Neuer Bus zwischen Lienen und Glandorf
Bürgerbulli überholt Postkutsche

Lienen -

Mit viel lokaler Prominenz, mit zahlreichen Ehrenamtlichen und mit einem Glas Sekt ist jetzt der Bürgerbus Lienen-Glandorf eingeweiht worden. Am Montag rollt er zum ersten Mal los.

Freitag, 30.08.2019, 16:58 Uhr aktualisiert: 01.09.2019, 15:12 Uhr
Haben jetzt den Bürgerbus Lienen-Glandorf feierlich eingeweiht: Landrat Dr. Klaus Effing, Lienens Bürgermeister Arne Strietelmeier, Normann Scheckelhoff (2. Vorsitzender Bürgerbusverein), Udo Nickel (1. Vorsitzender des Bürgerbusvereins), André Pieperjohanns (Geschäftsführer der RVM), Glandorfs Bürgermeisterin Dr. Magdalena Heuvelmann, Dr. Winfried Wilkens (Landkreis Osnabrück) (von links).
Haben jetzt den Bürgerbus Lienen-Glandorf feierlich eingeweiht: Landrat Dr. Klaus Effing, Lienens Bürgermeister Arne Strietelmeier, Normann Scheckelhoff (2. Vorsitzender Bürgerbusverein), Udo Nickel (1. Vorsitzender des Bürgerbusvereins), André Pieperjohanns (Geschäftsführer der RVM), Glandorfs Bürgermeisterin Dr. Magdalena Heuvelmann, Dr. Winfried Wilkens (Landkreis Osnabrück) (von links). Foto: Katja Niemeyer

Die Idee hierzu war vor rund eineinhalb Jahren in beiden Gemeinden entstanden. Verwaltung und Politik befürworteten das Projekt und stimmten zu, Kosten, die trotz umfangreicher Förderung aus anderen Töpfen möglicherweise übrigbleiben, zu übernehmen.

Udo Nickel , 1. Vorsitzender des Bürgerbusvereins, war einer der Redner bei der offiziellen Feier, die vorm Haus des Gastes abgehalten wurde. Er berichtete von den bürokratischen Hürden, die es zu überwinden galt und die insbesondere darin begründet sind, dass bei dem Projekt Ländergrenzen zu überwinden waren. „Es gab zahlreiche rechtliche Fragen zu klären“, erläuterte Nickel. Oder, wie es Landrat Dr. Klaus Effing ein wenig ironisch formulierte: „Ich bin schon froh, dass wir keinen Staatsvertrag benötigt haben.“

So hatte es der Verein bei der Planung der Strecke mit ihren 17 Haltestellen gleich mit drei Verkehrsunternehmen zu tun: Auf NRW-Seite mit der Regionalverkehr Münsterland, auf niedersächsischer mit der Planungsgesellschaft Nahverkehr und mit der Verkehrsgemeinschaft Osnabrück. „Wir haben unsere Strecke in die vorhandene Infrastruktur eingebettet. Bis auf drei Ausnahmen können wir so bereits bestehende Haltestellen nutzen“, verdeutlichte der 1. Vorsitzende das Konzept.

Größter Förderer des Projektes ist das Land NRW, das insgesamt 77 000 Euro beisteuerte. Der Kreis Steinfurt überwies 5000 Euro, der Landkreis Osnabrück 12 000 Euro.

Dass es einen Bedarf für den Bus gibt, rechnete Nickel vor. Wer heute mit Bus und Bahn von Lienen nach Glandorf fahren will, wäre eine Stunde und 27 Minuten unterwegs. Für eine Strecke von 7,5 Kilometern, die mit dem Auto in etwas mehr als zehn Minuten zurückgelegt werden kann. Zum Vergleich: „Die Postkutsche, die früher zwischen Kattenvenne und Glandorf pendelte, benötigte nur eine Stunde und 20 Minuten“, berichtete Nickel und erntete dafür Gelächter.

„Es war ein holpriger Weg“, bestätigte Lienens Bürgermeister Arne Strietelmeier. Aber auch einer, der in überraschend kurzer Zeit überwunden wurde. Nachdem die Politik in beiden Kommunen vor rund eineinhalb Jahren grünes Licht gegeben hatte für das Projekt, vergingen nur wenige Wochen, bis sich der Verein gründete. Dieser zählt schon heute 39 Mitglieder. Außerdem wurden bereits 27 ehrenamtliche Fahrer rekrutiert. Damit diese, wie verabredet, jeweils zwischen zwei und vier Mal im Monat im Einsatz sind, ist der Bedarf noch nicht ganz gedeckt: Bis zu 35 Fahrer könnte der Verein locker beschäftigen. Wer Interesse hat, sich hinters Steuer des Bullis zu setzen, der benötigt einen sogenannten Personenbeförderungsschein und außerdem ein ärztliches Gutachten.

Der Fahrplan, auch darauf wies Nickel bei der Feier hin, orientiere sich an den Ankunfts- und Abfahrtzeiten des Nahverkehrszuges am Bahnhof in Kattenvenne. Morgens um 7 Uhr startet der Bus am Rathaus in Lienen. Anschließend steuert das Fahrzeug verschiedene Haltepunkte in Glandorf, den Ortsteilen Schwege und Kattenvenne an, bevor es zurück nach Lienen geht. Gut eine halbe Stunde dauert die Runde, die im Anschluss in umgekehrter Richtung wiederholt wird. Der letzte Bus am Tag setzt sich um 17.16 Uhr am Lienener Rathaus in Bewegung. Samstags und sonntags sowie feiertags finden keine Fahrten statt.

Zur Jungfernfahrt am Montag haben Ruheständler Nickel und seine Mitstreiter eine ganz moderne Show vorbereitet: So soll es entlang der Strecke sogenannte Flash Mobs – also kurze, scheinbar spontane Menschenaufläufe – geben.

Die Glandorfer Bürgermeisterin Dr. Magdalene Heuvelmann lobte das ehrenamtliche Engagement: Der Bürgerbusverein, sagte sie, könne nicht ohne freiwillige Helfer existieren. Ähnlich äußerte sich Dr. Winfried Wilkens vom Landkreis Osnabrück: In Zeiten, in denen die Gesellschaft zunehmend auseinanderbreche, sagte er in Richtung Ehrenamtliche, „sind Sie der Klebstoff, der sie zusammenhält“.

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