„Spurensuche“ der Familienforscher
„Meuchelmord“ bleibt ungesühnt

Lienen-Kattenvenne -

Über einen „Meuchelmord“ und seine Hintergründe schreibt Helmut Scherer im neuen Heft „Spurensuche“ der Familienforschung im Tecklenburger Land. Um ein Motiv für diese feige Tat zu finden, geht er auf die möglichen Hintergründe ein. Die WN veröffentlichen Auszüge aus dem Artikel.

Dienstag, 14.01.2020, 20:00 Uhr

„Es war Donnerstag, 10. Dezember 1931 abends um 20.30 Uhr; an diesem frostigen Abend war der Tischlermeister und Gemeindevorsteher August Hooge noch in seiner Werkstatt beschäftigt. Durch ein Werkstattfenster wurde er aus kurzer Entfernung von hinten in den Rücken geschossen. Die Kugel durchschlug seinen Körper und prallte noch an der eisernen Bohrmaschine ab. Hooge rief noch nach seinem Gehilfen, der im Nebenraum arbeitete und schleppte sich dann bis vor die Haustür seines Wohnhauses, wo er zusammenbrach.Von dort wurde er in die Universitätsklinik nach Münster gebracht, wo er jedoch noch am selben Abend verstarb.“

Über diesen „Meuchelmord“ und seine Hintergründe schreibt Helmut Scherer im neuen Heft „Spurensuche“ der Familienforschung im Tecklenburger Land. Um ein Motiv für diese feige Tat zu finden, geht er auf die möglichen Hintergründe ein. Die WN veröffentlichen Auszüge aus dem Artikel.

Demnach war August Hooge, am 13. Dezember 1883 in Schwege geboren, ein angesehener Mann in Kattenvenne. Für seine Tischlerei ließ er sich schon 1924 einen Elektro- und auch einen Telefonanschluss legen. Wo die Bauern in der Umgebung sich noch vor dem „Teufelszeug“ elektrischer Strom fürchteten, sah August Hooge den technischen Fortschritt positiv. Für den Gemeindevorsteher Hooge hatten Gesetze und Verordnungen, Recht und Ordnung die höchste Priorität. Ein „Auge zudrücken“ kam für ihn nicht in Frage.

Weiter berichtet der Chronist, dass Familie Altevogt mit zwei Söhnen und drei Töchtern etwa einen Kilometer von Hooges entfernt wohnte. Nach zwei Schicksalsschlägen war die Familie verarmt und musste zwangsläufig ihr Anwesen verkaufen. „Die Räumung des Hauses stand Dezember 1931 unmittelbar bevor. Altevogt Senior hatte schon vor geraumer Zeit eine Langwaffe gegen eine Pistole eingetauscht. Er hegte auch einen Groll gegen Hooge, weil dieser bei der Versteigerung des Anwesens ein Pferd ersteigert hatte. Als August Hooge mit seinem Sohn das Pferd von der Weide holen wollte, wurde schon dort auf sie geschossen, jedoch ohne zu treffen“, heißt es in dem Bericht.

Ein Sohn Altevogts, der in Herford eine Gefängnisstrafe absitzen musste, hatte ein Gnadengesuch eingereicht, was wiederum durch August Hooge als Gemeindevorsteher befürwortet werden musste. Eine Zustimmung mochte August Hooge aber nicht geben. Daraufhin wurden von Altevogt schon mal Drohungen gegenüber Hooge ausgesprochen.

Am Tag des Mordes hatte die Familie Altevogt gerade die Ablehnung des Gnadengesuches für ihren Sohn aus Herford erhalten. Noch am selben Abend wurde die der Tat dringend verdächtige Familie Altevogt festgenommen und in das Gerichtsgefängnis nach Tecklenburg gebracht.

Weiter hat Scherer recherchiert: „Eine Mordkommission mit Kripobeamten aus Essen und Recklinghausen sicherte die Beweise. Etwa 100 Bauern aus der Umgebung halfen tags darauf freiwillig bei der Suche nach der Tatwaffe mit Rechen und Harken. Gefunden wurde sie aber nicht. Am Tatort fand man lediglich eine Patronenhülse und die Kugel, welche zum gleichen Kaliber gehören wie die vermutete Tatwaffe. Verwertbare Fußspuren waren auf dem hartgefrorenen Boden auch nicht zu finden.

Der Sohn der Altevogts wurde nach Münster verbracht, wo er von der Staatsanwaltschaft mit dem Leichnam Hooges konfrontiert wurde. Der Sohn scheute davor, die Leiche anzusehen und sagte: „Vadder, vertell du, du weest alles biärter as ik“. Der Vater äußerte sich nicht zu den Tatvorwürfen. Am Mittwoch danach wurden die drei Töchter dann aus der Haft entlassen. Zu diesem Zeitpunkt wurden der Vater als Anstifter und der Sohn als Ausführender des Mordes gesehen.

Am Samstag, 16. Januar 1932, haben dann unbekannte Personen das Wohnhaus der Altevogts mit Rammböcken in Schutt und Asche gelegt. Vom Dachboden bis zum Keller blieb kein Stein auf den anderen.“

Weiter heißt es in dem Bericht, dass in der Ruine spielende Kinder in einem Backofen zehn Patronen fanden, die zu der vermuteten Tatwaffe gehören könnten. Am Sonntagabend soll sich dann noch eine Tochter Altevogts in den Ruinen aufgehalten haben und mit einer Blechkiste unter dem Arm die Ruine fluchtartig verlassen haben. Es wurde gemutmaßt, dass sich darin die Pistole befunden haben könnte. Die Waffe blieb indes verschwunden.

„Mit den damals vorhandenen kriminaltechnischen Mittel zur Beweissicherung und bei der Verschwiegenheit der Angeklagten blieb dem Gericht, trotz erdrückender Indizien, nichts anderes übrig, als die Beschuldigten freizulassen. Eine Täterschaft konnte ihnen nicht nachgewiesen werden. Im Fall eines Geständnisses hätte dem Mörder zur damaligen Zeit die Todesstrafe gedroht.“ So endet der Bericht über den „Meuchelmord“.

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