meier also erst später aufgetreten. Spannhoff: „Es dürfte sich um eine aus dem Osnabrücker Raum beeinflusste Namenmode handeln, weil sich hier die Meier-Namen häufen, während die Mann-Namen vom Münsterland aus das Tecklenburger Land erreichten.“ Die Mehrzahl der Meier-Namen haftete an Bauernstellen der unteren bäuerlichen Schichten, der sogenannten Kötter und Brinksitzer. „Das zeigt, dass seit dem Mittelalter eine Abwertung des Begriffs Meier erfolgt sein muss, denn ursprünglich war der Meier (von lateinisch maior ‚der Größere‘) der Verwalter eines großen Gutshofes“, folgerte Spannhoff. Und weiter: „Anders als im Osnabrücker Raum hängt die Benennung mit dem Zweitglied Meier im Tecklenburger Land aber weder mit dem sogenannten Meier-Recht – denn hier herrschte die sogenannte Eigenbehörigkeit vor – noch mit den grundherrlichen Verhältnissen zusammen. Die meisten Höfe waren dem Tecklenburger Grafen beziehungsweise dessen Rechtsnachfolger, dem preußischen König, eigen und keinem ostwestfälischen Grundherrn.“ Gebildet wurden die meisten Namen auf Meier demnach mit Flurbezeichnungen im ersten Teil. Aber sie konnten auch mit Rufnamen (Lükemeier, Eversmeier, Brünemeier, Klausmeier) oder Funktionsbezeichnungen (Schäffermeier, Schröermeier, Schmiemeier) kombiniert werden.

Zurück zu den Brenninkmeyers: Mit Verweis auf zahlreiche Quellen erläuterte Bröker den rund 120 Teilnehmern, dass auf dem Brenninkhof in Wiehe früher Schweine gebrannt wurden. Dabei ging es darum, die Tiere mit einem Brandeisen zu kennzeichnen. Damit sollte der Missbrauch bei der Mast verhindert werden, erklärte Bröker. Denn zur damaligen Zeit um 1600 hätten die Bauern in einer Mark nicht mehr Schweine mästen dürfen, als der Futtertrog hergab. Zukaufen war verboten. Um das zu kontrollieren, wurde das Brenneisen eingeführt. Bröker war bei seinen Nachforschungen auf Belege gestoßen, dass das Brennen von Schweinen in der Obergrafschaft Lingen gängige Praxis war. „Das war aber eine hoheitliche Aufgabe“, erläuterte der Historiker. Der Schweinebrenner musste ein freier Bauer sein. Und der einzige Hof in Wiehe in zentraler Lage auf dem Schafberg, der frei und nur seinem Landesherrn verpflichtet war, sei der Brennink­hof gewesen.

Der „Meyer“ hinter dem „Brennink“ wies ursprünglich mal auf eine Amtsbezeichnung des Namensträgers hin.

Die von Pater Ägidius Brenninkmeyer entwickelte Theorie, der Name leite sich vom Vornamen Hildebrand ab, wollte Bröker bei der anschließenden Diskussion nicht grundsätzlich verwerfen. Er habe sich bei seinen Nachforschungen aber an der Region und den dort vorkommenden Berufen orientiert. Die These, dass der Name Brenninkmeyer auf Brandrodungen im Bereich Wiehe zurückgeht, hält der Heimatforscher für unwahrscheinlich. Das sei später gewesen.

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