Haus Wittmann in Höste feiert 2020 runden Geburtstag
200 Jahre Gaststätten-Tradition

Liernen -

Als „Schenkwirtschaft“ begann die Geschichte der Gaststätte Haus Wittmann im Jahr 1840. So ist es im Lienener Gemeindearchiv in der Akte 271 nachzulesen. Das Landwehrunteroffizier Johann Wilhelm Krämer hatte eine Schankerlaubnis beantragt und erhalten.

Donnerstag, 18.06.2020, 20:26 Uhr
Das historische Foto zeigt den Neubau des Hauses Wittmann im Jahr 1910.
Das historische Foto zeigt den Neubau des Hauses Wittmann im Jahr 1910. Foto: Sammlung Jens Taßemeyer

Runde Jubiläen sind immer ein guter Grund, zurückzublicken und die Vergangenheit Revue passieren zu lassen. Und wenn es dann noch um einen 200. Geburtstag geht, ist das nicht alltäglich. Auf dieses Alter kann nämlich nach neuen Erkenntnissen die Gastwirtschaft Haus Wittmann in Lienen-Höste zurückblicken.

Fachwerkneubau

In der ortsgeschichtlichen Literatur wurden die Anfänge des bekannten Höster Gasthauses bisher in das Jahr 1828 gesetzt. Damals sei die erste Schankwirtschaft als Fachwerkneubau errichtet worden. Aber ist das wirklich der Ursprung? Die Spur zur eigentlichen Gründung führt ins Lienener Gemeindearchiv.

In der dort lagernden Akte A 271 mit dem Titel „Schenkwirtschaften 1820–1875“ findet sich ein Schriftstück vom 18. November 1820. Damals gehörte Lienen noch zum Kreis Warendorf (1816–1857). In diesem Dokument teilte Clemens Graf von Korff-Schmiesing, der seinerzeitige Warendorfer Landrat, dem Lienener Bürgermeister Friedrich Wilhelm Kriege mit, dass er ihn ermächtige, „dem Krämer die nachgesuchte Erlaubniß zur Anlegung einer Schenkwirthschaft vom 16. November 1820 in dem sogenannten Jemen Hause am Postwege zwischen Lienen und Lengerich zu ertheilen“. Bei dem im landrätlichen Schreiben genannten „Krämer“ handelte es sich um den vormaligen Landwehrunteroffizier Johann Wilhelm Krämer , verheiratet mit Anna Maria Elisabeth Reimann. Diese Genehmigung beweist, dass die Anfänge der späteren Gastwirtschaft Wittmann in der im „Jemen-Haus“ – benannt nach der Lage am unmittelbar östlich vorbeifließenden Jemen- oder Gemenbach – untergebrachten Krämerschen Schankwirtschaft liegen. Das erklärt auch, warum das Gasthaus im Volksmund als „Jedden-Kraimer“ bezeichnet wurde. 1828 errichtete das Ehepaar Krämer dann ein neues Gebäude aus Fachwerk.

Verkehrsanbindung

Der Name Wittmann ist offiziell seit dem Jahr 1860 mit der Gaststätte verbunden, denn am 18. Juni des Jahres erfolgte die Umschreibung der Gastwirtschaft mit Kleinhandel von der Witwe Krämer auf ihren Schwiegersohn Heinrich Wittmann. Wittmann hatte ein Jahr zuvor (1859) die Tochter des Hauses, Lisette Krämer, geheiratet. Der Lienener Amtmann Kriege bescheinigte damals dem jungen Wirt einen guten Leumund: „Der Wittmann ist ein ordentlicher braver Mann, 34 Jahre alt, hat beim Train Bezeichnung für das militärische Transportwesen gedient und darf man von demselben mit Recht erwarten, daß er das Gewerbe unter genauer Beachtung der gesetzlichen Vorschriften betreiben wird.“ Der Erfolg der Gaststätte war auch durch die gute Verkehrsanbindung bedingt. Bei Wittmann wurde das Chausseegeld, eine der heutigen Maut vergleichbaren Art der Straßennutzungsgebühr, auf der Straße nach Lengerich erhoben. Hier gab es auch eine Posthilfsstelle und den ersten Telefonanschluss. Am 18. Juli 1901 nahm zudem die neu gebaute Teutoburger-Wald-Eisenbahn ihre Fahrt auf. Der Höster Bahnhof lag nur knapp 500 Meter von der Gastwirtschaft entfernt. Über die weitere Geschichte des Hauses hat Hanna Schmedt im Jahrbuch des Kreises Steinfurt 2019 berichtet.

2020 blickt die Gastwirtschaft Haus Wittmann in Lienen-Höste also auf eine 200-jährige Geschichte zurück. Der Name Wittmann ist mit dem Anwesen seit 160 Jahren verbunden.

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