Kaiserstein ist 121 Jahre alt
Zum Jubiläum wünscht sich der Kriegerverein ein Fahnenband

Lienen -

Dass der Kriegerverein 1899 einen Kaiserstein errichtet hat, hat eine Grund: Im Gegenzug wollte man ein sogenanntes Fahnenband erhalten, verliehen vom Kaiser höchstpersönlich.

Mittwoch, 29.04.2020, 19:15 Uhr aktualisiert: 30.04.2020, 16:34 Uhr
Der Lienener Kaiserstein steht an der Abzweigung des Postdamms von der Iburger Straße. Das darauf angebrachte Reliefbild zeigt Kaiser Wilhelm I.
Der Lienener Kaiserstein steht an der Abzweigung des Postdamms von der Iburger Straße. Das darauf angebrachte Reliefbild zeigt Kaiser Wilhelm I. Foto: Heimatverein Lienen

Kaisereichen wurden in Lienen – spätestens seit den ab 1983 von den örtlichen Schützenvereinen abgehaltenen Kaiserschießen – bereits viele gepflanzt. Aber der Lienener Kaiserstein ist im Ort und der Umgebung einmalig.

An der Abzweigung des Postdamms von der Iburger Straße steht dieses Denkmal bereits seit 121 Jahren. Errichtet wurde die Findlingspyramide mit dem Reliefbild Kaiser Wilhelms I. (1797–1888, seit 1871 deutscher Kaiser) 1899 anlässlich der Feier des 25-jährigen Bestehens des Kriegervereins Lienen, der 1874 gegründet worden war. So ist es für die Nachwelt auch auf der Rückseite des Ehrenmales festgehalten: „Dem Andenken Kaiser Wilhelms I. Der Kriegerverein Lienen 1874 bei seiner 25. Jubelfeier 1899“. Das reichliche Vorhandensein von Findlingen in den postglazialen Landschaften war den Landwirten ein Ärgernis, so dass sie gerne bereit waren, die lästigen Brocken im Wege eines mehr oder weniger freiwilligen Spanndienstes zur Verfügung zu stellen. Darin bestand hierzulande in der wilhelminischen Zeit der Trick, relativ monumentale Denkmäler kostengünstig herzustellen. Die Idee, ein solches Bauwerk zu errichten, hatte sich der örtliche Kriegerverein aber mit Sicherheit beim Lienener Männergesangverein Loreley und den Lienener Schützen abgeschaut, die schon ein Jahr zuvor einen Stein für den ehemaligen Reichskanzler Otto von Bismarck (1815–1898) an der Holperdorper Straße (Abzweig Malepartusweg) gesetzt hatten. Hinzu kam aber vermutlich noch ein weiterer Grund: Denn der Kriegerverein Lienen wünschte sich zu seinem 25-jährigen Bestehen ein Fahnenband, das unbedingt durch den damals amtierenden Kaiser, Wilhelm II. (1859–1941, seit 1888 deutscher Kaiser), verliehen werden sollte. Ein entsprechender Antrag beim Tecklenburger Landrat wurde aber zunächst negativ beschieden, weil sich der Lienener Verein hinsichtlich nationaler Gesinnung nicht mehr hervorgetan hatte als andere. Die Errichtung eines Kaiserdenkmals war in dieser Frage natürlich ein Pluspunkt. Und schließlich verlieh Wilhelm II. das ersehnte Fahnenband doch, das vom Landrat in einer Feierstunde übergeben wurde.

Findlinge waren reichlich vorhanden

Aber warum ist eigentlich auf der 1899 errichteten Pyramide nicht der damals regierende Monarch abgebildet, sondern sein zu diesem Zeitpunkt bereits seit elf Jahren verstorbener Großvater? Im Gegensatz zu seinem Enkel war Wilhelm I. als Gründer des deutschen Reiches in die Geschichte eingegangen. Er war die Symbolfigur der deutschen Einheit, die Gesellschaft, Nation, Staat und Monarchie miteinander verband. Das ist auch der Grund dafür, dass es nur wenige Denkmäler für Wilhelm II., umso mehr aber für Wilhelm I. gab und gibt. Etwa 30 Monumente für den einen stehen hier deutschlandweit über 150 Standbilder für den anderen gegenüber. Eines davon ist der Lienener Kaiserstein von 1899.

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