Schwierige Suche nach den beiden Verschütteten
Traurige Gewissheit nach stundenlangem Hoffen

Lienen -

Aus ungeklärter Ursache ist es am Samstag gegen 11.20 Uhr im Haus Diekesdamm 7 in Lienen zu einer Explosion gekommen. Dabei wurden fünf Feuerwehrleute verletzt. Drei von ihnen wurden von herumfliegenden Glassplittern und Trümmerteilen getroffen. Zwei Einsatzkräfte wurden im Keller verschüttet. Zu einem von ihnen hatten die Rettungskräfte in den Mittagsstunden Kontakt hergestellt und ihn, soweit möglich, medizinisch versorgt. Er wurde am späten Nachmittag aus den Trümmern befreit und in ein Krankenhaus gebracht. Die Suche nach dem zweiten Feuerwehrmann dauert an.

Samstag, 08.02.2020, 17:06 Uhr aktualisiert: 10.02.2020, 12:48 Uhr
Nach der Explosion liegt das Treppenhaus offen. Da nicht sicher ist, ob das Haus einstürzen könnte, müssen die Einsatzkräfte bei der Rettung der beiden verschütteten Feuerwehrkameraden mit äußerster Vorsicht vorgehen.
Nach der Explosion liegt das Treppenhaus offen. Da nicht sicher ist, ob das Haus einstürzen könnte, müssen die Einsatzkräfte bei der Rettung der beiden verschütteten Feuerwehrkameraden mit äußerster Vorsicht vorgehen. Foto: Michael Baar

Bei einer Explosion in einem Haus sind am Samstagvormittag vier Personen verletzt worden, ein Mann kam ums Leben. Bei den Verletzten und dem Getöteten handelt es sich um Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Lienen. Diese war um 11.15 Uhr alarmiert worden. Im Gebäude am Diekesdamm 7 hatten Bewohner Gasgeruch festgestellt.

Bewohner bemerken Gasgeruch und alarmieren die Feuerwehr

Als die Einsatzkräfte am Haus eintrafen, hatte ein Großteil der Bewohner das Gebäude bereits verlassen. Die Einsatzkräfte, so Kreisbrandmeister Ralph-Raphael Meier , hätten einen aus zwei Personen bestehenden Einsatztrupp ins Haus geschickt. Ein zweiter Einsatztrupp – ebenfalls mit Atemschutzausrüstung – habe vor dem Gebäude in Bereitschaft gestanden. Ebenso die weiteren Kameraden der Wehr. „Wir mussten kontrollieren, ob wirklich alle Bewohner das Haus verlassen hatten“, erläutert der Lienener im Gespräch mit dieser Zeitung die Aufgabe der beiden Kameraden, die zuerst ins Gebäude gegangen seien. Aus dem hätten sich noch mehrere Bewohner geholt, von denen einer ins Haus zurückgekehrt war, um seinen Hund zu retten.

Wir mussten kontrollieren, ob wirklich alle Bewohner das Haus verlassen hatten.

Ralph-Raphael Meier, Kreisbrandmeister und Einsatzleiter

Als sich das zweiköpfige Team anschließend auf die Suche nach der Ursache des Gasgeruchs in den Keller begab, kam es zu einer schweren Explosion. Durch herumfliegende Glassplitter und Trümmerteile wurden drei der Feuerwehrkameraden, die vor dem Haus standen, verletzt. „Aufgrund der Einsatzlage habe ich den Alarm dann ausgeweitet“, beschrieb Ralph-Raphael Meier das weitere Vorgehen.

Da nicht sicher war, ob das Haus einsturzgefährdet ist, mussten die Feuerwehrleute äußerst vorsichtig vorgehen. In den Mittagsstunden gelang es ihnen, Kontakt zu einem der beiden Vermissten aufzunehmen. „Wir haben ihn medizinisch versorgt, soweit das möglich war“, erläuterte Dr. Matthias Zahl die ersten Schritte aus ärztlicher Sicht. Die Rettung des unter Trümmern eingeklemmten Kameraden gestaltete sich sehr schwierig.

