Drei Landwirte kämpfen für Respekt und den Erhalt von Familienbetrieben
„Bauern sind nicht an allem schuld“

Lienen -

„Es ist ganz ungewiss, ob wir in 10, 15 Jahren noch die Strukturen haben wie heute oder große Agrarkonzerne, bei denen wir dann nur noch angestellt sind.“ Jungbauer Daniel Schmiemann hat das gerade gesagt. Jan Oberdalhoff und Eva Niederdalhoff geben ihrem jungen Berufskollegen recht.

Samstag, 09.11.2019, 06:00 Uhr
Sind mit Herz und Verstand Landwirte: Eva Niederdalhoff, Daniel Schmiemann und Jan Oberdalhoff.
Sind mit Herz und Verstand Landwirte: Eva Niederdalhoff, Daniel Schmiemann und Jan Oberdalhoff. Foto: Bettina Laerbusch

Es ist noch hell draußen. So gerade eben noch. Dabei ist es erst halb Fünf am Nachmittag. Doch das natürliche Licht reicht immer noch aus, um zu sehen, wie schön die Landschaft in und um Lienen – hier gerade auf dem Hof der Familie Niederdalhoff – ist: Saftig grüner Rasen, bunte Blätter an den Bäumen, ein Acker mit winterfestem Senf, Ölrettich und Raps, der gelb leuchtet – selbst jetzt im November. Ortslandwirtin Eva Niederdalhoff, Jan Oberdalhoff und der Jungbauer Daniel Schmiemann erklären sich sofort bereit, noch schnell – bevor es dunkel ist – ein Foto draußen zu machen. Wenige Minuten später sitzen sie zusammen im Warmen, reden über ihren Beruf, über die Zukunft der Landwirtschaft in Deutschland, über Nahrungsmittel und über deren unterschätzten Wert.

Daniel Schmiemann war dabei, als die Landwirte vor gut zwei Wochen mit Traktoren demonstrierten. Er ist mit nach Bonn gefahren. Er berichtet von der Facebook-Seite „landschafftverbindung“, die mittlerweile um die 12 000 Mitglieder habe und dazu beitrage, dass die Bauern sich vernetzten und aufklären könnten.

In der Zukunft nur noch Agrarkonzerne?

Der 21-Jährige erzählt, dass er bereits vor sechs Jahren sicher war, Landwirt – und nichts anderes – werden zu wollen. Daniel Schmiemann spricht offen, sagt glasklar, dass er seinen Entschluss nicht bereut, aber gleichzeitig nicht wisse, wie es langfristig beruflich weitergeht. „Es ist ganz ungewiss, ob wir in 10, 15 Jahren noch die Strukturen haben wie heute oder große Agrarkonzerne, bei denen wir dann nur noch angestellt sind.“ Jan Oberdalhoff pflichtet seinem jungen Berufskollegen bei. „Jetzt gibt es noch Familienbetriebe.“ Was folge, wenn die weiter aufgeben müssten, seien größere Betriebe, deren Inhaber dann zum Beispiel 500 bis 600 Kühe hätten. „Solche Betriebe“, ergänzt Eva Niederdalhoff, „gibt es schon – auch im Kreis Steinfurt.“ Und am Ende existierten dann nur noch Agrarkonzerne, die Daniel Schmiemann gerade angesprochen habe. „Strukturwandel hat es immer gegeben“, sagt Jan Oberdalhoff. Ruhig sagt er das. Sehr nachdenklich fährt er fort: „Er ist aber noch nie so schnell passiert wie in den letzten Jahren.“

Wer den drei Landwirten zuhört, merkt schnell, dass sie überzeugt sind, dass ihr Ansehen in der Bevölkerung immer geringer wird. Wer den drei Bauern zuhört, spürt auch, dass sie darunter leiden. „Wir Landwirte sind nicht an allem schuld“, sagt Eva Niederdalhoff deutlich. Für alles würden die Bauern verantwortlich gemacht. Für zu viel Stickstoff im Boden. Für zu viel Nitrat im Grundwasser. Für schlechte Luft durch Gülle. Für das Insektensterben. „Es werden immer mehr Flächen versiegelt, es wird immer mehr gebaut – sehen Sie sich mal die Vorgärten an“, spielt die Ortslandwirtin und Verbandsvorsitzende darauf an, dass in den Gärten immer weniger Pflanzen wachsen, die Insekten auch nutzen können, um zu überleben.

