Steinbruch Höste: Dyckerhoff will im Westen durchstarten und hofft auf Entfristung
Kreis fordert Stellungnahme

Lienen -

Coronabedingt haben die Ausschüsse und der Rat in den vergangenen Monaten nur in Ausnahmefällen getagt. Da verwundert es nicht, dass aktuell so viele Themen zur Beratung anstehen, dass der Planungs- und Bauausschuss in der kommenden Woche gleich zweimal zusammenkommt: Montag und Dienstag (17. und 18. August, jeweils ab 18 Uhr) in der Aula der Waldorfschule.

Montag, 10.08.2020, 17:46 Uhr
Für den grün eingerahmten Bereich im Steinbruch Höste endet die Abgrabegenehmigung im Februar 2027.
Für den grün eingerahmten Bereich im Steinbruch Höste endet die Abgrabegenehmigung im Februar 2027. Foto: Gemeinde Lienen

 

Wohl mit der wichtigste Punkt ist der Antrag der Firma Dyckerhoff auf Entfristung der im Jahr 1999 erteilten Abgrabungsgenehmigung für den westlichen Teil des Steinbruchs Höste, der am Dienstag behandelt wird.

Der vorhandene Rohstoffvorrat im Höster Steinbruch an kalkhohem Material, mit dem auch Spezialzement-produkte hergestellt werden können, wird mit insgesamt etwa 18,6 Millionen Kubikmetern beziffert. Der Kreis Steinfurt hat die Gemeinde zur Stellungnahme und zur Erklärung über das gemeindliche Einvernehmen zum Antrag aufgefordert.

Zum Hintergrund: Die Genehmigung war damals auf 25 Jahre ab Abgrabungsbeginn befristet worden, wobei Dyckerhoff Anfang 2002 ganz im Süden nur in einem kleinen Teil Kalkstein abgebaut hat. Aus der Verwaltungsvorlage geht hervor, dass mit der eigentlichen Abgrabung erst im kommenden Jahr begonnen werden soll.

Dyckerhoff begründet den Antrag rechtlich unter anderem mit Zielen des Landesentwicklungsplans (LEP), wonach möglichst „eine flächensparende und vollständige Gewinnung eines Rohstoffs aus einer Lagerstätte erfolgen“ soll. Das konstatiere auch der Sachliche Teilplan Kalkstein.

Die Lienener Verwaltung schlägt dennoch vor, der Entfristung nicht zuzustimmen. Unter anderem heißt es dazu im Entwurf der vom Kreis angeforderten Stellungnahme der Gemeinde, dass „öffentliche Belange“ einer Entfristung entgegenstehen. Insbesondere befürchtet die Gemeinde „durch den nach Angabe der Antragstellerin im Wesentlichen noch nicht begonnenen Aufschluss der westlichen Lagerstätte eine weitere Verunstaltung des Landschaftsbildes am Teutoburger Wald“. Ferner sei durch die bisherige Abbaupraxis zu befürchten, dass der Schwerlastverkehr Richtung Zementwerk Hohne über einen längeren Zeitraum eine Beeinträchtigung der natürlichen Eigenart der Landschaft und ihres Erholungswertes hervorruft. Das führe auch zu einer Beeinträchtigung der touristischen Attraktivität, was einen erheblichen Nachteil im Wettbewerb darstelle.

Grundsätzlich, so heißt es weiter, sei die Gemeinde Lienen „an einem kontrollierten Ausstieg aus dem Kalkabbau auf ihrem Gemeindegebiet“ interessiert. Dies sei auch im Rahmen der Beratungen zum Antrag der Firma Calcis deutlich geworden. Eine weitere Entfristung, wenn auch nur für einen Teilbereich der bestehenden Abgrabung, würde dieser Auffassung zuwiderlaufen.

Eine Entfristung würde auf dem Ziel des LEP zuwiderlaufen, dass Auswirkungen der Rohstoffgewinnung räumlich und zeitlich gering gehalten werden sollen. Die Gemeinde ist demnach auch im Falle des Steinbruchs Höste daran interessiert, dass nach Abschluss der Abbautätigkeiten „eine touristisch bedeutsame Nachfolgenutzung des Geländes im Einklang mit wasser-, artenschutz-und anderen naturschutzfachlichen Belangen erfolgen kann“. Diese Forderung decke sich auch mit dem Ziel im LEP, wonach Abbauflächen abschnittsweise und zeitnah wieder nutzbar zu machen sind. Diese Forderung wird seitens der Gemeinde Lienen nochmals betont.

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