Lienen

Gronau/Schüttorf -

Im Laborzentrum Nord-West in Schüttorf werden derzeit jeden Tag etwa 1000 Proben – auch aus Gronau und der Region – auf den Coronavirus untersucht. Im Fokus sollen künftig vor allem Risikopatienten und Patienten mit Verdachtssymptomen stehen, vorrangig aus den Krankenhäusern in der Region.

Donnerstag, 02.04.2020, 21:01 Uhr aktualisiert: 03.04.2020, 15:22 Uhr

Schnörkellos und unaufgeregt präsentiert sich die Fassade des Hauses mit der Nummer 14 an der Technikerstraße in Schüttorf. Hinter den Mauern allerdings arbeiten derzeit etwa 150 Mitarbeiter auf Hochtouren. Hier laufen aktuell täglich rund 1000 Tests ein, deren Ergebnis Menschen in der Grafschaft ebenso wie in den Kreisen Borken und Steinfurt zum größten Teil mit sorgenvoller Spannung erwarten. Die Proben stammen von Menschen, bei denen ein Verdacht auf Infektion mit Covid-19 besteht.

Täglich 1000 Proben

„Unserer Aufgabengebiet spannt sich von der Labormedizin über die Mikrobiologie bis hin zur Hygiene. In den Laboren der LADR sind über 11.000 unterschiedliche Analyseverfahren möglich“, erklärt der Ärztliche Laborleiter Prof. Dr. med. Philipp von Landenberg. „Momentan nehmen allerdings die Corona-Testungen einen großen Raum ein.“

Prof. Dr. med. Philipp von Landenberg, Facharzt für Laboratoriumsmedizin und Ärztlicher Leiter des LADR-Laborzentrums Nord-West. Foto: Menzel

Prof. Dr. med. Philipp von Landenberg, Facharzt für Laboratoriumsmedizin und Ärztlicher Leiter des LADR-Laborzentrums Nord-West. Foto: Menzel

Bis vergangenen Freitag hat ein Transportunternehmen täglich 1000 der kleinen Röhrchen vorbei gebracht. „Da uns aber nun langsam das Material ausgeht und wir auch die personellen Ressourcen schonen müssen“, so Landenberg, „werden wir ab sofort nicht mehr als 400 bis 500 Corona-Tests täglich auswerten. In der nächsten Woche soll allerdings wieder Nachschub kommen.“

Ein weiterer Grund, warum die Kapazitäten in diesen Zeiten nicht einfach umgeschichtet werden können, liegt nach Angaben Landenbergs auch darin, „dass wir ein regional versorgendes Labor sind, das sehr breit aufgestellt ist. Nur benötigt es personell besonders geschultes Personal, um die Corona-Tests auszuwerten. Da können wir nicht einfach einen Mitarbeiter einer anderen Abteilung in diese versetzen. Zudem fehlt es dann auch an der Hardware.“

Personelle Ressourcen schonen

Um die Corona-Tests nach Schüttorf zu bringen, ist ein ans Labor angedocktes Unternehmen im Einsatz. „Die Fahrer sind geschult und unter den vorgegebenen Sicherheitsmaßnahmen unterwegs. Die Proben werden in geschlossenen Gefäßen befördert, dadurch besteht keine zusätzliche Gefahr“, sagt der Ärztliche Laborleiter.

Nach dem Eingang der Behältnisse sowie der beiliegenden, notwendigen Anforderungsscheine wird der Inhalt zunächst per EDV erfasst und verarbeitet, bevor er an die zuständige Abteilung weitergeleitet wird. Die liegt in einem hinteren Bereich.

