Vorreiter im Kreis: Pellemeyer hat zehn Busse mit Abbiegeassistenten ausrüsten lassen
Das Aus für den toten Winkel

Lienen -

Das Lienener Busunternehmen Pellemeyer hat zehn seiner Fahrzeuge mit Abbiegeassistenten ausrüsten lassen. Mittels Kamera und Monitor haben die Fahrer jetzt auch die Bereiche neben dem Bus im Blick, die die Spiegel nicht abdecken – besser bekannt als der tote Winkel.

Mittwoch, 05.08.2020, 18:59 Uhr aktualisiert: 06.08.2020, 16:13 Uhr
Frank Pellemeyer beim Blick in die Seitenspiegel und den frisch installierten Monitor (rechts oben), auf dem der sogenannte tote Winkel (grün eingefasst, rechts unten der vergrößerte Ausschnitt) sichtbar wird.
Frank Pellemeyer beim Blick in die Seitenspiegel und den frisch installierten Monitor (rechts oben), auf dem der sogenannte tote Winkel (grün eingefasst, rechts unten der vergrößerte Ausschnitt) sichtbar wird. Foto: Michael Schwakenberg

Busunternehmer Frank Pellemeyer sitzt entspannt hinterm Steuer. Auf dem Parkplatz des Unternehmens simuliert er einen Rechtsabbiege-Vorgang. Es reichen wenige Blicke in die Spiegel und auf den frisch installierten Monitor über dem Einstieg. Kein Verrenken mehr, keine Unsicherheit, ob man nicht doch jemanden übersehen hat. Denn mittels Kamera und besagtem Monitor hat Pellemeyer jetzt auch die Bereiche neben dem Bus im Blick, die die Spiegel nicht abdecken – besser bekannt als der tote Winkel. Genau der hat im Straßenverkehr schon Hunderte, wenn nicht Tausende Fußgänger und Radfahrer das Leben gekostet, als sie von abbiegenden Fahrzeugen erfasst wurden.

Das Lienener Busunternehmen existiert seit 1946. Sieht man vom Corona-Jahr 2020 mit seinen extremen Auswirkungen auf die Reisebranche ab, spulen die Pellemeyer-Busse inzwischen pro Jahr insgesamt rund 1,4 Millionen Kilometer ab. „Unfälle wegen des toten Winkels hatten wir Gott sei Dank noch nicht“, sagt Frank Pellemeyer. Dass er trotzdem in die Abbiegeassistenten investiert, hat mehrere Gründe: „Wir überlegen uns in jedem Jahr, wie wir die Sicherheit rund um den Bus und die Arbeitsbedingungen unserer Fahrer weiter verbessern können. Man darf nicht vergessen, dass bei einem Unfall nicht nur das Opfer Schaden nimmt, sondern dass das auch für den Fahrer eine belastende Situation ist.“

Zehn seiner 20 Fahrzeuge hat Pellemeyer bereits umrüsten lassen. Pro Bus macht das 2000 Euro. „Erstmal gehen wir in Vorleistung. Wenn man aber vorher einen Antrag gestellt hat und die TÜV-Abnahme vorweisen kann, gibt es vom Bundesamt für Güterverkehr (BAG) einen Zuschuss von 1500 Euro.“

Nach Pellemeyers Aussage ist er der erste Busunternehmer im weiten Umkreis, der seine Fahrzeuge mit dem lebensrettenden Assistenten hat nachrüsten lassen. Nicht einmal die Verkehrsbetriebe hätten diesen Schritt bislang vollzogen. Das bestätigt Pressesprecher Björn Lindner vom RVM: „Alle Busse, die in diesem Jahr angeschafft werden, bekommen den Assistenten, die vorhandenen werden nicht nachgerüstet.“

Bei der Fachwerkstatt Achterkamp und Heger in Laggenbeck, die die Assistenten für Pellemeyer installiert hat, laufen dennoch weitere Aufträge ein. „Nachdem die Firma Pellemeyer an uns herangetreten ist, haben wir den Einbau auch unseren anderen Kunden angeboten“, berichtet Klaus Achterkamp auf Anfrage der WN. Inzwischen hat er nach eigenen Angaben Aufträge von knapp 40 Unternehmen für rund 350 Busse auf dem Tisch, die er nach und nach abarbeiten muss.

Dass das Busunternehmen Pellemeyer nicht sofort alle Fahrzeuge hat nachrüsten lassen, hat mehrere Gründe: „Bei Bussen, die in absehbarer Zeit ausgemustert werden und nur noch über Land fahren, lohnt sich das nicht mehr. Und bei Bullis braucht man den Assistenten nicht“, erläutert Frank Pellemeyer. Bei Neuanschaffungen steht für ihn jedoch fest: Kein Bus mehr ohne Abbiegeassistenten.

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