Junger Feuerwehrmann gestorben
Staatsanwalt: Explosion in Lienen vermutlich „vorsätzlich herbeigeführt“

Lienen -

Die Explosion in Lienen, bei der ein 19-jähriger Feuerwehrmann ums Leben gekommen ist, wurde möglicherweise „vorsätzlich herbeigeführt“. Im Keller des Hauses fand die Polizei eine Gasflasche.

Montag, 10.02.2020, 12:48 Uhr aktualisiert: 10.02.2020, 17:41 Uhr
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In Lienen sind Kerzen und Blumen am Unglücksort aufgestellt worden. Foto: Michael Schwakenberg

Nach dem Tod eines erst 19 Jahre alten Feuerwehrmanns bei einer Gasexplosion in Lienen am Samstag hat die Polizei in Münster die Ermittlungen übernommen. Eine Mordkommission ermittelt. „Die intensiven Ermittlungen am Wochenende deuten daraufhin, dass die Explosion durch Gasaustritt vorsätzlich herbeigeführt wurde“, erläuterte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt am Montagnachmittag. „Die Ermittlungen hierzu stehen noch ganz am Anfang.“

Im Keller des Haues sei eine Gasflasche gefunden worden, aus der vermutlich das Gas ausgetreten sei, das zu der tödlichen Explosion geführt hatte.

Unglücksstelle nicht betretbar

Die Ermittlungen werden dadurch erschwert, dass die die Ermittler das einsturzgefährdete Gebäude derzeit aus Sicherheitsgründen nicht betreten können. „Das Wohngebäude ist einsturzgefährdet und kann aktuell nicht betreten werden“, erklärte der Leiter der Mordkommission Kriminalhauptkommissar Frank Schneemann. „Das erschwert die Tatortaufnahme und die Spurensuche. Aktuell vernehmen wir Zeugen und gehen ersten Hinweisen nach.“ Die Obduktion der Leiche des Feuerwehrmannes sei angeordnet worden.

Kein Gasanschluss

In dem Gebäude, in dem es am Samstag zu einer Explosion gekommen ist, gibt es keinen Gas-Hausanschluss. Das geht aus einer Pressemitteilung der Stadtwerke Lengerich (SWL) hervor. „Wir waren mit unseren Einsatzkräften vor Ort und haben das Erdgasnetz sowie gemeinsam mit der Feuerwehr die Kanalisation sowie die Umgebung auf Erdgaskonzentrationen geprüft, um eine Gefährdung durch Erdgas auszuschließen“, heißt es wörtlich in der Verlautbarung der Stadtwerke. Das Ergebnis dieser umfangreichen Kontrollen: „Die Prüfung hat keine Auffälligkeiten am Erdgasnetz ergeben.“

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Explosion in Lienener Wohnhaus

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Die Feuerwehrleute waren am Samstagvormittag in das Wohnhaus gerufen worden. Bewohner hatten Gasgeruch festgestellt und sich selbst in Sicherheit gebracht. Als sich ein zweiköpfiges Feuerwehr-Team auf die Suche nach der Ursache des Gasgeruchs in den Keller begab, kam es zur Explosion. Die Detonation brachte das Haus teilweise zum Einsturz. Der 19-Jährige wurde nach komplizierten Bergungsarbeiten tot gefunden. Sein ebenfalls verschütteter Kamerade kam schwer verletzt ins Krankenhaus. Weitere Feuerwehrleute wurden durch herumfliegene Glassplitter und Trümmerteile verletzt.

In einem bewegenden Nachruf bei Facebook verabschiedete sich die Freiwillige Feuerwehr Lienen am Sonntagabend von ihrem verstorbenen Kameraden. „Auch Stunden und Tage nach diesem Unglück macht es uns sprachlos, diesen Verlust zu begreifen”, heißt es dort, „sein Engagement war bespielhaft, sein Einsatz selbstlos und seine Ziele wohl noch lange nicht erreicht”.

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„Die Begegnungsstätte existiert nicht mehr“

Die Zerstörungen in dem Gebäude sind immens. Die Bewohner des Hauses kamen teils bei Verwandten unter, andere wurden von der Gemeinde untergebracht.

In dem Haus war neben fünf Wohnungen auch der Treffpunkt der Arbeiterwohlfahrt untergebracht. Sabrina Kramer, Awo-Ortsvorsitzende in Lienen, berichtet, dass der Keller eingestürzt und dadurch fast in der gesamten Begegnungsstätte der Fußboden abgesackt sei. „Die Begegnungsstätte existiert nicht mehr“, sagte Kramer am Montagmorgen.


Vier Fragen an  Raphael-Ralph Meier , Kreisbrandmeister und Einsatzleiter beim Unglück in Lienen

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Raphael-Ralph Meier während des Einsatzes am Samstag in Lienen. Foto: Jens Keblat

Gibt es ein festes Prozedere, wie die Feuerwehr bei Gasalarm vorzugehen hat?

Meier: Ja. Es gibt Vierfach-Gasspürgeräte, mit denen die Konzentration, beispielsweise von Erdgas, in Räumen geprüft werden kann.

Schlagen diese Geräte erst an, wenn eine gefährlich hohe Gaskonzentration vorliegt?

Meier: Nein. ein Alarm wird schon ausgelöst, wenn die Konzentration noch deutlich unter einem möglichen Explosionspunkt liegt.

So wurde am Samstag auch vorgegangen?

Meier: Bei Gasalarm wird auch der Energieversorger, in diesem Fall die Stadtwerke Lengerich, informiert. Die beiden Kameraden haben die Gaskonzentration geprüft und dann unmittelbar mit der Rettung der noch im Haus befindlichen Bewohner begonnen.

Die Menschenrettung hat oberste Priorität. Erst dann wird nach der Ursache des Gasalarms gesucht?

Meier: So ist es und so sind auch die Kameraden am Samstag vorgegangen. Wobei zu dem Zeitpunkt schon feststand, dass das Gebäude keine Gasanschluss hat.

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Kameraden nehmen Abschied von getötetem Feuerwehrmann
Hunderte Einsatzkräfte waren zum Trauergottesdienst in der Reithalle des Zucht,- Reit- und Fahrvereins Lienen gekommen.
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