Motorradkontrollen der Polizei in Holperdorp
Als Sozius geht‘s nach Hause

Lienen -

Für Motorradfahrer war die Tour durch den Teutoburger Wald nach Lienen runter am Sonntag mit einem Zwangsstopp verbunden: Die Polizei hat eine Schwerpunktkontrolle durchgeführt. Einerseits als Reaktion auf Beschwerden von Anwohnern, andererseits aber auch, um ein Umdenken bei den Bikern anzustoßen, erläutert der kommissarische Landrat Dr. Martin Sommer im Gespräch mit den WN.

Montag, 08.06.2020, 05:51 Uhr aktualisiert: 08.06.2020, 17:10 Uhr
Polizeihauptkommissar Marco Reker erklärt einem Auszubildenden, wo bei einer Kontrolle an einem Motorrad genau hingeschaut werden muss.
Polizeihauptkommissar Marco Reker erklärt einem Auszubildenden, wo bei einer Kontrolle an einem Motorrad genau hingeschaut werden muss. Foto: Michael Baar

Für den Motorradfahrer ist der Sonntagsausflug schon vor dem Mittagessen beendet. Technische Veränderungen an seiner Maschine bedeuten das „Aus“ für eine Weiterfahrt. Marco Reker hat das Bike genau in Augenschein genommen. Der Polizeihauptkommissar füllt eine Mängelkarte aus, geht nochmals zur Maschine – ein weiterer prüfender Blick. Keine Chance. Eine Leitung hat Scheuerstellen. Die Gefahr ist zu groß, dass bei einer Weiterfahrt etwas passieren könnte.

Hauptsache, unsere Frauen erfahren nichts davon.

Motorradfahrer zur Geldbuße von 40 Euro

Der Fahrer ist nicht der erste, der an diesem Sonntagmorgen auf den kleinen Platz auf der Zufahrt zur Tierarztpraxis an der Holperdorper Straße gewunken wird. „Den ersten haben wir verpasst“, erzählt Heike Piepel. Der sei – unüberhörbar – an der Kontrollstelle vorbeigefahren, als die Beamten noch beim Aufbauen der Gerätschaften waren. Doch seitdem wird jeder Biker, der talwärts nach Lienen den Teuto runterkommt, mittels roter Kelle und Handzeichen auf das lauschige Plätzchen geleitet.

Mittels Lasergerät wird die Geschwindigkeit ermittelt

50 Stundenkilometer sind auf diesem Abschnitt der Straße erlaubt. Gleich das erste Duo muss das Portemonnaie zücken. Es war zu schnell unterwegs. 40 Euro kostet das in diesen beiden Fällen. Bargeld nehmen die Polizisten nicht an. „Schade, der Rest wäre Trinkgeld gewesen“, flachst der eine Biker mit einem 50-Euro-Schein in der Hand. Der verschwindet wieder in der Geldbörse, die Girocard muss herhalten. „Hauptsache, unsere Frauen erfahren nichts davon“, lacht sein Kumpel. Helme auf, weiter geht‘s.

Mittlerweile ist ein Trio auf dem Platz eingetroffen. Der letzte in der Reihe informiert Marco Reker, dass er das Motorrad „erst seit einem Jahr“ habe. Doch das ist egal. Nach der Kontrolle steigt er auf den Soziussitz bei seinem Kumpel. Seine Maschine bleibt da – gravierende Mängel.

Wir wollen ein klares Zeichen setzen, nicht nur heute.

Dr. Martin Sommer, kommissarischer Landrat

„Wir erhalten seit Jahren Beschwerden von den Anwohnern“, erzählt Dr. Martin Sommer . „Alles berechtigt“, fügt der Kreisdirektor und kommissarische Landrat hinzu. Deshalb die Reaktion der Polizei. Auch, „weil sich nicht alle an die Regeln halten“. Das Hauptaugenmerk liege auf der gefahrenen Geschwindigkeit und dem Lärm, den manche Maschinen verursachen, weil am Auspuff manipuliert worden sei.

„Wir wollen ein klares Zeichen setzen, nicht nur heute“, betont Martin Sommer. Ziel sei es, ein Umdenken zu bewirken, „weil das Fehlverhalten Einzelner nicht toleriert wird“. Deshalb die Kontrollen an diesem Sonntag in Holperdorp. Nicht die einzige Stelle im Kreis Steinfurt, an der Motorradfahrer von der Polizei unter die Lupe genommen werden. In Nordwalde und Altenberge wird parallel ebenfalls kontrolliert.

„Wir wollen den Fahrern auch deutlich machen, welches Gefährdungspotenzial von ihnen ausgeht“, ergänzt Heike Piepel. „Nicht nur für sich selbst, auch für andere“, so die Polizeihauptkommissarin von der Pressestelle der Kreispolizeibehörde. In den vergangenen Jahren sind bei Motorradunfällen im Kreis jährlich über 30 Biker schwer sowie zwischen 50 und 60 Motorradfahrer leicht verletzt worden.

Jährlich werden bei Unfällen im Kreis Steinfurt über 30 Biker schwer verletzt

Aus dem Funkgerät kommt die Stimme von Jessica Niester. Sie hat mit dem Lasermessgerät den nächsten Biker ins Visier genommen, der talwärts auf die Messstelle zufährt. Auch er wird rausgewunken. Dann meldet sie „ein rotes Auto mit 75 km/h“. Dessen Fahrer kommt erstmal davon. Alle Kollegen sind mit der Überprüfung von Motorrädern beschäftigt. Da hat keiner Zeit, den „Beifang“ rauszuwinken.

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