Aufschlussreicher Vortrag beim Sozialseminar
Wie Banken Geld machen

Lienen -

„Geld regiert die Welt“, sagt der Volksmund. Viele kennen sicher das Sprichwort. Aber wer regiert eigentlich das Geld? Und wie? Dieser Frage ging Lino Zeddies vom Berliner Verein Monetative kürzlich als Gast beim evangelischen Sozialseminar nach.

Sonntag, 25.11.2018, 20:00 Uhr

Er führte aus: Die längste Zeit seit der Erfindung des Geldes war die Geldmenge an die Realwirtschaft gekoppelt. Sie entsprach im Wesentlichen dem Wert der Waren und Dienstleistungen einer Gesellschaft. Heute seien die Verhältnisse jedoch anders: Die vorhandene Geldmenge übersteige den Güterwert bei Weitem. Wie konnte es dazu kommen? Dazu müsse man etwas tiefer in die Materie einsteigen, so Zeddies .

Umfragen belegten nach Aussage des Fachmannes: Die meisten Menschen glauben, dass ausschließlich eine öffentliche Stelle das Geld erzeugen darf. Das stimme aber nicht. Nur das Bargeld – zirka 14 Prozent des gesamten umlaufenden Geldes – wird heute noch von Zentralbanken (in Deutschland von der Bundesbank) oder der Regierung erzeugt. Der Großteil – rund 86 Prozent – existiert als Giral- oder Buchgeld, also als elektronische Geld auf den Konten. Dieses Geld aber schaffen die privaten Banken, so Lino Zeddies, indem sie Kredite vergeben. Sie besäßen damit ein mächtiges und „vom Volk kaum regulierbares Privileg“.

Problematisch daran sei, dass dies zu einem „systemischen Schuldenzwang“ ebenso wie zu einem „Wachstumszwang der Wirtschaft“ führe. Hinzu komme, dass der weitaus größte Teil der von Geschäfts- und Privatbanken vergebenen Kredite nicht der Realwirtschaft zur Verfügung gestellt werde, sondern in Immobilien- und sonstige Spekulationen fließe. Die negativen Auswirkungen seien Finanzblasen und Finanzkrisen.

Laut Lino Zeddies existieren mehrere Überlegungen und Ideen für eine grundlegendere Geldreform. Dazu gehört die vom Referenten vorgestellte Vollgeld-Reform. Kern der Idee ist, die Geldschöpfung wieder zu 100 Prozent in staatliche Hände zu legen. Der Begriff „Monetative“ beschreibt diese staatliche geldgebende Gewalt, die zu den etablierten Gewalten Legislative (Gesetzgebung), Exekutive (ausführender Gewalt) und Judikative (Rechtsprechung) hinzu käme.

Wie so oft wird eine ungewöhnliche und neue Idee zunächst belächelt. Mittlerweile werde jedoch in Fachkreisen ernsthaft darüber diskutiert. Grund dafür sei eine Computersimulation des Internationalen Währungsforums, die ergab, dass die Finanzkrise von 2007 in einem Vollgeld-System deutlich milder ausgefallen wäre.

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