Renate Dölling (Dehoga) zu den wirtschaftlichen Chancen eines neues Hotels in Lienen
Unter keinem guten Stern?

Lienen -

Für eine große Überraschung hatten in der September-Sitzung des Planungs- und Bauausschusses die Pläne für einen Hotel-Neubau an der Stelle des jetzigen Jägerhofes gesorgt. Der Begeisterung für das Vorhaben damals folgte am Montagabend im Ausschuss für Tourismus eher Ernüchterung.

Dienstag, 12.11.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 13.11.2019, 17:10 Uhr
Einem neuen Hotel an der Stelle des Jägerhofes (oben rechts) sagte Renate Dölling im Fachausschuss wirtschaftlich schwieriges Fahrwasser voraus. Lienen sei ein Magnet für Tagestouristen.
Einem neuen Hotel an der Stelle des Jägerhofes (oben rechts) sagte Renate Dölling im Fachausschuss wirtschaftlich schwieriges Fahrwasser voraus. Lienen sei ein Magnet für Tagestouristen. Foto: msc/guk

Denn Renate Dölling vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband ( Dehoga ) Münsterland zeichnete eher ein düsteres Bild, was die (Überlebens-)Chancen eines solchen Hotels betrifft. Dabei ist nicht nach ihrer Einschätzung nicht der Standort das Hauptproblem, sondern die allgemeine Entwicklung der Branche. „Wobei wir im Münsterland noch ganz gut dastehen.“

Dölling hatte dazu etliche Statistiken und Zahlen mitgebracht. So haben die Hotels im Münsterland übers Jahr gesehen eine Auslastung von rund 37 Prozent. „50 Prozent müssten es aber schon sein, um wirtschaftlich überleben zu können“, sagte Dölling. Nur weil viele Betriebe noch Nebeneinkünfte hätten, schlage die mangelnde Auslastung „nicht ganz so zu Buche“.

Ein weiteres Problem sei, geeignetes Personal zu bekommen. Und in vielen Fällen habe der eigene Nachwuchs keine Lust dazu, den Betrieb weiterzuführen. Dann einen Nachfolger, also einen neuen Betreiber zu finden, sei schwierig. „Wir haben genügend Betriebe, die zu haben sind. Aber finden Sie mal jemanden, der sich freiwillig Arbeit kauft.“

Mit ihren Ausführungen wollte Dölling auf keinen Fall sagen, dass Lienen mit seinem Barfußpark und den Wanderwegen im Teuto touristisch nicht attraktiv ist. „Aber Tagestouristen brauchen keine Übernachtungsmöglichkeiten.“

Ausschussmitglied Eckhard Sander (CDU) konnte dem als Eigentümer eines Ferienhofes nur beipflichten: „Die Zeiten, in denen die Familien aus dem Ruhrgebiet zu uns gekommen sind, sind vorbei. Heute sind es doch fast nur noch Monteure, die Ferienzimmer buchen.“

Im Ausschuss entspann sich eine Diskussion darüber, wie man wieder Feriengäste nach Lienen holen könnte. Man war sich einig, dass das nur möglich sei mit einem Hotel mit einem bestimmten Alleinstellungsmerkmal im weiten Umkreis oder zum Beispiel einem Erlebnis-Bauernhof, der auch tatsächlich alle Erwartungen an einen Bauernhof erfüllt. Die Ideen reichten vom Wellness-Hotel bis hin zu „Kuh-Kuscheln“ und übernachten im Heu. Unbeantwortet blieb die Frage, wer so etwas umsetzen könnte.

Der Einladung von Dölling in den Ausschuss lag ein Antrag der FDP zugrunde, die im Frühjahr dieses Jahres um eine Hotelbedarfsanalyse gebeten hatte. Erst Mitte September war die eingangs erwähnte Sitzung des Planungs- und Bauausschusses, in der die Neubaupläne für ein Hotel präsentiert wurden. Auf dieses Projekt angesprochen, hielt Dölling mit ihrer Skepsis nicht hinterm Berg: „Das halte ich aus wirtschaftlicher Sicht für sportlich, wenn nicht utopisch.“ Allerdings würden Investoren Hotels heute vielfach so planen, dass diese bei Ausbleiben des wirtschaftlichen Erfolges leicht zu Wohnanlagen umgebaut werden können.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7061963?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F176%2F
2:0 gegen Magdeburg: Preußen Münster beendet Sieglosserie
Er kann es noch; Rufat Dadashov (2.v.l.) erzielte wie in Meppen ein Tor, dieses Mal zur 1:0-Führung
Nachrichten-Ticker