Großeinsatz nach Gasexplosion
Eingeschlossener Feuerwehrmann in Lienen ist tot

Lienen -

In Lienen hat sich am Samstag gegen 11.15 Uhr eine Gasexplosion in einem Wohnhaus ereignet. Einer der beiden Feuerwehrleute, die im Keller des Gebäudes am Diekesdamm verschüttet worden waren, hat das Unglück nicht überlebt. Der zweite Mann war am Nachmittag gerettet worden.

Samstag, 08.02.2020, 12:34 Uhr aktualisiert: 09.02.2020, 11:38 Uhr
Großeinsatz nach Gasexplosion: Eingeschlossener Feuerwehrmann in Lienen ist tot
Nach der Explosion liegt das Treppenhaus des Gebäudes offen. Da nicht sicher ist, ob das Haus einstürzen könnte, müssen die Einsatzkräfte mit äußerster Vorsicht vorgehen. Foto: Michael Baar

Aus ungeklärter Ursache ist es am Samstag gegen 11.15 Uhr im Haus Diekesdamm 7 in Lienen zu einer Explosion gekommen. Dabei wurden fünf Feuerwehrleute verletzt. Drei von ihnen wurden von herumfliegenden Glassplittern und Trümmerteilen getroffen. Zwei Einsatzkräfte wurden im Keller verschüttet. Zu einem von ihnen hatten die Rettungskräfte in den Mittagsstunden Kontakt hergestellt und ihn, soweit möglich, medizinisch versorgt. Er wurde am späten Nachmittag aus den Trümmern befreit und in ein Krankenhaus gebracht. Am frühen Abend wurde dann bekannt, dass der zweite Mann das Unglück nicht überlebt hat. Wie dpa berichtete, solle sein Leichnam noch am Samstag aus dem Keller des teilweise eingestürzten Gebäudes geborgen werden.

Bei den Verletzten und dem Toten handelt es sich um Mitglieder der Lienener Feuerwehr . Diese war gegen 11.20 Uhr alarmiert worden. Im Gebäude am Diekesdamm 7 hatten Bewohner Gasgeruch festgestellt.

Als die Einsatzkräfte am Haus eintrafen, hatte ein Großteil der Bewohner das Gebäude bereits verlassen. Die Einsatzkräfte, so Kreisbrandmeister Ralph-Raphael Meier , hätten einen aus zwei Personen bestehenden Einsatztrupp ins Haus geschickt. Ein zweiter Einsatztruppe habe – ebenfalls mit Atemschutzausrüstung – habe vor dem Gebäude in Bereitschaft gestanden. Ebenso die weiteren Kameraden der Wehr. „Wir mussten kontrollieren, ob wirklich alle Bewohner das Haus verlassen hatten“, erläutert der Lienener bei einer Pressekonferenz am Samstagnachmittag. So sei ein Bewohner ins Haus zurückgekehrt, um seinen Hund zu retten.

Wir mussten kontrollieren, ob wirklich alle Bewohner das Haus verlassen hatten.

Ralph-Raphael Meier, Kreisbrandmeister und Einsatzleiter

Als der Einsatztrupp den Keller durchsuchen wollten, kam es zu einer schweren Explosion. Durch herumfliegende Glassplitter und Trümmerteile wurden drei Feuerwehrkameraden, die vor dem Haus standen, verletzt. „Aufgrund der Einsatzlage habe ich den Alarm dann ausgeweitet“, beschreibt Ralph-Raphael Meier das weitere Vorgehen.

Da nicht sicher war, ob das Haus einsturzgefährdet ist, mussten die Feuerwehrleute äußerst vorsichtig vorgehen. In den Mittagsstunden gelang es ihnen, Kontakt zu einem der beiden Vermissten aufzunehmen. „Wir haben ihn medizinisch versorgt, soweit das möglich war“, beschreibt Dr. Matthias Zahl die ersten Schritte. Die Rettung des unter Trümmern eingeklemmten Kameraden gestaltete sich sehr schwierig.

Explosion in Lienener Wohnhaus

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Bis zum Beginn der Pressekonferenz um 15.30 Uhr war es den Einsatzkräften nicht gelungen, Kontakt zur zweiten verschütteten Person aufzunehmen. Die Einsatzkräfte der Lienener Feuerwehr wurden nach und nach durch Kameraden von der Lengericher Wehr abgelöst und psychosozial betreut, teilte der Kreisbrandmeister als Einsatzleiter mit.

Vorsichtige Suche, da das Haus einstürzen könnte

Das Vorgehen der Rettungskräfte erforderte äußerste Umsicht, da auch am Nachmittag noch nicht feststand, ob das Gebäude noch einstürzen könnte. Zu Abschätzung dieser Gefahr wurde ein Baufachberater des Technischen Hilfswerks hinzugezogen.

„Uns wurden zehn Verletzte gemeldet“, erklärte Matthias Zahl, warum die Rettungskräfte in großer Zahl nach Lienen eilten. Vier Notärzte, zwei Rettungshubschrauber und mehrere Rettungswagen waren im Einsatz. Die beiden Helikopter verharrten bis zum späten Nachmittag in Lienen, um die Vermissten in Krankenhäuser zu fliegen, sobald sie aus den Trümmern gerettet sind.

Die Rettung der Verschütteten hat Vorrang vor der Ermittlung der Unglücksursache.

Johannes Tiltmann, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde

Die Explosion war im ganzen Ort zu hören, wie mehrere Augenzeugen berichteten. Die Trümmer des Hauses flogen bis zum Haus des Gastes, ein Teil landete im Dorfteich. Die Ursache der Explosion ist offen. „Die Rettung der beiden verschütteten Feuerwehrleute hat Vorrang“, unterstrich Johannes Tiltmann. Die Ermittlungen zur Ursache des Unglücks würden danach aufgenommen. Zu diesem Zweck werde die Unglücksstelle beschlagnahmt, fügte der Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Steinfurt hinzu.

Die insgesamt 17 Bewohner des Hauses, in dem fünf Wohnungen und die Geschäftsstelle des Ortsverbandes der Arbeiterwohlfahrt untergebracht sind, wurden zunächst in der Rettungswache der Feuerwehr betreut. Wie Bürgermeister Arne Strietelmeier in der Pressekonferenz mitteilte, würden die Betroffenen versuchen, bei Familienangehörigen oder Freunden unterzukommen. Die Gemeinde werde jedwede Hilfestellung geben, versicherte er.

Wir werden den betroffenen Bewohnern in jeder Hinsicht helfen.

Bürgermeister Arne Strietelmeier

Im katholischen Pfarrheim an der Bergstraße wurde ein Raum bereitgestellt, in dem sich die hinzugerufenen Notfallseelsorger um die betroffenen Menschen kümmerten. Als erster war Norbert Brockmann, Pastoralreferent der katholischen Kirchengemeinde, vor Ort und stellte das Pfarrheim zur Verfügung.

„Die Sanierung des Hauses war gerade erst abgeschlossen“, berichtet der Besitzer Rudolf Hunsche im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten. Eine Gasheizung gebe es im Haus nicht, es werde mit Öl beheizt, konnte er sich auch nicht erklären, wie es zu der Explosion gekommen ist.

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