Sommerblitze erzählen Geschichten
329.700 Ampere in wenigen Sekunden

Lienen -

Das Münchener Unternehmen nowcast hat ein System entwickelt, das Blitze orten kann. Flughäfen oder Wetterdienste haben Verwendung für die entstehenden Daten. Auch zur Stärke der Blitze lassen sich Aussagen treffen. Lienen wird dabei weit vorne genannt.

Freitag, 06.09.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 06.09.2019, 08:37 Uhr
Blitze sind ein interessantes Wetterphänomen, das sowohl spannende Bilder in den Himmel zaubert und zugleich unfassbar große Energiemengen produziert. Diese Aufnahme entstand bei einem Gewitter über Haßfurt in Unterfranken.
Blitze sind ein interessantes Wetterphänomen, das sowohl spannende Bilder in den Himmel zaubert und zugleich unfassbar große Energiemengen produziert. Diese Aufnahme entstand bei einem Gewitter über Haßfurt in Unterfranken. Foto: dpa

Für Dr. Dirk Brändlein ist es ein Eintrag in der Datenbank: Ein Wolke-Boden-Blitz ist am 19. Juni um 16.51 Uhr Ortszeit mit 329 700 Ampere rund 2,5 Kilometer westlich von Lienen eingeschlagen. Der Vermerk dazu ist interessant: Es war der bundesweit zweitstärkste Blitz dieses Sommers.

Lange Zeit hatte der Blitz in Lienen sogar die Spitzenposition eingenommen. Aber am 29. August „vormittags“ wurde ebenfalls in Nordrhein-Westfalen, in Dinslaken (Kreis Wesel), ein Blitz gemessen, der 348 000 Ampere entladen hatte.

Brändlein ist Chief Operating Officer (COO) beim Münchener Blitzortungsunternehmen nowcast. „In weniger als eine Minute nach einem Blitz stehen die Daten dazu in unserer Datenbank“, betont der COO.

Elektromagnetische Signale

Das vor rund 20 Jahren aus einer Arbeitsgruppe der Ludwig-Maximilians-Universität in München unter der Leitung von Prof. Dr. Hans-Dieter Betz entstandene Unternehmen verfügt über ein riesiges Netzwerk von Sensoren. „Ganz Europa, ganz Amerika, weite Teile Südamerikas und Asiens sowie kleinere Teile von Afrika sind inzwischen ausgestattet“, erläutert Brändlein.

Das Prinzip: Die Sensoren sind je nach Topographie jeweils zwischen 200 und 250 Kilometer Entfernung installiert und nehmen elektromagnetische Signale auf. Dabei werden auch der Ort, die Höhe, die Richtung und die Länge eines Blitzes erfasst.

So sollten Sie sich bei Unwettern verhalten

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  • Wie weit ist ein Gewitter weg? Darf ich währenddessen telefonieren? Und unter welchen Bäumen bin ich sicher? Wenn es blitzt und donnert, sind sich viele unsicher, wie sie sich richtig verhalten.

    Man kennt das und man weiß eigentlich, wie man mit Gewittern , Blitz und Starkregen umgeht - denken viele. Dabei sind so einigen Mythen unterwegs.

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  • Findet man Schutz unter Buchen?

    Auf keinen Fall! Zwar besagt ein Sprichwort: Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen. Aber grundsätzlich macht es keinen Unterschied, unter welchem Baum man steht. Man ist bei Gewittern hier immer in Gefahr, vom Blitz getroffen zu werden, erklärt die Landesforstanstalt  ThüringenForst  . Aber das Sprichwort kommt nicht von ungefähr. Blitzeinschlag ist an einigen Baumarten stärker zu erkennen als an anderen. Besonders gut etwa an Eichen, deren dicke und oft mit Moos bedeckte Borke Wasser wie ein Schwamm aufnimmt. Das leitet den Blitz im Rindenkörper ab. An glatten Rinden läuft das Wasser gut ab und damit wird der Blitz in den Boden geleitet.

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  • Kann man die Entfernung eines Gewitters abschätzen?

     

    Zählt man die Sekunden zwischen Blitzeinschlag und Donnerhall und teilt das Ergebnis durch drei, ergibt das die Entfernung in Kilometern, erklärt der  Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE)  . Allerdings darf man die Distanz nicht unterschätzen: Liegen zwischen Blitz und Donner zehn Sekunden und weniger, besteht Lebensgefahr.

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  • Soll man sich bei Gefahr im freien Feld auf den Boden legen?

    Zwar sollte man sich einen möglichst niedrigen Punkt im Gelände suchen, also etwa eine Mulde - und sich dort auch klein machen. Denn hohe Punkte ziehen Blitze an. Aber dort geht man am besten in die Hocke, stellt die Füße eng nebeneinander und legt die Arme um die Knie. Auf keinen Fall sollte man sich hinlegen, betont der VDE. Denn gefährlich sind nicht nur direkt einschlagende Blitze, sondern der Boden leitet auch die Energie von Blitzen aus der Umgebung. Die Berührungsfläche mit dem Boden muss man so klein wie möglich halten.

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  • Darf man bei Gewitter im Haus nicht telefonieren?

    Zwar sollte man am besten alle elektrischen Geräte vom Strom nehmen oder einen Überspannungsschutz verwenden - das betrifft also auch Festnetztelefone. Aber: Handys und schnurlose Telefone lassen sich gefahrlos benutzen, erklärt der VDE.

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  • Kann Regen nicht nur das Haus von außen fluten, sondern sich auch durch die Abflüsse drücken?

