Osterbräuche
Feuer vorübergehend untersagt

Lienen -

Hat die Christenheit das Osterfeuer von den Germanen übernommen und für seine Zwecke instrumentalisiert? Und seit wann ist es Brauch, zu Ostern Eier zu färben? Ein Blick ins westfälische Brauchtum bringt Aufklärung.

Freitag, 19.04.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 23.04.2019, 17:24 Uhr
Bunt bemalte Ostereier sind keine Erfindung der Neuzeit. Bereits im Jahr 1690 sollen die Mönche des Klosters Iburg gefärbte Eier zum Abendessen vorgesetzt bekommen haben.
Bunt bemalte Ostereier sind keine Erfindung der Neuzeit. Bereits im Jahr 1690 sollen die Mönche des Klosters Iburg gefärbte Eier zum Abendessen vorgesetzt bekommen haben. Foto: dpa

Zum Osterfest gibt es eine Vielzahl von Bräuchen – allen voran das Osterfeuer. Im 19. Jahrhundert war man der festen Überzeugung, die Osterfeuer gingen bereits in germanische Zeit zurück und seien dann von der christlichen Kirche im Sinne der Verbreitung des Christentums vereinnahmt und instrumentalisiert worden. Heute ist die Volkskunde der Ansicht, dass Osterfeuer ein rein christlicher Brauch sind.

In Westfalen lässt sich ein Osterfeuer erstmals 1342 nachweisen. Graf Konrad von der Mark schenkte damals der Antonius-Bruderschaft in Hörde einen Weinberg. Dafür sollte sie „up hillige Paschendag“ ein Feuer entzünden und Gott für die Erlösung vom Teufel danken. Das Osterfeuer erscheint hier also als christliche Stiftung, die offenbar keinen Vorgänger hatte.

Doch dürfte bei dem ursprünglich frommen Brauch des Osterfeuers in Westfalen schnell das weltliche Treiben überhandgenommen haben. Die Osterfeuer in der Grafschaft Tecklenburg wurden – wie auch die Feuer andernorts seit dem 16. Jahrhundert – bei ihrer ersten schriftlichen Erwähnung 1691 von der damals in Lienen tagenden evangelischen Kirchensynode bereits wieder in Frage gestellt („18. Ob nicht die Osterfeuer in dieser Grafschaft Tecklenburg gänzlich müssen abgeschaffet und bei Strafe verboten werden?“).

1716 wurde dann das Aufschichten und Abbrennen von Osterfeuern in den preußischen Gebieten Westfalens – also auch in der Grafschaft Tecklenburg – bei Gefängnisstrafe verboten. Danach scheinen die Osterfeuer eingestellt worden zu sein. Erst 1852 stiftete der Tecklenburger Kommerzienrat Meese 200 Taler, von deren Zinsen das Holz für ein Osterfeuer in Tecklenburg finanziert werden sollte, und belebte damit den Brauch in der Umgebung von Tecklenburg wieder neu.

Der Name des Festes Ostern ist mit dem Wort für die Himmelsrichtung Osten verwandt und geht auf eine Bezeichnung für die Morgenröte in den germanischen Sprachen zurück. In der Liturgie des christlichen Festes spielte diese eine herausragende Rolle, weil auf den Tagesanbruch der Zeitpunkt der Auferstehung Christi gesetzt wurde. Ostern benannte also ursprünglich als „Fest der Morgenröte“ den Auferstehungszeitpunkt Jesu Christi.

Eine angebliche germanische Licht-Göttin Ostara, die von Jacob Grimm Anfang des 19. Jahrhunderts als Namensgeberin des Festes eingeführt wurde, wird heute mit sehr guten Gründen abgelehnt.

Der Brauch, an Ostern Eier zu verspeisen, hat seinen Ursprung in einer zu diesem Termin fälligen Abgabe. Vor allem an Klöster waren zu dieser Jahreszeit Zins-Eier abzuliefern, die dann auf der Festtagstafel der Nonnen und Mönche landeten. Hinzu kam, dass Eier in der Fastenzeit nicht verzehrt werden durften. Für den westfälischen Bereich ist das Verspeisen von Eiern zu Ostern wohl erstmals Ende des 15. Jahrhunderts fassbar (das Dokument stammt entweder aus dem Jahr 1487 oder 1498). Die Freckenhorster Stiftsschwestern bekamen damals neben anderen Lebensmitteln zwei Eier als Festtagsration. Nach 1570 erhielten nachweislich auch die Freckenhorster Ministranten (Messdiener) an Ostern ein Ei. 1690 ist bezeugt, dass die Mönche des Klosters Iburg an Ostern sogar gefärbte Eier (ova colorata) zum Abendessen bekamen.

Aus dieser herrschaftlichen Abgabe entwickelte sich dann in der bäuerlichen Bevölkerung der Brauch, Eier zum Osterfest zu verschenken. Das Sammeln von Ostereiern durch Bauernkinder ist bereits in Werner Rolevincks „Buch zum Lobe Westfalens“ erwähnt, das 1478 erschienen ist. Der Osterhase – in anderen westfälischen Regionen auch der Fuchs oder der Kranich – als Überbringer der Ostereier ist erst seit dem 17. Jahrhundert bezeugt. Neben den Ostereiern aßen die Familien im Tecklenburger Land um 1900 vor allem Sauerkrauteintopf mit Mettwurst und Schweinebacke.

An vielen westfälischen Orten fanden mindestens seit dem 19. Jahrhundert an Ostern Spiele und Wettkämpfe (Ball- oder Kegelspiele) statt, die oft von den Jugendlichen durchgeführt wurden. Auch Spiele rund ums Osterei waren weit verbreitet. Im Tecklenburger Land warf man Ostermontag gelb gefärbte Eier mit voller Kraft in die Höhe, die dann herunterfallend heil bleiben mussten, um zu gewinnen.

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