Maisernte: Durchschnittliche Erträge lassen Landwirte aufatmen
Glücksspiel Getreideanbau

Ladbergen/Lienen. -

In Ladbergen werden jedes Jahr auf einer Fläche zwischen 1500 und 2000 Hektar Mais angebaut. Rund 260 davon sind jetzt für die Biogasanlage am Telgter Damm abgeerntet worden. Dass der Ertrag nicht derselbe wie noch vor Jahren sein würde, war Maik Hollenberg vom Lohnunternehmen Heemann OHG vorher klar. Er sagt aber auch: „Dieses Jahr war es besser. Die vergangenen beiden Jahre waren sehr schlecht.“

Donnerstag, 01.10.2020, 18:22 Uhr
Im September wird der Mais eingefahren. Ein Teil der Pflanze (rundes Bild) bleibt meistens stehen. Meistens wie dieser Rest später untergearbeitet, um dem Maiszünsler nicht unnötig beste Bedingungen zu bieten.
Im September wird der Mais eingefahren. Ein Teil der Pflanze (rundes Bild) bleibt meistens stehen. Meistens wie dieser Rest später untergearbeitet, um dem Maiszünsler nicht unnötig beste Bedingungen zu bieten. Foto: Luca Pals

Aufgrund von anhaltender Trockenheit und nur sporadischem Regen seien die Erträge 2018 und 2019 „sehr bescheiden“ gewesen, sagt er beim Ortstermin mit den WN. Landwirt Hendrik König ergänzt: „Natürlich merken auch wir den Klimawandel.“ Der Regen der vergangenen Wochen habe zwar geholfen, laut Hollenberg ist er aber „zwei Wochen zu spät gekommen“. Die Folgen sind erst auf den zweiten Blick zu sehen. Hollenberg: „Die Qualität liegt halt in den Kolben. Und oft genug haben die keine vollen Körner.“

Was die Niederschläge betrifft, weiß auch Sauenhalter Carsten Spieker aus Lienen, dass einzelne Regenereignisse entscheidend sein können. Mit zahlreichen Kollegen aus der Umgebung hat er per Whatsapp eine „Niederschlagsgruppe“ gegründet und ist bestens im Bilde. „Die 27 Millimeter am 9. August kamen zwar spät, haben uns aber gerettet. Ohne die wären die 60 Millimeter am 15. August nicht mehr viel wert gewesen.“ Gemessen an den Jahren vor 2018 sei die Ernte in Lienen flächendeckend „durchschnittlich“ ausgefallen.

Zahlen machen die Negativ-Entwicklung deutlicher: Von den Flächen, auf denen Mais für die Biogasanlage in Ladbergen angebaut werden, haben die Landwirte zu früheren Zeiten 42 bis 50 Tonnen Mais pro Hektar geholt. In den vergangenen Jahren waren es stets um die zehn Tonnen weniger.

Wenn der Mais Ende August oder im September in seiner Blüte steht, naht die Zeit der Ernte. Für die Biogasanlage sind dann pausenlos drei Häcksler im Einsatz mit je fünf Treckern samt Mulde im Schlepptau. Es wird solange abgefahren und gependelt, bis alles weg ist. Auf dem Gelände der Biogasanlage sorgen drei sogenannte Festfahrer dafür, dass der Sauerstoff aus der Biomasse gepresst wird. Zum Schluss wird alles mit Folie abgedeckt, so dass der Mais liegen bleiben kann, ohne vor sich hinzugammeln. Nun findet der Silage-Prozess statt.

In den Fermentern der Biogasanlage kommen Silage, Mist und Gülle zusammen und werden mithilfe von Bakterien in Methan verwandelt. Per Generator wird das Gas verstromt und die so gewonnene Energie ins Netz eingespeist. Je schlechter die Ernte, desto weniger Strom.

Neben Trockenheit und unregelmäßigen Regengüssen könnte in Zukunft auch der Maiszünsler den Landwirten Sorgen bereiten. Dieser Schädling macht es sich in der Restpflanze, die bei der Ernte stehen bleibt, gemütlich. Weil die Winter nicht mehr so kalt sind, wie sie vor einigen Jahren noch waren, hat er dort beste Bedingungen – auch um sich fortzupflanzen.

Während Landwirt Tobias Werning aus Greven bereits Probleme mit dem Schädling hatte, sagt Hendrik König: „Wir haben nicht viele Zünsler. In Ladbergen ist das noch kein Problem.“ Um dem Schädling vorzubeugen, würden die Felder nach der Ernte nachbearbeitet und die Restpflanzen untergepflügt oder -gegrubbert.

Noch einmal zum Wetter, das trotz bester Vorarbeit über Erfolg oder Misserfolg einer Ernte entscheiden kann: „Was den Regen betrifft, leben wir von der Hand in den Mund“, verdeutlicht Carsten Spieker und verweist noch einmal auf die 60 Millimeter vom 15. August. Im nur wenige Kilometer entfernten Füchtorf habe es an diesem Tag nichts gegeben, dort sei die Ernte bedeutend schlechter ausgefallen. Sporadische und oftmals nur lokale Regenereignisse machten den Getreide- und Maisanbau gerade auf kargen Böden wie in Meckelwege, Aldrup, Dorfbauer oder Holzhausen zu einem Glücksspiel. Auch Spieker macht sich nichts vor: „Der Klimawandel ist angekommen.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7612121?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F176%2F
Nachrichten-Ticker