Die Anfänge der katholischen Kirche
Lange nach Grundstück gesucht

Lienen -

Die Flüchtlings- und Vertriebenenbewegungen als Folge des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) brachten viele Menschen katholischer Konfession aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten ins evangelische Lienen. Diese wollten natürlich auch seelsorgerisch versorgt werden.

Montag, 29.06.2020, 19:39 Uhr aktualisiert: 30.06.2020, 17:28 Uhr
1953 wurde das katholische Gotteshaus geweiht. Im Rundbogenstil ist es nach Plänen von Alfons Bocklage errichtet worden.
1953 wurde das katholische Gotteshaus geweiht. Im Rundbogenstil ist es nach Plänen von Alfons Bocklage errichtet worden. Foto: Fritz Peters/Heimatverein Lienen

Der sich seit einigen Monaten vollziehende Umbau der katholischen Kirche Maria Frieden “ in Lienen steht kurz vor dem Abschluss. Durch ihn erhält das Kirchengebäude innerlich und außen ein neues Gesicht. Doch wie kam eigentlich die katholische Kirche ins Dorf?

Die Flüchtlings- und Vertriebenenbewegungen als Folge des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) brachten viele Menschen katholischer Konfession aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten ins evangelische Lienen. Diese wollten natürlich auch seelsorgerisch versorgt werden. Daher stellte zunächst die evangelische Kirchengemeinde ihr Gotteshaus zur Verfügung. Der katholische Kaplan Heinrich Fecker aus dem benachbarten Hagen hielt dort die ersten Eucharistiefeiern im Jahr 1943. Von Herbst 1944 bis April 1946 übernahm Kaplan Josef Maiboom diese Aufgabe, der als Religionslehrer an der Berufsschule Münster arbeitete und als „Ausgebombter“ nach Lienen evakuiert worden war. Ihm folgte am 21. Mai 1946 Pastor Franz Garske, selbst Flüchtling aus Schrotz (Kreis Deutsch-Krone), den man bis 1961 mit der Seelsorge der in Lienen lebenden Katholiken betraute.

Die damalige Zusammenarbeit in der „Flüchtlingsfürsorge“ mit den evangelischen Geistlichen Heinrich Homrighausen und Otto Smend verlief in gutem Einvernehmen. Allerdings brachte die gemeinschaftliche Nutzung der protestantischen Kirche durch beide Konfessionen kleinere Reibungspunkte mit sich. So heißt es im Protokoll einer Sitzung des Presbyteriums vom 15. August 1950, dass „nach Eingang verschiedener Beschwerden aus der Gemeinde über die Benutzung des Weihrauchs in unserer Kirche bei katholischen Gottesdiensten“ beschlossen wurde, „den Herrn Kaplan zu bitten, den Gebrauch des Weihrauchs nach Möglichkeit einzuschränken.“

Wunsch nach einer eigenen Kirche

Obwohl in der unmittelbaren Nachkriegszeit viele Katholiken Lienen wieder verließen (von insgesamt etwa 1300 blieben gut 700 katholische Christen), wurde bald der Wunsch nach einer eigenen Kirche laut. Zunächst versuchte man, ein Grundstück von der alten Hofstelle Lührmann südlich des Friedhofs (heute Hauptschule Lienen) zu erhalten, das Emma Jürdens (geborene Lührmann) gehörte. Aber dieses Gelände hatte die evangelische Kirchengemeinde bereits als Erweiterungsgelände für ihren Begräbnisplatz vorgesehen. Am 9. April 1952 konnte dann vom Landwirt Gottfried Saatmann die Fläche erworben werden, auf der Kirche und Pfarrheim heute stehen. Die Saatmann-Stätte lag damals noch im Dorfgebiet (westlich vom Alten Farmhaus) und wurde 1968 im Zuge der Dorfkernsanierung an die Friedhofstraße ausgelagert. Die Grundsteinlegung des katholischen Gotteshauses erfolgte am 13. Juli 1952 – zehn Monate später, am 10. Mai 1953, wurde es durch den münsterischen Weihbischof Heinrich Baaken geweiht. Der Kirchbau wurde nach den Plänen von Diözesanbaurat Alfons Bocklage im Rundbogenstil ausgeführt und vom Architekten Friedrich Stahlschmidt aus Lienen beaufsichtigt. Mit den Bauarbeiten war das Bauunternehmen Herbermann aus Glandorf betraut worden. Es handelt sich um einen Saalbau mit Querhaus und eingezogenem Nordchor mit halbrundem Schluss. Als Dachkonstruktion dienen Flachdecken mit Walmdach.

1977 waren auch der nordöstliche Sakristeianbau und das katholische Pfarrheim fertiggestellt worden. Erst 1980 erfolgte die Erhebung zur eigenständigen Pfarrei, deren Sprengel das Gebiet der politischen Gemeinde Lienen umfasste. Zuvor war bereits 1953 ein seelsorgerisch selbstständiges Pfarrrektorat eingerichtet worden, das 1954 eine eigene Vermögensverwaltung erhielt und von Lengerich abgetrennt wurde.

2001 wurde dann aus Lengerich/Leeden und Lienen/Kattenvenne eine neue Seelsorgeeinheit gebildet, 2006 fusionierten schließlich die vier Pfarrgemeinden St. Margareta Lengerich, St. Christophorus Ladbergen, Maria Frieden Lienen und St. Michael Tecklenburg zur katholischen Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen, die mit 300 Quadratkilometern Ausdehnung die größte Gemeinde im Bistum Münster ist. Seitdem ist Maria Frieden in Lienen eine Filialkirche.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7473560?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F176%2F
Nachrichten-Ticker