Norbert Brockmann verlässt die katholische Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen
Postkarten-Flashmob zum Abschied

Lienen -

Auf seine neue Aufgabe im Franziskus-Hospital Münster freut sich Norbert Brockmann. Der Pastoralreferent hat über 20 Jahre in der katholischen Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen gearbeitet. Ein wichtiger Punkt seiner Arbeit war der Aufbau von Gesprächskreisen für trauernde Eltern. Die sollen fortgeführt werden – mit Unterstützung des Bistums.

Freitag, 01.05.2020, 06:27 Uhr aktualisiert: 03.05.2020, 16:42 Uhr
Nach über 20 Jahren in der Gemeinde Seliger Niels Stensen tritt Pastoralreferent Norbert Brockmann am Montag eine neue Stelle im Franziskus-Hospital Münster an.
Nach über 20 Jahren in der Gemeinde Seliger Niels Stensen tritt Pastoralreferent Norbert Brockmann am Montag eine neue Stelle im Franziskus-Hospital Münster an. Foto: Michael Baar

In einem gleichen sich Abschied und Neuanfang: es gibt ein gemeinsames Frühstück. Am Donnerstag hat das Seelsorge-Team der katholischen Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen den Pastoralreferenten verabschiedet. Zur Begrüßung am Montag wird der Tisch im Franziskus-Hospital Münster ähnlich gedeckt sein – mit den gebotenen Abständen.

Den Abschied aus der Kirchengemeinde, speziell aus seinem Wohnort Lienen, bezeichnet er als „sehr bewegend“. Grund dafür ist ein Postkarten-Flashmob. „Montag kamen die ersten Karten, seit Dienstag quillt der Briefkasten über“, lächelt der 59-Jährige. Alle Karten zu lesen, habe er noch nicht geschafft. „Aber immer wieder kommen mir Leute vor Augen, die ich in den vergangenen Jahren getroffen habe.“

Seit Montag quillt der Briefkasten über

Immerhin 20,5 Jahre ist er in der Kirchengemeinde gewesen. Womit sein Name in Verbindung gebracht wird, sind die Gesprächskreise für trauernde Eltern. Für die wird Norbert Brockmann noch bis Jahresende mit einer Viertelstelle zur Verfügung stehen. Wie es dann weitergeht? „Das Bistum will diese Angebote unbedingt erhalten“, sagt er und eine gewisse Erleichterung schwingt in seiner Stimme mit. Die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin laufe – bislang ohne Erfolg.

Das Bistum will die Gesprächskreise für trauernde Eltern unbedingt erhalten.

Norbert Brockmann

Wegen der Corona-Pandemie fänden derzeit ohnehin keine Gruppentreffen statt. Er wäre froh, wenn das in der zweiten Jahreshälfte wieder anlaufen könnte. Neben ihm sind sieben Ehrenamtliche in die Arbeit mit den Gruppen eingebunden. „Ein Neuer oder eine Neue muss es so machen, wie er oder sie das spürt“, nennt er einen aus seiner Sicht wichtigen Aspekt der Begleitung. An die 60 Personen kommen in den fünf Gruppe zusammen. „Der Kern aus einem Umkreis von 30 Kilometern um Lengerich, aber auch welche aus weiter entfernt liegenden Orten“, beschreibt er die Zusammensetzung.

Seit 28 Jahren begleitet er derartige Gruppen, zunächst in Rheine, dann nach seinem Wechsel nach Lengerich hat er nach und nach die fünf Gruppen ins Leben gerufen. Wie es nach seinem Abschied aus Rheine dort weitergegangen ist? Der 59-jährige schweigt einen kurzen Moment. „Wir haben dort keinen Nachfolger gefunden, wenige Monate später waren die sechs Gruppen Geschichte“, sagt er. Um so größer seine Freude, dass das Bistum die Wichtigkeit dieser Gruppen sieht.

Kein normaler Start am neuen Arbeitsplatz

Ein normaler Einstieg ab Montag in den Besuchsdienst im Franziskus-Hospital ist nicht möglich. Das Coronavirus macht ebenso einen Strich dadurch wie durch die geplante Verabschiedung in Lienen. „Man muss sehen, wie weit Seelsorge überhaupt möglich ist, die ja wesentlich von persönlichen Begegnungen lebt“, hat er sich darauf eingestellt, in der nächsten Zeit vornehmlich Bereitschafts- und Nachtdienste zu übernehmen.

Worauf sich Norbert Brockmann freut, ist die zweijährige, berufsbegleitende Zusatzausbildung zum Krankenhaus-Seelsorger. „Als ich darüber nachgedacht habe, sind mir viele Fragen in den Sinn gekommen. Jetzt gibt es die Antworten.“ Auf seinen Erfahrungsschatz in der Seelsorge in Kirchengemeinden – „das mache ich seit 1983“ – kann er zurückgreifen.

Ich freue mich auf die berufsbegleitende Zusatzausbildung zum Krankenhaus-Seelsorger.

Norbert Brockmann

Wobei sich die Arbeit stark unterscheiden wird. Das Franziskus-Hopital sei eine Schwerpunktgemeinde, die sich durch die Menschen definiere. Zum einen die Mitarbeiter, rund 2000 an der Zahl, und die Patienten. Die bleiben, so berichtet er, durchschnittlich nur vier Tage im Haus. Persönliche Beziehungen zu knüpfen sei da eine Herausforderung. „Aber ich habe noch nie Probleme gehabt, auf Menschen zuzugehen“, reflektiert er. „Ich spüre keine Verunsicherung“, unterstreicht er auf Nachfrage.

In Münster arbeitet er in einem Team mit fünf Kollegen, hinzu kommen acht Ehrenamtliche, „darunter eine muslimische Frau“. Die Freude über diese „bunte“ Zusammensetzung ist nicht zu überhören.

Ein weiterer Unterschied an der neuen Arbeitsstelle sind die festen Dienstzeiten. „Bislang habe ich vorwiegend Abends und an Wochenenden zur Verfügung gestanden“, blickt er zurück. „Nicht nur in Lienen, sondern in der gesamten Kirchengemeinde“, darauf legt er Wert. Im gleichen Atemzug räumt er ein, dass durch die Tatsache, dass er in Lienen wohnt, die Perspektive bei manchem Gemeindemitglied vielleicht dadurch etwas verzerrt worden sein könnte.

Im ehemaligen Pfarrhaus an der Bergstraße bleibt er wohnen – und ist froh, dass ihm das ermöglicht wird. Und dann kommt doch noch etwas Wehmut auf. „Ich habe nirgendwo so erfüllt gearbeitet wir in der Gemeinde Seliger Niels Stensen.“

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