Goldener Meisterbrief für Fleischer Ewald Bardelmeier
Mit 13 Jahren in die Lehre

Lienen-Kattenvenne -

Es ist ein Berufsleben, wie es heute kaum mehr vorstellbar ist: mit 13 in die Lehre, mit 16 Geselle, mit 19 Meister. Fleischer Ewald Bardelmeier hat diese Stationen in den 1960er-Jahren so absolviert. Jetzt hat er den Goldenen Meisterbrief der Handwerkskammer bekommen.

Samstag, 18.05.2019, 17:11 Uhr aktualisiert: 18.05.2019, 17:20 Uhr
Vor 50 Jahren hat Ewald Bardelmeier, damals 19 Jahre jung, den Meisterbrief für das Fleischerhandwerk erhalten. Dafür hatte er einen Kursus in Bayern besucht.
Vor 50 Jahren hat Ewald Bardelmeier, damals 19 Jahre jung, den Meisterbrief für das Fleischerhandwerk erhalten. Dafür hatte er einen Kursus in Bayern besucht. Foto: Katja Niemeyer

An den Tag, als er seine Meisterprüfung im Fleischerhandwerk ablegte, kann sich Ewald Bardelmeier noch erinnern, als wäre es gestern gewesen. Es war der 10. Mai 1969, ein Samstag – „da hatte ich den Brief in der Tasche, im Alter von 19 Jahren“, sagt der Kattenvenner und nippt an seiner Kaffeetasse. Hinter ihm, an einer Wand seines Esszimmers, hängt der Goldene Meisterbrief, den er kürzlich von der Handwerkskammer Münster erhalten hat.

Aus heutiger Sicht, so viel steht fest, absolvierte der 69-Jährige seine berufliche Ausbildung in rasender Geschwindigkeit. Mit 13 Jahren in die Lehre – „da war ich noch ein Junge“ –, mit 16 legte er dann die Gesellenprüfung ab. „Das ist heute unvorstellbar“, sagt der Vater von zwei Töchtern. Die Lehrjahre in einer Glandorfer Fleischerei, die waren fürwahr harte Lehrjahre. Ewald Bardelmeier war im Haus des Meisters untergebracht, was nicht unüblich war zu jener Zeit. „Um fünf Uhr morgens musste ich aufstehen. Meist war der Arbeitstag nicht vor 19 Uhr zu Ende. Zum Schluss räumte ich noch die Fleischwaren aus dem Ladenlokal in den Kühlraum.“ Auch samstags sei er hin und wieder zur Arbeit eingeteilt worden.

Aber Ewald Bardelmeier hielt durch. Nach der Lehre arbeitete er drei Jahre in einer Fleischerei in Tecklenburg. Der dortige Meister habe ihn dann aufmerksam gemacht auf eine komprimierte Meisterausbildung in Bayern. In dem Bundesland habe man damals innerhalb von fünf Wochen den begehrten Meistertitel erlangen können. Ewald Bardelmeier überlegte nicht lange, fuhr nach Landshut, schrieb sich in den Lehrgang ein – und legte bald darauf bei der Handwerkskammer Passau die Meisterprüfung ab.

Es folgten berufliche Stationen in Münster und Osnabrück, bevor der Kattenvenner 1973 eine Stelle als Leiter der Fleischerei beim damaligen Landeskrankenhaus in Lengerich annahm. Zwölf Jahre später, so erzählt er, habe er schließlich vor einem beruflichen Scheideweg gestanden: „Entweder du wirst Küchenhilfe oder du machst noch was“, habe er sich gesagt. Ewald Bardelmeier „machte noch was“: In Augsburg ließ er sich 1984 bei der dortigen Akademie des Fleischerhandwerks zum Betriebswirt des Handwerks ausbilden.

Kurz darauf bewarb er sich bei einem überbetrieblichen Ausbildungszentrum für Fleischerlehrlinge in der Industrie in Versmold – und bekam den Job. Mehr als 20 Jahre bildete der 69-Jährige bis zu seinem Ruhestand Lehrlinge aus und sagt: „Im Vergleich zu früher ist die Ausbildung heute ein Spaziergang.“ Abgesehen von den langen Arbeitszeiten sei auch die körperliche Arbeit früher erheblich schwerer gewesen. „Wir mussten noch Schweinehälften ins Kühlhaus schleppen“, nennt der Kattenvenner ein Beispiel. „Heute gibt es dafür Aufzüge und Rohrbahnen, an denen die Hälften mit einer Hand bewegt werden können.“

Dass es mittlerweile an Nachwuchs in der Fleischerbranche mangelt, stimmt den Rentner nachdenklich. „Der Beruf ist bei jungen Leuten nicht attraktiv“, meint er. „Viele glauben wohl, dass man nur im Fleisch rührt. Das empfinden sie als unästhetisch.“

Dabei, davon ist er überzeugt, „muss ein Fleischer nicht groß und stark sein. In erster Linie muss er etwas im Kopf haben“. Er habe als Junge keine Wahl gehabt: „Mein Vater hat gesagt, dass ich Fleischer werden soll. Und dann habe ich das gemacht. So war das früher“, blickt er ohne Vorwurf auf die Zeit zurück.

Der Rückgang an Fleischer-Fachkräften erfüllt Ewald Bardelmeier jedoch mit Sorge: „Bald weiß niemand mehr, wie man eine richtige Blutwurst macht“, befürchtet er. „Da gehören nämlich Schwarten rein, sonst fällt die Wurst auseinander. Und Nitritpökelsalz, damit sie nicht blass wird.“

Neben dem Fleischerhandwerk ist die Musik Ewald Bardelmeiers zweite Leidenschaft. 1967 gründete er zusammen mit Freunden die Gruppe „Blue Stars“. Mit ihr tingelte er bis 1980 als Schlagzeuger durch die Gegend. Auch wenn sich die Band längst aufgelöst hat – zu seinem 70. Geburtstag, den er ganz groß im Café Kruse feiern will, würden noch einige Musiker für ein Ständchen vorbeikommen. Davon ist der Kattenvenner überzeugt. Seine Lieblingsmusik? „Tanzbare Oldies.“

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