Worauf beim Aufladen eines Elektroautos zu achten ist
Zwischen Ladelust und Ladefrust

Tecklenburger Land -

Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Stecker, aus Ladesäulen fließt der Strom in unterschiedlichen Mengen ins E-Auto, kurz: es gibt viel zu bedenken, bevor man sich einen Stromer anschafft. Nachfolgend ein paar grundlegende Antworten.

Montag, 27.07.2020, 16:28 Uhr aktualisiert: 28.07.2020, 16:44 Uhr
Damit der E-Motor Saft bekommt, braucht es Ladekabel -- und die gibt es in unterschiedlichen Varianten. Nicht alles ist zweckmäßig.
Damit der E-Motor Saft bekommt, braucht es Ladekabel -- und die gibt es in unterschiedlichen Varianten. Nicht alles ist zweckmäßig. Foto: Vieth

Der Strom kommt aus der Steckdose. Der Satz ist auch beim Elektroauto richtig – doch wer sich nur darauf verlässt, wird mit einem E-Auto sicher nicht glücklich. Denn damit ein Stromer zum stressfreien Alltagsbegleiter wird, gibt es in Sachen Laden einiges zu beachten. Daher beantworten wir ein paar grundlegende Fragen rund um das Laden.

Die Stecker: Typ 1, Typ 2, CCS, CHAdeMO oder Schuko: Beim ersten Blick auf die Steckertypen kann einem schwindelig werden. Glücklicherweise ist das Ganze dennoch nicht allzu komplex: Typ 1 und Typ 2 stehen für Wechselstromanschlüsse, die an den Fahrzeugen verbaut sind. Typ 2 ist mittlerweile Standard an den meisten Autos in Europa. An gewöhnlichen Ladesäulen sind damit Ladeleistungen bis zu 22 Kilowatt möglich – je nach Fahrzeug. CCS und CHAdeMO sind die Anschlüsse für entsprechende Gleichstromsäulen, sogenannte Schnelllader. Dort sind oft 50 Kilowatt, je nach Fahrzeug und Ladesäule auch deutlich höhere Ströme, möglich. Der Schukostecker letztlich ist die langsamste Option: An der Haushaltssteckdose sind kaum mehr als 2,3 Kilowatt erhältlich. Eine Notlösung.

Kabel und Kabellänge: Zur Ausstattung der meisten Autos gehören das Notladekabel für die Haushaltssteckdose und ein Kabel mit Typ-2-Steckern. Nicht ganz unwichtig ist die Kabellänge. Wer nur ein vier Meter langes Kabel sein eigen nennt, kann gelegentlich an Grenzen stoßen – dann, wenn der Weg zwischen Auto und Säule zu lang ist. Ein etwas längeres Kabel aus dem Zubehör kann da sinnvoll sein. Für das Laden an Gleichstromsäulen, den Schnellladern also, muss man allerdings keine weiteren Kabel vorhalten. Die sind an den Säulen bereits installiert.

Wie lange lädt man?Die Antwort darauf hängt von vielen Faktoren ab – denn dass man an einer Ladesäule steht, heißt noch lange nicht, dass der Strom auch schnell fließt. Grundsätzlich gilt aber, dass es immer schneller geht als an der Haushaltssteckdose. Zu unterscheiden ist aber, ob man an einer Wechselstromsäule (für zu Hause oder andernorts installierte Wallboxen gilt Gleiches) oder einer Gleichstromsäule steht.

