Deutliche Zuwächse im Zahlungsverkehr ohne PIN und mit Smartphone oder Smartwatch
Virus treibt kontaktloses Zahlen an

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Auf Bargeld verzichten und stattdessen mit Karte bezahlen – dieser Trend nimmt in Corona-Zeiten deutlich zu.

Mittwoch, 17.06.2020, 18:09 Uhr aktualisiert: 18.06.2020, 16:58 Uhr
Kontaktloses Zahlen wie hier mit einer Girocard hat in Zeiten von Corona deutlich zugenommen.
Kontaktloses Zahlen wie hier mit einer Girocard hat in Zeiten von Corona deutlich zugenommen. Foto: Bastian Becker

Der allerorten zu erkennende Digitalisierungsschub, der durch die Corona-Krise ausgelöst wird, ist auch beim Einkaufen zu spüren. Die Zahl der kontaktlosen Bezahlvorgänge – die also nicht nur auf Bargeld verzichten, sondern auch auf das Einschieben der Bankkarte, hat sich in den vergangenen Wochen teils drastisch erhöht. Das vermelden sowohl befragte Händler als auch Banken.

Vor Monaten noch gängige Hinweise, dass Kartenzahlungen nur ab fünf oder zehn Euro gestattet sind, sind vielerorten verschwunden. Mancher Händler fordert die Kunden geradezu auf, Karte oder Smartphone statt Bargeld zu nutzen.

Wie wahrscheinlich eine Ansteckung mit Sars-CoV-2 über Bargeld ist, darüber gibt es durchaus unterschiedliche Auffassungen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält eine Schmierinfektion einer weiteren Person dann für möglich, wenn das Virus kurz nach einem Niesen oder Husten auf das Geld über die Hände auf die Schleimhäute des Mund- und Rachenraumes oder die Augen übertragen wird. Die Bundesbank wiederum machte schon im März darauf aufmerksam, dass von Banknoten und Münzen kein besonderes Infektionsrisiko für den Bürger ausgehe, wie Thorsten Laumann, Pressesprecher der Kreissparkasse Steinfurt betont. Unstrittig dürfte aber sein, dass beim digitalen Bezahlvorgang der Kontakt zwischen Kunde und Kassierer vermieden wird, bestätigt auch Laumann.

Bargeldloses Zahlen ist explodiert

Laut Markus Völker , Leiter Payment und Electronic Banking der Kreissparkasse, ist das bargeldlose Zahlen in den vergangenen Wochen regelrecht „explodiert“. Je nach Betrieb wisse man von Kunden, deren Zahlen sich vervierfacht oder verfünffacht hätten. Es hängt auch damit zusammen, dass die Händler mittlerweile nicht mehr pro Transaktion zahlen müssen, sondern Pakete für bargeldlose Transaktionen buchen können. „Das schafft eine Attraktivität für den Händler“, sagt Völker. Wie hoch die Zahl der Transaktionen genau ist, darüber hat die Kreissparkasse allerdings keine aktuellen Zahlen.

Anders die VR-Bank Kreis Steinfurt, wo man die Zahlen aus Januar und Februar mit den Aprilzahlen verglichen hat. Ergebnis laut Pressesprecherin Chiara Kortekamp : Bei der Girocard (früher EC-Karte) gebe es beinahe eine Verdoppelung (plus 95 Prozent) der absoluten Zahlungen. Von allen Girocard-Zahlungen seien im Januar oder Februar etwa 46 Prozent kontaktlos gezahlt worden. Kortekamp: „Im April wurden von allen Girocard-Zahlungen etwa 62 Prozent kontaktlos gezahlt.“

Ähnlich ist das Bild bei den Kreditkarten: Die absoluten Zahlungen steigerten sich um etwa 71 Prozent. Im Januar und Februar wurden von allen Kreditkarten-Zahlungen rund 53 Prozent kontaktlos gezahlt, im April waren es 75 Prozent. „In diesen Zahlen sind nicht nur die physischen Kartenzahlungen enthalten, sondern auch die Zahlungen per Smartphone oder Smartwatch“, erklärt Kortekamp. In die entgegengesetzte Richtung entwickeln sich hingegen die Auszahlungen an den Geldautomaten. Diese seien in den ersten Wochen der Krise um ein Viertel zurückgegangen.

Das kontaktlose System fußt auf einem sogenannten NFC-Chip (Near Field Communication, Nahbereichskommunikation). Er ist Bestandteil der Bezahlkarten, aber auch moderner Handys. Bei Karten gilt: Bei Beträgen unterhalb von 25 Euro ist keine Eingabe einer PIN erforderlich. Derzeit läuft, veranlasst durch die Deutsche Kreditwirtschaft und gemeinsam mit Netzbetreibern und Händlern, seit Mitte April eine Erhöhung dieses Limits auf 50 Euro pro Transaktion. Kortekamp: „So erleichtern wir das berührungslose und damit hygienische Bezahlen an der Kasse.“ Zur Sicherheit werde weiterhin in regelmäßigen Abständen, wenn nach mehreren Bezahlvorgängen ein Betrag von 150 Euro mit Einkäufen ohne PIN erreicht ist, die PIN wieder abgefragt. Wer Smartphone oder Smartwatch nutzt, für den ist die 50-Euro-Grenze bedeutungslos: Da Uhr oder Handy ohnehin durch den Besitzer entsperrt werden müssen, entfällt die PIN-Eingabe – und damit auch das Berühren der Tastatur am Kartenlesegerät.

Besondere Sicherheitsbedenken bei der kontaktlosen Bezahlform sieht zum Beispiel Markus Völker weder bei Karte noch bei Smartphone oder Smartwatch: „Beide Verfahren sind aus meiner Sicht sehr sicher.“ Es gebe keine besonderen Häufungen von Schadensfällen im Vergleich zur PIN-gestützten Kartenzahlung. Eine gewisse Zusatzsicherheit gegenüber der Karte gebe das Zahlen mit dem Handy, weil dort der NFC-Chip nur auslesbar ist, wenn das Handy entsperrt ist. Die Kartendaten sind in einer Wallet-App wie Google Pay oder Apple Pay gespeichert. Bei der Karte ist das Auslesen theoretisch jederzeit möglich.

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