Ursprung des Brückensteins beim Alten Farmhaus in Lienen
Immer wenn der König kam

Lienen -

Gedenksteine erzählen spannende Geschichten. Am Stein in der Sandsteinmauer zum Alten Farmhaus sind sogar Könige vorbeigezogen.

Donnerstag, 19.03.2020, 19:37 Uhr aktualisiert: 22.03.2020, 16:34 Uhr
Der Stein in der Mauer beim Alten Farmhaus ist ein ehemaliger Brückenstein aus dem Jahr 1772. Er zierte den im Volksmund „Friedrichs-Brücke“ genannten Sürkenbach-Übergang. Foto: Heimatverein Lienen
Der Stein in der Mauer beim Alten Farmhaus ist ein ehemaliger Brückenstein aus dem Jahr 1772. Er zierte den im Volksmund „Friedrichs-Brücke“ genannten Sürkenbach-Übergang. Foto: Heimatverein Lienen

Wenn man sie zum Sprechen bringt, erzählen Gedenksteine spannende Geschichten aus der Vergangenheit. Umso wichtiger ist es, dass diese Denkmäler erhalten, gepflegt und somit Teil der lokalen Erinnerungskultur werden. Auch in der Sandsteinmauer zum Alten Farmhaus ist ein solcher Stein.

Drei Felder sind auf seiner Schauseite zu sehen: Die Inschrift ANNO 1772 wird von den vom Schriftzeichen FR unter einer Krone flankiert. FR steht für das lateinische „ Fridericus Rex “, was zu Deutsch „König Friedrich“ bedeutet. 1772 ist Friedrich II. von Preußen gemeint, der als „der Große“ in die Geschichte eingegangen ist.

Doch was hat es mit dem königlichen Stein auf sich? Sein Ursprung liegt im Wege- und Brückenbau des 18. Jahrhunderts. Um 1750 wurden die Wege und Straßen in Lienen noch als „in sehr miserabelen Umständen“ bezeichnet. Ein geharnischter Erlass der preußischen Regierung in Minden vom 30. Mai 1751 befahl daher allen Untertanen, sich auf amtliche Anweisung der Wegebesserung zu unterziehen. Sie sollten allerdings dazu „tüchtige Leute und keine Weiber oder Kinder“ schicken, was anscheinend in der Vergangenheit der Fall gewesen war. Bei Weigerung wurden Züchtigungen und Gefängnisstrafen in Aussicht gestellt. Diese drakonischen Maßnahmen wurden ergriffen, weil der König für Juni des Jahres seine Durchfahrt durch Lienen und Lengerich auf seiner Reise nach Emden angekündigt hatte. Das Dorf erhielt aus diesem Grunde ein neues Steinpflaster, das sich aber schon 1760 wieder in desolatem Zustand befand. 1768 wurde erneut die Passage des preußischen Königs durch Lienen erwartet und erneut „Wegebesserung“ befohlen. Damals war die Brücke über den „Sürkenbach“, der entlang des heutigen Weges „Zum Teich“ und der Schulstraße floss, zerfallen und musste erneuert werden. Nach der Vorstellung des damaligen Lienener Amtmanns Christian Ernst Arendt sollte sie nicht aus Holz, sondern aus Steinen gebaut werden.

Erst 1772 wurde die Brücke fertiggestellt, wie der Stein in der Mauer beim Alten Farmhaus bezeugt. Der aus Hau-Steinen errichtete Übergang wurde deshalb auch „Friedrichs-Brücke“ genannt. Die „Königsbrücke“ in Ladbergen soll übrigens ebenfalls die Initialen des Königs getragen haben.

Im Rahmen der Verlegung eines neuen Pflasters und der Verrohrung des Sürkenbachs wurde die Lienener Brücke 1910 abgebrochen und der Brückenstein als Andenken im Garten des Amtshauses, der heutigen Gemeindeverwaltung, aufbewahrt. Später gelangte er an seinen heutigen Standort.

Die Befestigung der Straßen in Lienen, aber auch andernorts, war im 18. Jahrhundert ein Dauerthema. Die sogenannte Kuhstraße (heute Iburger Straße) wurde als ein „wahrer Morast“ bezeichnet, generell das Lienener Straßenpflaster 1778 als derart ruiniert beschrieben, dass Wagen darin zerbrechen könnten.

Wenn der König unterwegs war, mussten nicht nur die Wege in Stand gesetzt sein, sondern auch Pferde für den Wagen des Monarchen gestellt werden. Als Friedrich Wilhelm II. 1788 auf einer Reise durch die nördliche Grafschaft Tecklenburg kam, waren aus Lienen 60 Pferde für dessen Station in Osnabrück zu liefern. Allein für die Kutsche des Königs waren acht Rappen notwendig, die von den Bauern Hußmann, Jasper, Altekruse, Meyer in Westerbeck, Johann Dothage, Altevogt, Wieneke und Teeske gestellt wurden. Der Kattenvenner Bauer Gerddothage erlitt damals bei der Überführung der Pferde nach Osnabrück einen Beinbruch. Das Kinderlied „Hopp, hopp, hopp, Pferdchen lauf Galopp“ mit der Warnung vor dem Brechen der Beine auf dem Weg „über Stock und über Steine“ hat also einen durchaus historischen Hintergrund.

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