Eingewanderte Tiere und Pflanzen
Neue Arten machen sich breit

Lienen/Tecklenburger Land -

Hartmut Storch geht von seinem Arbeitsplatz in der Biologischen Station des Kreises Steinfurt nur wenige Meter, dann steht er schon vor zwei der auffälligsten „Einwanderer“ in der heimischen Pflanzenwelt: der Japanische Staudenknöterich und das Drüsige Springkraut. Inzwischen sind diese beiden Neophyten an vielen Stellen im Tecklenburger Land verbreitet.

Donnerstag, 08.08.2019, 06:27 Uhr aktualisiert: 08.08.2019, 08:54 Uhr
Hartmut Storch von der Biologischen Station des Kreises Steinfurt zeigt einen klassischen Neophyten, das Drüsige Springkraut.
Hartmut Storch von der Biologischen Station des Kreises Steinfurt zeigt einen klassischen Neophyten, das Drüsige Springkraut. Foto: Linda Braunschweig/dpa

Sie besiedeln vor allem Gräben, dann aber meist recht schnell und großflächig. „Wenn die Samen des Springkrauts aufplatzen, fliegen sie bis zu acht Meter weit“, sagt Storch . Hinzu kommt, dass die beiden Pflanzenarten extrem „konkurrenzfähig“ sind. Das heißt: Sie stellen andere, heimische Pflanzen förmlich in den Schatten, verdrängen sie und tragen so zum Artenrückgang bei.

Viele sind als Gartenpflanzen hierher gekommen, teils schon im 19. Jahrhundert. Das Springkraut wurde von Imkern gepflanzt, weil es eine gute Sommerbienenweide bildet.

Hartmut Storch

Die Mitarbeiter der Biologischen Station sind regelmäßig in den Naturschutzgebieten im Kreis unterwegs, unter anderem im Recker Moor. Dabei stoßen sie immer wieder auf Arten, die dort nicht hingehören. „Viele sind als Gartenpflanzen hierher gekommen, teils schon im 19. Jahrhundert. Das Springkraut wurde von Imkern gepflanzt, weil es eine gute Sommerbienenweide bildet.“ Obwohl diese gerade in aller Munde sind, sieht Storch vor allem die negativen Seiten der Ausbreitung. „Es überwächst einfach vieles. Wenn Böschungen zu 80 bis 90 Prozent mit Springkraut bewachsen sind, sind die heimischen Arten verdrängt.“ Diese seien deswegen nicht ausgerottet, aber ihr Lebensraum schrumpft.

Es sind gerade die großen Populationen wie Springkraut oder Knöterich, die auffallen. „Es gibt ja auch viele ‚Neubürger‘, die nicht so massiv auftreten.“ Ebenfalls nicht zu übersehen ist die Herkulesstaude (Riesen-Bärenklau). Auch sie war früher eine Gartenpflanze. Inzwischen ist klar, dass die Staude gefährlich ist, bei Berührung kann sie schwere Hautreaktionen hervorrufen. Seit Kommunen dagegen strikt vorgehen, sind die bis zu drei Meter hohen Gewächse seltener geworden, hat Storch beobachtet.

Gartenabfälle nicht in die Natur kippen

Viele der unerwünschten Pflanzen gelangen über am Wegesrand ausgekippte Gartenabfälle in die Natur. Und sie sind oft nur schwer zu bekämpfen. Dagegen hilft nur ausbaggern oder das Abdecken mit schwarzer Folie.

Der Klimawandel hat mit der Ausbreitung nur insofern etwas zu tun, als dass die Trockenheit offene Bodenstellen schafft, die Samen schneller aufnehmen. Das dient aber auch anderen Pflanzen, die sich durch Samen verbreiten, wie dem Klatschmohn.

Neophyten

Neophyten sind keine neue Erscheinung. Im Gegenteil: So werden Pflanzen genannt, die mit Hilfe des Menschen in ein Gebiet gelangen, in dem sie natürlicherweise nicht vorkamen. Als zeitlicher Wendepunkt dient bei der Definition von Neophyten das Jahr 1492, als Christoph Kolumbus die Neue Welt entdeckte. Künftig, sagt Storch, wird es durch internationalen Warenverkehr noch mehr invasive Arten geben.

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Das gerade bei Pferde- und Rinderhaltern unbeliebte, giftige Jakobskreuzkraut ist eine heimische Art, die sich in den vergangenen Jahren stärker ausgebreitet hat. Bekämpft wird sie nicht. Solche Eingriffe empfehle das Bundesnaturschutzamt nur, wenn die Pflanze wirkungsvoll zurückgedrängt werden könnte.

Kein Grund, zum Kampf aufzurufen

Hartmut Storch sieht keinen Grund, zum Kampf aufzurufen. „Man muss nur gucken, ob die Pflanze dort stört oder nicht.“ Das gilt beispielsweise für die Traubenkirsche im Recker Moor. „Das soll nicht zuwachsen.“ Deshalb werde dort gerodet. Insgesamt gelte es, die Entwicklung zu beobachten.

Eingewanderte Tierarten

Im Gegensatz zu anderen Gegenden Deutschlands scheint der Waschbär im Tecklenburger Land noch nicht auf dem Vormarsch zu sein. Er wisse nur von einer Sichtung in der Nähe von Tecklenburg, sagt Oliver Maug, Hegeringleiter in Ibbenbüren. Nutria und Bisam hingegen machten häufiger Probleme. Auf die Waschbären hätten Jäger einen strengen Blick. Als Räuber bedrohten sie unter anderem Bodenbrüter – und werden deshalb in der Jagdzeit erlegt, so Maug. Es gelte, heimische Arten zu schützen, auch vor Dachs oder Fuchs. Das sei aber nicht leicht zu kommunizieren, weiß Maug.

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Storch appelliert an Gartenbesitzer, keine Abfälle in die Natur zu kippen. Aber für ihn ist auch klar: „Wir werden diese Arten nicht mehr aus der heimischen Flora wegbekommen.“

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