Im Schüttorfer Industriegebiet hat das LADR Laborzentrum Nord-West seinen Standort. Dort werden Corona-Proben aus der Grafschaft sowie aus den Kreisen Borken, Steinfurt und auch aus Münster untersucht. Foto: Menzel

Im Schüttorfer Industriegebiet hat das LADR Laborzentrum Nord-West seinen Standort. Dort werden Corona-Proben aus der Grafschaft sowie aus den Kreisen Borken, Steinfurt und auch aus Münster untersucht. Foto: Menzel

In einer größeren räumlichen Einheit des 4500 Quadratmeter großen Gebäudes ist zunächst der Hochdurchsatztrakt untergebracht. Dort landen all jene Proben auf einer automatisierten Analysestraße, die zum analytischen Alltag gehören. Wie etwa die Bestimmung der Leber- und Nierenwerte. „Dort ist jedoch momentan wenig los. Es geht ja kaum noch ein Bürger zum Arzt“, erklärt Landenberg die Ruhe. Die Schränke neben den Maschinen sind zwar gut gefüllt, gleiches gilt für das Kühlhaus, in dem weitere Röhrchen lagern, „aber dieses Material ist recht schnell bearbeitet“, erklärt der Ärztliche Laborleiter.

Kleinere Spezialeinheiten

Weiter geht’s in den hinteren Teil, in kleinere Spezialeinheiten. Dort befindet sich die Allergie- und Medikamentendiagnostik. Hier steht wesentlich mehr Personal zur Verfügung, da Abstriche und Proben zum Teil per Hand bearbeitet und bestimmt werden müssen.

Die Analysestraßen im Basislabor sind automatisiert. Foto: Menzel

Die Analysestraßen im Basislabor sind automatisiert. Foto: Menzel

Ganz am Ende dann zwei abgetrennte Raumeinheiten, in denen nur Personal für die Corona-Testungen zuständig ist. Zugang für Unbefugte verboten, es gelten hohe Sicherheitsstandards.

Wie geht man als Mitarbeiter selbst mit der Corona-Gefahr um? Landenberg: „Wir sind es gewohnt, täglich professionell mit Erregern zu arbeiten. Wir haben mit Grippe- und anderen Mikroben zu tun. Es besteht da für uns kein höheres Risiko.“

Der Bereich, in dem die Corona-Testungen vorgenommen werden, ist nur für entsprechend geschultes Personal zugänglich. Foto: Menzel

Der Bereich, in dem die Corona-Testungen vorgenommen werden, ist nur für entsprechend geschultes Personal zugänglich. Foto: Menzel

Der Ärztliche Laborleiter ist dennoch gerade ein sehr gefragter Mann. Sein Handy steht kaum still. „Ich bin im ständigen Austausch und in regelmäßiger Abstimmung beispielsweise mit dem Gesundheitsamt. Leiter Dr. Gerhard Vogelsang und mir ist es wichtig, mit einer Stimme zu sprechen, um in der Bevölkerung nicht für eine zusätzliche Verunsicherung zu sorgen“, sagt Landenberg.

So habe man sich am Sonntag auch gemeinsam und mit dem Krisenstab darüber abgestimmt, nur noch sehr zurückhaltend zu testen. „Wir werden nur noch bei Risikopatienten und Patienten mit Verdachtssymptomen testen“, sagt Landenberg und stellt klar: „Wir wollen damit die Testressourcen für die Krankenhäuser reservieren. In der Priorisierung sehen wir diese vorn. Erst in zweiter Linie werden wir Patienten berücksichtigen, die über die Gesundheitsämter oder die niedergelassenen Ärzte kommen.“ Er geht davon aus, „dass die Zahlen der Infizierten zunächst noch steigen werden. Die aktuellen Maßnahmen brauchen Zeit, um zu greifen. Ich hoffe in diesem Zusammenhang aber, dass wir über Wochen und nicht über Monate reden.“

Erste Laborpraxis Deutschlands

Gegründet wurde das Labor im Mai 1945 von Dr. med. Siegfried Kramer in Geesthacht im Kreis Herzogtum Lauenburg in Schleswig-Holstein. Inzwischen wird es in vierter Generation als ärztlicher, inhabergeführter Betrieb von Dr. Prof. Dr. med. Jan Kramer geleitet, er ist Facharzt für Laboratoriumsmedizin und Facharzt für innere Medizin. Für den LADR-Verbund um das Labor Kramer & Kollegen arbeiten heute an verschiedenen Standorten mehr als 2000 Mitarbeiter. Bei mehr als 20.000 Ärzten und in über 200 Kliniken, so die Eigenangabe, werden heute täglich medizinische Proben für die Analytik abgeholt.

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