Geldinstitute und Serviceangebote
Telefon und Automat kein Ersatz

Lienen/Tecklenburger Land -

Menschen werden älter. Viele verlieren im alter ein Stück ihrer Mobilität. Wie reagieren die Geldinstitute auf diese Situation?

Dienstag, 27.08.2019, 08:21 Uhr aktualisiert: 27.08.2019, 08:30 Uhr
Karl-Heinz Hülsmann vom VdK hebt in der SB-Filiale, hier in Bevergern, Geld ab. Der 69-Jährige kennt viele Senioren und in der Mobilität eingeschränkte Personen, die Probleme mit dem Rückzug der Banken aus der Fläche haben.
Karl-Heinz Hülsmann vom VdK hebt in der SB-Filiale, hier in Bevergern, Geld ab. Der 69-Jährige kennt viele Senioren und in der Mobilität eingeschränkte Personen, die Probleme mit dem Rückzug der Banken aus der Fläche haben. Foto: Tobias Vieth

Dass sie auch in der Fläche mit Filialen vor Ort waren, war lange Zeit ein Alleinstellungsmerkmal sowohl der VR-Bank Kreis Steinfurt als auch der Kreissparkasse Steinfurt. Auch wenn sie immer noch deutlich mehr Präsenz vor Ort haben als andere Banken, haben sie in der jüngeren Vergangenheit ihr Netz ausgedünnt. Das hat Folgen vor allem für Senioren und andere mobilitätseingeschränkte Personen. Redakteur Tobias Vieth hat die Geldinstitute nach der Situation gefragt – und nach Möglichkeiten, diese Ziel gruppen weiter zu versorgen.

Wie viele Filialen wurden in den vergangenen drei Jahren geschlossen?

Die Kreissparkasse weist darauf hin, dass sie generell keinen Standort geschlossen habe. „Wir hatten im Jahr 2016 drei Hauptstellen in Ibbenbüren, Greven und Steinfurt, 28 Filialen und 17 SB-Filialen“, so Sprecher Thorsten Laumann . Seit 2016 wurden sechs Filialen in SB-Filialen umgewandelt. „Somit haben wir aktuell die drei Hauptstellen, 22 Beratungs-Center oder Filialen und 23 SB-Filialen.“

Die VR-Bank hat die SB-Stelle Dickenberg mit der Sparkasse zusammengelegt, eine SB-Stelle in Borghorst geschlossen sowie acht kleine Geschäftsstellen umgestellt auf Selbstbedienung, teils in Kooperation mit der Kreissparkasse. Zuletzt wurde Bevergern am 21. Juni auf Selbstbedienung umgestellt.

Welche Angebote machen die Geldinstitute, um den Service aufrecht zu halten?

Die Sparkasse biete den Kunden schon immer die Möglichkeit, bei Bedarf Beratungsgespräche auch Zuhause zu erledigen. „Zudem haben wir im Mai 2018 unseren mobilen Service gestartet“, sagt Laumann. Das umfasst einen Bargeld-Bringservice und einen Unterlagen-Bring- und Abholservice. Im telefonischen Kunden-Servicecenter können die Kunden seit einiger Zeit ebenfalls Geldgeschäfte tätigen.

Bei der VR-Bank sind Hausbesuche nicht pauschal geregelt. „Sie kommen aber in Ausnahmesituationen, wirklichen Härtefällen, vor“, so Marcus Börgel , Bereichsdirektor Vertriebsmanagement. Dabei gehe es insbesondere um die Bargeldversorgung, da alle anderen Themen über den telefonischen Kundenservice, der in Hörstel sitzt, erledigt werden können. Vielen Senioren fehle aber der direkte Kontakt von Mensch zu Mensch.

Auch bei der VR-Bank wurden die veränderten Geschäftsstellen nicht geschlossen, sondern in SB-Standorte umgewandelt. Börgel: „In diesem Zuge haben wir geprüft, zusätzlich einen Bargeldservice der Reisebank anzubieten.“ Banken die dies bislang gemacht haben, hätten allerdings erklärt, dass der Service nur in einem sehr geringen Umfang genutzt werde. Soweit Ausnahmeregelungen massiv zunehmen sollten, halte man sich die Option der Reisebank aber offen.