Familienbetriebe prägen Kulturlandschaft

Die hiesige Kulturlandschaft sei geprägt durch die landwirtschaftlichen Familienbetriebe. Wer diese Landschaft liebe und erhalten wolle, müsse diese Familienbetriebe unterstützen, machen die Drei deutlich. „Von dem, was auf unserem Land wächst und von unseren Tieren – von den Erträgen – ernähren wir uns. Da ist es doch klar, dass wir wollen, dass es Land und Tieren gut geht“, sagt Eva Niederdalhoff.

Die Düngeverordnung aus 2017 wird Thema. Die Landwirte befolgten die Regeln. Schwarze Schafe, natürlich, die gebe es überall, räumen die Landwirte ein. Die drei Bauern appellieren aber klar an die Politik, nicht schon wieder eine Düngeverordnung zu erlassen, sondern den Bauern Zeit einzuräumen, zu zeigen, dass die Maßnahme, die erfolgten, wirkten. „Das geht nicht in ein oder zwei Jahren.“ Das brauche mehr Zeit.

Daniel Schmiemann, Jan Oberdalhoff und Eva Niederdalhof wünschen sich mehr Achtung und Respekt von den Bürgern – den Verbrauchern – für ihre Arbeit. Nahrungsmittel würden in Deutschland immer noch – bis auf wenige Ausnahmen – nicht genug wertgeschätzt. „Wenn ich jetzt auf Bio umrüsten würde – ich würde meine Milch gar nicht los, der Markt mit Biomilch ist gesättigt“, sagt Jan Overdalhoff.

Den Anteil vom Einkommen, den die Bundesbürger für Nahrungsmittel ausgeben, sei in kaum einem anderen Land so gering wie in Deutschland.

Landwirte mahnen Planungssicherheit

Dürfen die Landwirte auch künftig ihre Ferkel selbst kastrieren? Oder müssen sie einen Arzt damit beauftragen und diesen bezahlen?Das ist eine Frage, die Landwirte zurzeit beschäftigt. Darüber hinaus sind die Buchten in den Sauen-Ställen Thema, da von politischer Seite darüber nachgedacht wird, ob Sauen, die ferkeln, mehr Platz brauchen. Aus den Geburtskäfigen sollen die Kästen raus, die eingerichtet worden sind, damit die Sauen ihre Ferkel nicht aus Versehen erdrücken.In beiden Fällen fehle den Landwirten derzeit Planungssicherheit. Die Folge sei, berichtet Jungbauer Daniel Schmiemann, dass nicht in neue Ställe investiert werde, obwohl Landwirte das eigentlich tun wollten. Aber sie wüssten eben nicht, ob ihre neuen Ställe in wenigen Jahren nicht schon wieder veraltet seien und sie eine Fehlinvestition tätigten.Daniel Schmiemann hat in drei verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben seine Ausbildung absolviert. Es folgte ein Praxisjahr im Bereich „Betriebshilfe“. Zurzeit besucht er die Fachschule für Agrarwirtschaft in Münster-Wolbeck. Von seien Mitschülern höre er die gerade geschilderten Sorgen immer wieder.Eva Niederdalhoff ist neben ihrem Beruf als Landwirtin auch bei der Kammer tätig – und hier im Ausbildungsbereich. Sie freut sich sehr darüber, dass sich Daniel Schmiemann für den Beruf des Landwirtes entschieden hat.In Westfalen-Lippe absolvierten zurzeit 1000 junge Menschen eine Ausbildung zum Landwirt, sie selbst betreue 300 angehende Landwirte.

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7051374?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F176%2F
Legenden, Freaks und coole Socken
Kinder der Kita St. Peter und Paul in Nienborg singen im Karaoke-Studio „Däpp Däpp Däpp, Johnny Däpp Däpp“ . . .
Nachrichten-Ticker