Neues Fahrzeug soll 280 000 Euro kosten
Unimog heizt Bauhof-Debatte an

Lienen -

Für um die 300 000 Euro kann man schon einiges bekommen auf dem Markt für Fahrzeuge der Luxusklasse: einen Bentley Mulsanne zum Bespiel, oder einen Ferrari 488 Pista. Zu konventionell? Wie wäre es dann mit einer 700-PS-Sportskanone, die auf den Namen Gumpert Apollo hört? Kaum zu glauben, aber kein Scherz: Ebenfalls in dieser Preisliga spielt ein Unimog mit diversen Anbauten und Zusatzgeräten, den die Verwaltung für den Bauhof anschaffen möchte. Aber muss das wirklich sein?

Freitag, 15.02.2019, 18:02 Uhr aktualisiert: 17.02.2019, 14:42 Uhr
Ein Alleskönner, der zur Standausstattung vieler kommunaler Bauhöfe gehört: der Unimog.
Ein Alleskönner, der zur Standausstattung vieler kommunaler Bauhöfe gehört: der Unimog. Foto: Astrid Springer

Wolfgang Wieneke vom Bündnis für Ökologie und Demokratie stellte diese Frage im Planungs- und Bauausschuss und nahm sie zum Anlass, eine alte, aber offensichtlich nie zu Ende geführte Diskussion wieder anzufachen: Wie soll es grundsätzlich mit dem Bauhof weitergehen? Wieneke konnte sich daran erinnern, dass vor einigen Jahren zumindest die Überlegung im Raum stand, „den Bauhof zurückzufahren“. Damals sei sogar ein Arbeitskreis ins Leben gerufen worden, „der dann aber wieder eingeschlafen ist“.

Bauamtsleiter Sebastian Döring betonte, dass ein neuer Unimog zur Erledigung der Aufgaben des Bauhofes erforderlich sei. „Denken sie nur an die Treppe bei Malepartus. Da können sie mit einem Lkw nichts machen.“ Den Einwand, „ein Unimog – steht für Universales Motorgerät – kann alles, aber nichts richtig“, ließ Bauhofleiter Michael Wagner so nicht stehen. „Wenn dem so wäre, dann hätten ja alle anderen Kommunen, die Unimogs anschaffen, das auch noch nicht erkannt und würden was falsch machen.“

Döring gab zudem zu bedenken, dass die Verwaltung „für das Tagesgeschäft zuständig ist“. Und wenn sie die Ansicht vertrete, dass ein solches Fahrzeug erforderlich ist, dann würde sie folgerichtig einen entsprechenden Ansatz in den Haushaltsplanentwurf einstellen. Döring: „Es ist ja nur ein Ansatz. Der Rat muss ja nicht zustimmen.“

Dazu gab es aus den anderen Fraktionen erstmal keinen Widerspruch. Allerdings betonte auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Reinhard Otte, dass er sich von der Idee mit dem Arbeitskreis mehr versprochen habe, als bislang geschehen ist.

Zur Frage, ob der Bauhof einen neuen Unimog brauche und warum, äußerte sich gestern auf WN-Anfrage Bürgermeister Arne Strietelmeier , der aus Termingründen nicht an der Ausschusssitzung teilgenommen hatte. Er verwies darauf, dass das vorhandene Fahrzeug inzwischen 40 Jahre alt sei und man sich jetzt eines anschaffen wolle, das mit den Zusatzgeräten umliegender Kommunen kompatibel ist, um sich künftig besser austauschen zu können und dadurch Geld zu sparen.

Was die Zukunft des Bauhofes angeht, warnt Strietelmeier davor, diese gemeindliche Einrichtung zu dezimieren. Würde das geschehen, müssten weitere Aufträge an externe Firmen vergeben werden. Strietelmeier: „Die letzten Ausschreibungen haben gezeigt, dass die Preise exorbitant gestiegen sind.“ Das habe auch die Gemeindeprüfungsanstalt festgestellt. In solchen Zeiten sei es günstiger, eigenes Personal vorzuhalten.

Nicht nur in Sachen Bauhof war in Lienen seinerzeit ein Arbeitskreis ins Leben gerufen worden. Auch zum Thema Instandsetzung der Wirtschaftswege wurde ein solcher Kreis gegründet. Da die Wirtschaftswege im Ausschuss ebenfalls Thema der Beratungen waren, wurde kritisiert, dass sich auch dieser Arbeitskreis bislang nur selten und inzwischen schon lange nicht mehr getroffen habe.

Dazu Strietelmeier gegenüber den WN : „Es gibt diesen Arbeitskreis und wir werden ihn auch wieder einberufen. Aber erst brauchen wir ein Kataster über alle Wege und deren Zustand.“ Geld für die Erstellung eines solchen Katasters durch ein Fachbüro sei im Haushaltsplanentwurf enthalten. „Bevor wir keine Ergebnisse haben, macht es keinen Sinn zu tagen. Es würde die Grundlage fehlen“, machte Strietelmeier deutlich.

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