Bis zum Beginn einer für 15.30 Uhr angesetzten Pressekonferenz war es den Einsatzkräften nicht gelungen, Kontakt zur zweiten verschütteten Person aufzunehmen. Die Mitglieder der Lienener Feuerwehr wurden nach und nach durch Kameraden von der Lengericher Wehr abgelöst und dann von einem PSU-Team (Psychosoziale Unterstützer) betreut, teilte der Kreisbrandmeister als Einsatzleiter mit. Dadurch werde den Kameraden geholfen, das Erlebte zu verarbeiten, fügte er hinzu.

Vorsichtige Suche, da das Haus einstürzen könnte

Um die mögliche Gefahr eines Einsturzes des Gebäudes einschätzen zu können, wurde unter anderem ein Baufachberater des Technischen Hilfswerks gerufen. Erste Sicherungsmaßnahmen waren schon vorgenommen worden mit Blick auf die beiden im Keller vermissten Personen.

Gegen 16 Uhr machte sich die positive Nachricht breit, dass der eine verschüttete Kamerad aus dem Keller befreit und in ein Krankenhaus gebracht werden konnte. Am frühen Abend dann die traurige Gewissheit, dass der zweite verschüttete Helfer nur noch tot geborgen werden konnte.

Dass die Rettungskräfte in sehr großer Zahl nach Lienen geeilt waren, hatte einen Grund: „Uns wurden zehn Verletzte gemeldet“, erklärte Matthias Zahl, warum vier Notärzte, zwei Rettungshubschrauber und mehrere Rettungswagen im Einsatz waren. Die beiden Helikopter blieben bis zum späten Nachmittag in Lienen in Einsatzbereitschaft.

Die Rettung der Verschütteten hat Vorrang vor der Ermittlung der Unglücksursache.

Johannes Tiltmann, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde

Die Explosion war im ganzen Ort zu hören, wie mehrere Augenzeugen berichteten. Die Trümmer des Gebäudes flogen bis zum Haus des Gastes, ein Teil landete im Dorfteich. Warum es zu diesem Unglück gekommen ist, blieb auch am Sonntag offen. „Die Rettung der beiden verschütteten Feuerwehrleute hat Vorrang“, unterstrich Johannes Tiltmann am Samstagnachmittag. Die Ermittlungen zur Ursache des Unglücks würden danach aufgenommen. Zu diesem Zweck werde die Unglücksstelle beschlagnahmt, fügte der Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Steinfurt hinzu.

Die insgesamt 17 Bewohner des Hauses, in dem sich fünf Wohnungen und der Treffpunkt des Ortsverbandes der Arbeiterwohlfahrt befanden, wurden zunächst in der Rettungswache der Feuerwehr betreut. Wie Bürgermeister Arne Strietelmeier mitteilte, würden die Betroffenen versuchen, bei Familienangehörigen oder Freunden unterzukommen. Die Gemeinde werde jedwede Hilfestellung geben, versicherte er.

Wir werden den betroffenen Bewohnern in jeder Hinsicht helfen.

Bürgermeister Arne Strietelmeier

Im katholischen Pfarrheim an der Bergstraße wurde ein Raum bereitgestellt, in dem sich die hinzugerufenen Notfallseelsorger um die betroffenen Menschen kümmerten. Als erster war Norbert Brockmann, Pastoralreferent der katholischen Kirchengemeinde, vor Ort und stellte das Pfarrheim zur Verfügung.

„Die Sanierung des Hauses war gerade erst abgeschlossen“, berichtete der Besitzer Rudolf Hunsche im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten. Eine Gasheizung gebe es im Haus nicht, es werde mit Öl geheizt, konnte er sich auch nicht erklären, wie es zu der Explosion gekommen war.

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