Laden mit Weile an Wechselstromsäulen: Wechselstromsäulen geben in der Regel maximal elf oder 22 Kilowatt Leistung ab. Rein theoretisch ist im Bestfall also ein Akku von 44 Kilowattstunden in zwei Stunden wieder voll. Allerdings ist nicht nur die Säule entscheidend, sondern auch das Fahrzeug – denn es gibt Autos mit dreiphasigen Ladern oder auch mit ein- oder zweiphasigen. Das liegt daran, dass die Ladesäulen nicht einfach so 22 oder elf Kilowatt geben, sondern diese auf drei Phasen verteilen. Hat ein Auto nur ein einphasiges Ladegerät, gibt es auch nur ein Drittel der Leistung. Und: Aufgrund der Schieflastbegrenzung, die vorschreibt, dass eine einzelne Phase nicht voll ausgereizt werden darf, wenn die anderen beiden Phasen ruhen, ist in der Regel schon bei gut 4,5 Kilowatt Schluss. Im vorigen Beispiel der 44 Kilowattstunden Akkukapazität nähert man sich da schnell der Zehn-Stunden-Marke – Ladefrust statt Ladelust. Nur wenn das Fahrzeug dreiphasige Lader hat, ganz egal, ob nun dreimal 3,6 Kilowatt oder dreimal 7,2 Kilowatt – die in etwa die genannten elf beziehungsweise 22 Kilowatt ergeben – geht es schneller, wenn auch nie richtig schnell. Bei all den Einschränkungen sollte man aber nicht vergessen, dass es äußerst selten ist, dass man einen komplett leeren Akku ganz volllädt. Deutlich häufiger lädt man nur ein wenig nach. Und beim Laden über Nacht zu Hause sind selbst stundenlange Ladevorgänge kein Problem. Dann ist Zeit.

Laden für Eilige an Gleichstromsäulen:Schnell­laden ist an Gleichstromsäulen möglich, über die genannten CCS- oder CHAdeMO-Stecker. Die Frage nach der Ladezeit ist aber auch in diesen Fällen nicht pauschal zu beantworten. Sicher ist, dass es schneller geht als an Wechselstromsäulen. Wie schnell, liegt an Fahrzeug und Säule. Unterster Standard an Gleichstromsäulen sind meist 50 Kilowatt, es gibt aber auch Säulen mit 350 Kilowatt Leistung. Zweiter limitierender Faktor ist das Auto. Erstens muss es überhaupt einen Gleichstromanschluss haben, zweitens ist entscheidend, welche Leistungen der aufnehmen kann. Ein Hyundai Ioniq kann zum Beispiel mit maximal 50 Kilowatt laden, andere Fahrzeuge schaffen auch 100 oder mehr.

Wichtig dabei: Eine einfache Rechnung von Batteriekapazität durch Ladeleistung führt nicht unbedingt zu einer realistischen Ladezeit. Das liegt zum einen daran, dass je nach Akkutemperatur (zu kalt oder zu warm) gar nicht die volle Leistung ausgeschöpft wird. Zudem wird, je voller der Akku ist, der Ladestrom immer weiter heruntergeregelt, um die Batterie zu schonen. Die letzten Kilowattstunden bis zum vollen Akku dauern so deutlich länger.

Die Hersteller geben daher oft Zeiten an, die eine Ladung bis zu 80 Prozent Kapazität braucht. Die liegen mittlerweile deutlich unter einer Stunde, bei manchen auch unter einer halben. Auf Langstrecken kann – oder besser muss man – die Ladepause also mit einer Rast verbinden. Wer das berücksichtigt, vermeidet Ladefrust. Auch heute gilt aber noch, dass es schneller geht, etwas Diesel oder Benzin nachzutanken.

Den Akku schonen:Häufiges Schnellladen schadet dem Akku, darauf weist auch die Bedienungsanleitung des Autos hin. Er verliert dann an Kapazität. Allgemein gilt in Fachkreisen auch, dass extreme Ladestände, also sowohl Voll- als auch Entladung, sich negativ auf den Zustand des Energiespeichers auswirken. Den Akku also nur selten ganz vollzuladen oder nahezu ganz leer zu fahren, erhöht die Lebensdauer.

Kleine E-Auto-Steckerkunde

 

...

Fazit: Vor allem, wer mit dem Gedanken an ein E-Auto für Langstrecken spielt, sollte sich über die Einschränkungen im Klaren sein. Meistens haben sie mit Zeit zu tun – denn wenn man lädt, muss man sich auch die Zeit vertreiben. Wer allerdings eher kurze und mittlere Strecken nutzt, wird von Einschränkungen nichts merken.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7510817?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F176%2F
Nachrichten-Ticker