    Eine Nebenwirkung von Unwettern sind oft Überschwemmungen durch Starkregen. Und dieser läuft in der Tat nicht nur über Kellerabgänge, durch Fenster und Türen ins Haus. Oft kann die Straßenkanalisation so viel Regen nicht schnell aufnehmen, und dann drückt das Wasser durch die Abflüsse ins Haus. Eine Rückstauklappe verschließt bei solchem Druck von unten die Rohre. Für Regenwasser reicht eine normale Klappe, erklärt die Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz. Sie öffnet und schließt sich allein durch den Wasserdruck. Für Schmutzwasser mit Fäkalien ist eine motorbetriebene Klappe sinnvoll, sie schließt im Ernstfall absolut dicht. Wichtig ist aber nicht nur ihre Installation, bei Gewitterwarnung sollte man ihre Funktion überprüfen.

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  • Schutz vor Gewitter: Ist das Auto sicher? 

    Autofahrer sind bei Gewittern auch dann geschützt, wenn ein Blitz direkt ins Auto einschlägt. Das Fahrzeug wirkt wie ein Faradayscher Käfig und die Entladung, die bis zu einigen hundert Millionen Volt erreichen kann, fließt über die Gitterstruktur des Blechgehäuses in den Boden. Doch wie sieht es mit Wohnwagen und Wohnmobilen aus? Der ADAC klärt auf.

    Wohnmobile aus Kunststoff bieten keinen Schutz vor Blitzen

    Vorsicht ist allerdings bei Wohnwagen und Wohnmobilen geboten, die aus reinem Kunststoff bestehen, wie etwa Wohnmobile in GFK-Bauweise. Sie bieten keinen Schutz bei Blitzeinschlag. Eine Aluminium-Außenhaut oder eine Kunststoff-Beplankung auf einem Metall-Gerippe wirken bei Wohnmobilen jedoch ebenfalls wie ein "Faradayscher Käfig".

    Wohnwagen oder Wohnmobil bei Gewitter sichern

    Bahnt sich ein Gewitter an, sollten Camper offene Fenster, Türen und Klappdächer schließen und die Bettnische meiden. Geschirr spülen oder duschen ist tabu. Das 230-V-Kabel, außen am Wagen angebracht, sollte wegen der Überspannungsgefahr abgezogen werden. Camper sollten zudem keine metallischen Teile der Einrichtung anfassen und mit dem Kopf nicht in den Bereich des Dachs kommen.

    Fahrerkabine im Wohnmobil bei Gewitter sicherster Ort

    Einen sicheren Aufenthaltsort bietet in jedem Fall die Fahrerkabine. Trotz der Sicherheit sollten Autofahrer bei einem Gewitter keinen erhöhten Parkplatz aufsuchen, die Fenster sowie das Schiebedach schließen und alle Antennen (soweit möglich) einziehen. Im Innenraum sollten Metallteile, die mit der Karosserie in Verbindung stehen, nicht berührt werden.

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  • Autofahren während eines Unwetters: Was muss ich beachten?

    Tempo reduzieren: Bei Starkregen sofort abbremsen. Auf der Autobahn fährt man mit Warnblinkanlage weiter und orientiert sich dabei am Standstreifen. Aber niemals sollten Autofahrer jetzt dort stehenbleiben. Am besten steuert man die nächste Ausfahrt an.

    Schwimmen vermeiden: Bei Regen droht Aquaplaning. Dabei schwimmt das Auto auf einem Wasserfilm auf, da die Reifen zeitweise den Kontakt zur Fahrbahn verlieren. Mit ABS sollte man nicht zu zaghaft bremsen und erst lenken, wenn die Reifen wieder Kontakt haben. Ansonsten lassen sich die Lenkbewegungen auf dem Wasser erst gar nicht übertragen. Aber bekommen dann die Reifen mit eingeschlagener Lenkung Grip, könnte das Auto abrupt die Richtung ändern.

    Profiltiefe checken:Das Reifenprofil spielt beim Aquaplaning eine wichtige Rolle. Ein neues Profil mit sieben Millimetern und mehr leitet noch bei etwa 80 km/h Wasser ab. Mit der gesetzlich vorgeschriebenen Mindesttiefe von 1,6 Millimetern kann das Auto schon bei 50 km/h aufschwimmen. Experten raten ab drei bis vier Millimetern Profiltiefe zum Reifenwechsel.

    Unterführungen meiden: Voll gelaufene Unterführungen bei Hochwasser oder nach Starkregen sollte man meiden. Beim Durchfahren könnte Wasser in den Motor eindringen und schwere Schäden anrichten.

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Zu den Kunden des Unternehmens zählen nach Angaben Brändleins Wetterdienste in allen Teilen der Welt, ebenso Flughäfen, Flugsicherungssysteme sowie das Militär vieler Länder. „Dazu kommen zahlreiche Energieversorger, die mit Hilfe unserer Daten die Fehlersuche nach Blitzeinschlägen viel gezielter vornehmen können.“

Die blitzreichsten Bundesländer

Leider sei es nicht möglich, diese Energie zu nutzen. „In kürzester Zeit wurde dabei mehr als 20.000 Mal mehr Energie freigesetzt, als in einer haushaltsüblichen Steckdose mit 16 Ampere verfügbar ist“, nennt Brändlein die Dimension anhand des Blitzes von Dinslaken.

Wenn man Ort und Zeitpunkt dieser Entladung kennen würde, könne man über technische Möglichkeiten der Nutzung nachdenken. Insgesamt habe es in NRW im meteorologischen Sommer zwischen dem 1. Juni und dem 31. August gut 289.000 Mal geblitzt.

Mit rund einem Viertel aller Blitze (1,06 Millionen) war Bayern das blitzreichste Bundesland, vor Niedersachsen mit 503.000 und Brandenburg mit 469.000 Entladungen.

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