Kontroverse Sichtweisen erfahrener Imker beim Evangelischen Sozialseminar
Der Klimawandel und die Bienen

Lienen/Kattenvenne -

An einem Tag, an dem Landwirte die Innenstädte blockieren, um unter anderem gegen strengere Umweltauflagen zu demonstrieren, passte es gut, dass das Evangelische Sozialseminar zu einem Vortragsabend zum Thema Insektenschutz eingeladen hatte. „Honig- und Wildbienen unter der Herausforderung des Klimawandels.“ Unter diesem Motto referierten die zwei – sehr gegensätzlich aufgestellten – Experten: Dr. Susanne Holtkamp, zweite Vorsitzende des Imkervereins Kattenvenne, und Imker Rainer Pernotzky aus Stemwede.

Mittwoch, 23.10.2019, 18:45 Uhr aktualisiert: 24.10.2019, 17:40 Uhr
Bevor es Honig zu probieren gab, tauschten die Imker Dr. Susanne Holtkamp (Mitte) und Rainer Pernotzky (kleines Bild) ihre unterschiedlichen Positionen aus
Bevor es Honig zu probieren gab, tauschten die Imker Dr. Susanne Holtkamp (Mitte) und Rainer Pernotzky (kleines Bild) ihre unterschiedlichen Positionen aus Foto: Gernot Gierschner

Insektenschutz ist nicht nur ökologisch wichtig, sondern vor allem ein für die Nahrungsmittelerzeugung existenzieller Faktor, machte Holtkamp in ihrem Grundsatzreferat deutlich. Wirtschaftlich gesehen sei die Honigbiene das drittwichtigste Nutztier nach Rindern und Schweinen. Sie zeigte in Vergleichen, welcher Ertragsverlust entsteht, wenn zum Beispiel Raps nicht von Bienen angeflogen wird. Noch gravierender seien die Auswirkungen bei Möhren, dort wäre ohne Bestäubung der Ertrag 90 Prozent geringer. Sie ging auch auf die Bedeutung der Wildbienen und anderer Insekten ein, die als Nahrungsspezialisten eine besondere Funktion in der Natur ausüben. Durch diese Spezialisierung sind sie allerdings auch besonders durch die Eingriffe des Menschen und den Klimawandel gefährdet. Studien hätten gezeigt, dass schon eine Veränderung des Blühzeitpunkts von nur drei Tagen für diese Spezialisten bestandsgefährdend sein kann.

Anschaulich schilderte sie den Arbeitsaufwand eines Hobbyimkers im Laufe eines Jahres. „Darüber sollte man sich im Klaren sein, bevor man – dem augenblicklichen Trend folgend – Bienen anschafft“, sagte die Imkerin.

Rainer Pernotzky geht einen eigenen Weg in der Imkerei. Den ausgewiesenen Experten hat die Beobachtung seiner Völker über viele Jahre hinweg dazu gebracht, neue Wege der Bienenhaltung einzuschlagen, die aber nicht unumstritten sind. So bekämpft er, anders als die meisten Kollegen, den Schrecken aller Imker, die Varroamilbe, nicht mehr aktiv. Der eloquente Redner lieferte dazu gleich eine eigene Theorie. „Da ich nicht in die Natur eingreife, hoffe ich, dass meine Bienen lernen, selbst die Milbe zu bekämpfen.“ Inwieweit dieses Vorgehen, das er seit drei Jahren praktiziert, erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten. Ebenso, ob es den Standards wissenschaftlichen Arbeitens entspricht.

Bei den Zuhörern im evangelischen Gemeindehaus Lienen – darunter etliche Hobbyimker – lösten seine Argumente eine lebhafte Diskussion aus. Die unterschiedlichen Auffassungen von Imkerei trafen aufeinander und der Abend drohte in eine Fachsimpelei unter Insidern abzugleiten. So versuchen die meisten Imker das Schwärmen ihrer Volker zu verhindern und entnehmen dazu junge Königinnen.

Das Töten dieser jungen Königinnen verglich Pernotzky mit dem Schreddern männlicher Küken in der Legehennen-Zucht. Er vertritt die Auffassung, dass Bienenvölker durch das Schwärmen eine Art Selbstreinigungsprozess durchlaufen. Beim Thema Faulbrut, die meldepflichtig ist, gestand aber auch der streitbare Imker aus Stemwede, dass befallene Völker nicht zu retten und deshalb zu vernichten seien.

Keinen Widerspruch erntete Pernotzky, als er gegen die Wildimkerei wetterte. Nicht angemeldete Bienenstöcke seien den allgemeinen Kontrollen entzogen, was eine Bekämpfung von Krankheiten und Seuchen deutlich erschwere. Zum Abschluss gab es für alle Gäste Honig zum Probieren, den die beiden Referenten mitgebracht hatten.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7018451?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F176%2F
Transparent am Dom
Ein riesiges Transparent hatten Unbekannte passend zum Wochenmarkt am Dom-Gerüst befestigt.
Nachrichten-Ticker