Ruhel Islam will nicht tatenlos zusehen, wie Corona die Armut in Bangladesch noch verschlimmert
Hilfsaktion für die Heimat

Lienen -

Mit Spendengeldern will Ruhel Islam Menschen in seiner Heimatstadt unterstützen, für die es durch die Folgen der Corona-Pandemie um Leben und Tod geht.

Dienstag, 05.05.2020, 17:36 Uhr
Ruhel Islam mit seinen drei Kindern.
Ruhel Islam mit seinen drei Kindern. Foto: Michael Schwakenberg

Ruhel Islam weiß, dass es ihm gut geht. Mit seiner Frau und den drei Kindern bewohnt er ein Haus, am Ortsrand von Lienen direkt hinter der Genossenschaft. Er hat eine Arbeitstelle als Metallbauer. Genügend zu essen und medizinische Versorgung, alles vorhanden.

In seiner Heimat Bangladesch herrschen ander Zustände. Und die Corona-Krise verschärft das Problem. Für viele Menschen, die eh schon in Armut leben, werden die Auswirkungen der Krise zu einer Frage von Leben und Tod. „Viele sind Tagelöhner. Ohne Arbeit haben sie kein Geld, und ohne Geld nichts zu essen“, erläutert Islam. Deshalb hat er eine private Hilfsaktion gestartet – und hofft auf Unterstützung. „Ich kämpfe gegen Armut, weil ich in meiner Kindheit Menschen vor Verzweiflung weinen gesehen habe. Ich sah das hungrige Baby an der Brust seiner Mutter weinen und weinen.“

Der heute 33-Jährige ging als Jugendlicher mit seinen Eltern und Geschwistern nach Italien, zog der Arbeit wegen vor drei Jahren als Einziger aus der Familie mit seiner Frau und den Kindern weiter nach Deutschland. Schon vor Corona hat ihm die Situation in seiner Heimatstadt Ranibang zu schaffen gemacht. „80 Prozent der Menschen dort leben unterhalb der Armutsgrenze. Hunger ist ihr täglicher Begleiter. Es gibt kein Essen, keine medizinische Behandlung, niemanden, der sie ansieht. Und inmitten so vieler Armut ist jetzt Covid-19“, schildert Islam die prekäre Situation. Corona und der Hunger seien für viele Menschen ein Todesurteil. Denn einerseits dürfe niemand das Land verlassen, um Essen zu beschaffen. Und andererseits schaffe es die Regierung nicht, den Nahrungsmittelbedarf für die 180 Millionen Menschen zählende Bevölkerung zu decken.

Islam bekommt nach eigener Aussage immer wieder Anrufe aus seiner Heimat mit der Bitte um finanzielle Hilfe. „Ich will helfen, unbedingt. Aber es ist mir allein nicht möglich, eine Stadt mit 20 000 Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen. Es zerreißt mir das Herz.“

Eine private Spendensammlung in seinem Bekanntenkreis mit Unterstützung durch einige AWO-Mitglieder hat er aus seiner eigenen Schatulle aufgestockt, sodass kürzlich die ersten 400 Euro nach Bangladesch überwiesen werden konnten. Die Hilfe kommt offensichtlich an. Auf seinem Handy zeigt Islam Bilder von Menschen, die im Freien Care-Pakete in Empfang nehmen. Sie enthalten Mehl, Reis, Linsen, ÖL, Zwiebeln und Kartoffeln für umgerechnet zehn Euro. „Für eine vierköpfige Familie reicht das ungefähr zwei Tage“, berichtet Islam.

Er hat die Hoffnung, dass aus der jetzt angestoßenen Spendenaktion womöglich eine dauerhafte Patenschaft wird, um die Not in seiner Heimatstadt zu lindern.

Spenden können auf das Konto des AWO-Ortsvereins Lienen (IBAN DE85 4035 1060 0073 6972 78, Verwendungszweck „Hilfe für Bangladesch“) eingezahlt oder überwiesen werden.

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