Flüchtlingsdrama führt zur Entwicklung von Oneup
Rettungsring klein wie ein Knirps

Lienen -

Es war ein Schock-Erlebnis, das die ganze Geschichte in Gang gesetzt hat. „Ein Freund auf Gran Canaria hat einen Bericht über ein Flüchtlingsboot gesehen, in dem 100 Menschen saßen. Das Schiffchen kenterte. Ein Küstenwachboot war in der Nähe, hatte aber nur zwei Rettungsringe und einige Rettungswesten an Bord. Zwischen im Wasser treibenden Menschen konnte es nicht fahren. Am Ende waren 80 der 100 Flüchtlinge ertrunken.“ Andreas Joachim schweigt einen Moment.

Samstag, 11.05.2019, 05:00 Uhr
Andreas Joachim mit dem Oneup in seiner rechten und dem Nachfüllset in der linken Hand. Mit seinem Auto im Baywatch-Design geht er ab 19. Juni auf Promotion-Tour. Start ist in Monaco.
Andreas Joachim mit dem Oneup in seiner rechten und dem Nachfüllset in der linken Hand. Mit seinem Auto im Baywatch-Design geht er ab 19. Juni auf Promotion-Tour. Start ist in Monaco. Foto: Michael Baar

Seinem Freund Saul hat das Gesehene keine Ruhe gelassen. Er hat sich hingesetzt, nachgedacht, getüftelt, probiert, gebastelt – alles mit dem Ziel, einen automatischen Rettungsring zu entwickeln. Mit Hilfe eines weiteren Freundes aus Frankreich hat Saul sein Ziel erreicht: Oneup heißt der kompakte, wiederverwertbare Rettungsring. „Es ist alles patentiert“, freut sich Andreas Joachim . Eigentlich ist der 39-Jährige in einer ganz anderen Branche mit seiner Firma Ademax unterwegs. „Aber ich will meinem Freund helfen“, erklärt der Lienener.

Den Ausschlag dafür hat nicht nur die Freundschaft gegeben. „Ertrinken gehört zu den weltweit fünf häufigsten Todesursachen“, hat er herausgefunden. Etwa 50 Menschen würden so den Tod finden, stündlich. „Das entspricht in etwa der Zahl der bei Autounfällen tödlich Verunglückten.“

Während des Gesprächs hält er einen Gegenstand in den Händen, der so ähnlich aussieht wie ein Knirps, wie ein Taschenschirm. „Den kann man wesentlich besser werfen als einen Rettungsring“, wiegt er das Teil in der Hand. Schwer ist es auch nicht, bringt gerade mal 370 Gramm auf die Waage.

Dafür hat es die schwarze Hülle in sich. Neben dem Ring – „der ist aus dem gleichen Material wie die Rettungswesten in Flugzeugen“ – sind eine CO-Kartusche und eine Salztablette in der Hülle. Sobald die Tablette mit Wasser in Berührung kommt, löst sie die Kartusche aus. „Innerhalb von zwei Sekunden ist der Ring aufgeblasen“, versichert Andreas Joachim.

Die ersten Praxistest sind im Nettebad in Osnabrück durchgeführt worden. Dass alles reibungslos geklappt hat – der Lienener hat das erwartet. Worüber er sich freut, ist die Reaktion der Schwimmmeister. „Die fanden das richtig gut, dass sie nicht erst zum Ort laufen müssen, wo ein Rettungsring hängt.“ Weiteres Plus aus Sicht der Fachleute: dank Karabinerhaken kann eine Person mehrere Oneup mit sich führen.

Diese Rückmeldung hat die weitere Vorgehensweise bestimmt. Ab 19. Juni wird sich Andreas Joachim mit seinen Freunden und Geschäftspartnern auf Werbetour begeben. Die erforderliche Zulassung für den Oneup in der Tasche, soll im Fürstentum Monaco der Startschuss erfolgen. „Von dort aus geht es die Mittelmeer-Küste entlang bis Südspanien.“ Schluss ist dort nicht. Die portugiesische Atlantikküste aufwärts geht es die Strände entlang weiter bis in die Bretagne in Nordfrankreich.

„Wir werden überall die Rettungsschwimmer an den Stränden ansprechen und ihnen zeigen, wie einfach und wirkungsvoll unser Rettungsring eingesetzt werden kann“, beschreibt der 39-Jährige das Prozedere. In einem zweiten Schritt sollen dann die jeweiligen Bürgermeister oder Verantwortlichen mit Oneup konfrontiert werden. „Samt dem Tipp, sich doch bei den Rettungsschwimmern mal zu erkundigen“, schmunzelt Andreas Joachim.

Privatleute können sich ebenfalls mit dem wiederverwendbaren, kompakten Rettungsring ausrüsten. Das Oneup zum Preis von 99 Euro kein Schnäppchen ist, weiß der Lienener. Aber auf Dauer werde sich das System durchsetzen, bei den Profis mit Sicherheit. Davon ist er überzeugt.

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