Einmal im Jahr werden in Kattenvenne die Grabsteine inspiziert
Wackelkandidaten auf der Spur

Lienen-Kattenvenne -

Wenn Arno Horstmann eines bestimmt nicht im Sinn hat, dann ist es die Störung der Totentruhe. Ganz ohne Geräusche kommt er jedoch nicht aus, wenn er einmal im Jahr, meistens im Mai, den Kattenvenner Friedhof inspiziert.

Montag, 06.05.2019, 17:18 Uhr aktualisiert: 08.05.2019, 16:56 Uhr
Arno Horstmann geht Grab für Grab ab und nimmt sich jeden Stein vor. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, bei der er immer auf lockere Steine stößt.
Arno Horstmann geht Grab für Grab ab und nimmt sich jeden Stein vor. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, bei der er immer auf lockere Steine stößt. Foto: Michael Schwakenberg

Mit einem Gummihammer geht der Steinmetz und von der Handwerkskammer bestellte Gutachter im Auftrag der evangelischen Kirchengemeinde von Grab zu Grab und klopft an die Grabsteine, um deren Standfestigkeit zu prüfen. Ihm dicht auf den Fersen ist Jutta Schnepper vom Gemeindebüro, die mit einer kleinen Harke unauffällig Trittspuren beseitigt.

Stellt Horstmann fest, dass ein Stein wackelig ist, schreibt er später die Nutzungsberechtigten an und setzt eine Frist, bis wann das Problem behoben sein muss. Schließlich muss auch auf einem Friedhof die Sicherheit der Besucher gewährleistet sein.

Laut Horstmann gibt es zwei Hauptursachen, wegen der Grabmale an Standfestigkeit einbüßen: „Zum einen sind das vermodernde Särge, durch die Löcher entstehen, in die beim nächsten Regen Sand reingespült wird.“ Der fehle dann am Fundament des Steins. Und wenn das nur die vorgeschriebene Mindesttiefe von 80 Zentimeter habe, könne es kritisch werden.

Zum anderen setzten häufig Wasser und Frost der Fuge zwischen Fundamt und Stein zu, so dass sie irgendwann weggebröckelt ist. Horstmann: „Vor allem bei den älteren Steinen ist das ein Problem. Heute sind eingebaute Kippdübel Pflicht.“

Die Inspizierung des Kattenvenner Friedhofs hat schon Horstmanns inzwischen verstorbener Vater Wilhelm regelmäßig durchgeführt. Für übertrieben hält der Fachmann den jährlichen Kontrollgang keineswegs: „Ältere Menschen halten sich bei der Grabpflege gerne mal am Stein fest oder ziehen sich an ihm hoch. Vor einigen Jahren wurde in Saerbeck ein älterer Mann am Bein verletzt, als ein Stein umkippte.“

Und Jutta Schnepper kann sich noch gut daran erinnern, wie ihr Bruder als Kind beim Friedhofsbesuch unter einen Grabstein geriet und sich das Bein brach. „Das war noch auf dem alten Teil und die Arztpraxis zum Glück direkt nebenan.“

Früher, berichtet der Fachmann, seien weitaus mehr Steine wackelig gewesen als heute. In der Regel kämen pro Jahr nur noch zwei oder drei zusammen. Aber das sei immer nur eine Momentaufnahme. Der nächste Frost könne schon wieder einiges bewirken.

Bei seinem Gang durch die Grabreihen wird Arno Horstmann auch gelegentlich angesprochen: „Waren Sie schon bei uns am Grab?“ „Nein, aber ich bin gleich da.“ Bei einigen Gruften allerdings ist sein kontrolliertes Klopfen gar nicht nötig: Findlinge und Grabplatten lässt er links liegen. Denn was nicht umfallen kann, kann auch nicht die Verkehrssicherheit gefährden.

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