Wie werden diese Angebote angenommen?

Der mobile Service kommt laut Kreissparkasse gut bei den Kunden an. „Viele erkundigen sich danach, meistens erst einmal als eine von mehreren Optionen“, so Thorsten Laumann. Denn oft hätten ältere Menschen Kinder oder andere Personen, die autorisiert sind und sich um die Finanzgeschäfte kümmern dürfen. Aber: „Wir merken, dass die Nachfrage nach und nach größer wird. Daher war es richtig, den Service im vergangenen Jahr zu starten.“ Über die konkrete Zahl der Kunden macht die Sparkasse allerdings keine Angaben.

Die Serviceleistungen des telefonischen Kundenservices der VR-Bank in Hörstel werden nach Unternehmensangaben ebenfalls sehr gut angenommen. Seit der Eröffnung im Oktober 2015 sei eine immer größere Routine bei der Inanspruchnahme des telefonischen Kundenservices festzustellen. Erstreaktionen auf den Umfang der angebotenen Leistungen seien meist positiv, da sie bislang nicht bewusst und bekannt seien.

Welche Zusatzkosten verursachen die Angebote?

Der mobile Service der Sparkasse kostet monatlich drei Euro Grundgebühr plus drei Euro pro „Lieferung“ – monatlich kündbar. Durch den Telefonservice der VR-Bank entstehen keine Zusatzkosten im Vergleich zur Abwicklung in der Geschäftsstelle am Service.

Gibt es technische Lösungen, die speziell für Senioren installiert werden?

„Viele denken, dass unsere Online-Lösungen nur etwas für junge Menschen sind. Aber das ist ganz und gar nicht so“, sagt Laumann. Denn auch ältere Menschen hätten erkannt, „wie bequem und hilfreich es ist, Finanzgeschäfte per Online-Banking oder auch per Telefon zu erledigen“. Für viele Senioren sei es ganz normal, diese Online-Services zu verwenden. „Mehr als 60 Prozent unserer Kunden nutzen das Online-Banking.“ Die Internetfiliale, also das Online-Banking, sei barrierefrei.

Auch die VR-Bank hat keine gesonderten Lösungen für Senioren. Als besonderer Zugangsweg wurden an vier Standorten sogenannte „VR-SISys“ aufgebaut – also Videoschalter, an denen mit einem Kundenberater Kontakt aufgenommen werden kann. Das werde stark von älteren Kunden genutzt. Ein Beispiel für eine vereinfachte Überweisung sind auch die mittlerweile gängigen Foto-Funktionalitäten in den Online-Bankings beider Institute. Damit kann eine Rechnung abfotografiert werden, das Eintippen von Kontonummer und so weiter entfällt.

Die technischen Lösungen führen aber durchaus zu Beratungsbedarf – so hat es die VR-Bank nach der Software-Umstellung in diesem Jahr erlebt. Ein Beispiel: Die Piktogramme, die anzeigen, wie die Karte in den Geldautomaten einzuschieben ist, differieren an mindestens einem Standort mit der entsprechenden Anzeige auf dem Display.

Grundsätzlich habe die Software-Umstellung gut funktioniert, resümiert die VR-Bank. Sicherlich komme es teils an den SB-Geräten und im Onlinebanking zu anderen optischen Darstellungen, und auch die Bedienung sei ungewohnt. „Hier gibt es, deutlich abnehmend, nach wie vor Rückfragen und Hilfestellungen.“

In Lienen gibt es drei Geldinstitute: Die VR-Bank Kreis Steinfurt und die Kreissparkasse sind in Lienen vertreten. Die Vereinige Volksbank Münster betreibt eine SB-Filiale in Kattenvenne, ebenso die Kreissparkasse Steinfurt.

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