Dr. Christof Spannhoff hat Lienen beim Tag der Archive vertreten
Als Lienen Münzstätte der Grafen war

Lienen -

In Lienen wurden einst Münzen geprägt. Dr. Christof Spannhoff hat jetzt über dieses Kapitel der Ortsgeschichte beim „Tag der Archive“ des Kreises Steinfurt unterrichtet.

Dienstag, 10.03.2020, 18:06 Uhr
Lienen Münzprägung Tag der Archive
Lienen Münzprägung Tag der Archive Foto: Christof Spannhoff

Am vergangenen Sonntag hat in Stroetmanns Fabrik in Emsdetten der „ Tag der Archive “ des Kreises Steinfurt stattgefunden. Zen­trales Thema war dieses Mal „Wirtschaft – Wachstum – Wandel“. 19 Kommunalarchive des Kreises stellten zu diesem Motto Archivalien und Geschichte(n) aus ihrem Ort vor. Für die Gemeinde Lienen hatte Dr. Christof Spannhoff unter dem Titel „Vier Jahre Münzprägung in Lienen“ ein besonderes Thema ausgearbeitet und in Emsdetten präsentiert: die Herstellung von Geldstücken.

„Wirtschaft und Geld sind ein untrennbares Paar. Während allerdings heute Banknoten und Münzen nur noch an wenigen Orten hergestellt werden, gab es in der Vormoderne (vor 1800) eine Fülle von Prägestätten“, informierte der Historiker und Sprachwissenschaftler. Das habe mit der damaligen territorialen Gliederung des Gebietes des heutigen Deutschlands zusammengehangen, das aus vielen Groß- und Kleinstaaten bestand. Viele der früheren Landesherren hätten das Recht zur Münz­erzeugung besessen und ihr eigenes Geld gefertigt. Spannhoff: „Auch in Lienen befand sich von 1670 bis 1674 eine solche Prägestätte der Grafen von Tecklenburg. Diese richteten sie auf dem im 19. Jahrhundert abgebrochenen Rittergut Kirstapel ein, das die Grafen 1650 erworben hatten.“

An die Lage des Gutes wenige hundert Meter südwestlich des Ortes erinnert heute nur noch der Kirstapelweg. Über die dortige Münzstätte berichtet der Zeitgenosse Gerhard Arnold Rump in seiner 1672 gedruckten Geschichte der Grafschaft Tecklenburg: „Anno 1670 mit nicht geringen Kosten zu Behuf der Müntze gar fein renovirt worden.“

Lienen sei wohl deshalb als Münzniederlassung gewählt worden, weil der Ort über eine gute Verkehrsverbindung nach Herford verfügte, vermutet Spannhoff. Von dort habe man das zur Münzprägung benötigte Edelmetall bezogen. Der Historiker verweist darauf, dass die Tecklenburger Grafen mit ihrer Residenz ab 1674 auch ihre Münzstätte nach Rheda verlagert haben, wo bereits zuvor Tecklenburger Geldstücke geschlagen worden waren. Warum es 1670 zur Verlagerung nach Lienen kam, sei ungewiss. „Auf jeden Fall wurden hier von 1670 bis 1674 Münzen gefertigt“, so Spannhoff.

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