Försterin Mechthild Gretzmann im Umweltausschuss
„Wir sind in einer Katastrophe“

Lienen -

Die trockenen Kronen sind schon vom Fuße des Teutoburger Waldes aus nicht zu übersehen. Und viele Bäume, die jetzt noch grün sind, werden nicht überleben. Revierförsterin Mechthild Kretzmann machte in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Energie und Nachhaltigkeit deutlich: „Wir sind in einer Katastrophe.“

Dienstag, 01.10.2019, 17:58 Uhr aktualisiert: 01.10.2019, 18:00 Uhr
Die Borkenkäferplage rafft nach Auskunft von Revierförsterin Mechthild Gretzmann auch Starkholz-Bestände dahin.
Die Borkenkäferplage rafft nach Auskunft von Revierförsterin Mechthild Gretzmann auch Starkholz-Bestände dahin. Foto: kvb/msc

Ein düsteres Bild vom Zustand des heimischen Waldes hatte Gretzmann bereits gemeinsam mit ihrem Kollegen Dr. Georg Berkemeier (Forstbetriebsbezirk Ibbenbüren und Tecklenburg) und Gottfried Steinigeweg (Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Lengerich) im August in einem WN-Interview gezeichnet. Das hatte der Ausschussvorsitzende Georg Kubitz zum Anlass genommen, die Försterin in das Gremium einzuladen, um von ihr weitere Einzelheiten zu erfahren.

Wie Gretzmann darlegte, betrifft die aktuelle Situation Nadel- wie Laubholz und ist auf verschiedene Ursachen zurückzuführen. Unter anderem auf die Trockenheit im zweiten Jahr infolge sowie auf die explosionsartige Ausbreitung des Borkenkäfers: „Statt eine oder zwei Generationen haben wir in diesem Jahr vier. Ist eine Fichte befallen und man unternimmt nichts, werden daraus bald 25 befallene Fichten“, wusste sie aus eigener Erfahrung zu berichten.

Nach ihren Schätzungen fallen allein im Forstbetriebsbezirk Lengerich und Lienen in diesem Jahr 120 000 Festmeter Holz an. „Das entspricht sonst dem Jahresertrag des gesamten Münsterlandes.“ Das Problem für die Waldbesitzer: Angesichts der anfallenden Mengen ist das Holz kaum noch zu vermarkten, sind die Preise im Keller.

Nach Gretzmanns Prognose „wird sich das Landschaftbild verändern“, wobei es für die Fichte zu spät sei. Diese Baumart werde sich verabschieden. Die Försterin geht ebenso davon aus, dass die Kapazitäten für eine geregelte Aufforstung der kahl werdenden Flächen nicht ausreichen werden. „Wir werden Flächen der Sukzession überlassen müssen“, was nichts anderes bedeute, als das die Natur dort die Gestaltung übernimmt. Am Ende könnte sich auf diesen Flächen die Buche durchsetzen.

Doch auch für diese Baumart hatte Gretzmann keine guten Nachrichten: Sie sei zwar noch nicht flächig betroffen, doch gebe es schon zahlreiche Exemplare mit trockener Krone. „Die Buche stirbt von oben ab und dann irgendwann in Gänze.“ Selbst im FFH-Gebiet müssten Bäume entnommen werden, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, auch wenn sich das in einer rechtlichen Grauzone abspiele.

Um das gesamte Ausmaß vor Augen zu führen, betonte Greetzmann, dass die jetzige Situation so schlimm sei, dass man sie nicht mit dem Waldsterben der 80er Jahre vergleichen könne.

Den weltweiten Verlust von Wald hat FDP-Ratsmitglied Carsten Antrup zum Anlass genommen, einen ausführlichen Antrag für eine Lienener Aufforstungsinitiative (siehe Infokasten) zu verfassen, der in die Tagesordnung für die kommende Ratssitzung am Montag, 7. Oktober (Haus des Gastes, Beginn 18 Uhr), aufgenommen wurde. Laut Vorschlag der Verwaltung soll aber erst im Planungs- und Bauausschuss am 26. November ausführlich darüber beraten werden.

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