Blick auf die Baudenkmale
1975 sind 23 Häuser erhaltenswert

Lienen -

1975 wurde der ort durchforstet auf der Suche nach erhaltenswerten Gebäuden. Und wie sah es knapp zehn Jahre später aus? Die Heimatzeitung berichtete es damals.

Sonntag, 11.10.2020, 20:16 Uhr aktualisiert: 12.10.2020, 17:40 Uhr
Das Haus Heitgreß an der Hauptstraße
Das Haus Heitgreß an der Hauptstraße

„Schutz und Erhaltung nachstehender Baudenkmale liegen in öffentlichem Interesse“, schreiben die Mitarbeiter des Landeskonservators von Westfalen-Lippe, die Herren Dr. Wildemann, Dr. Mainzer und Wieman, nachdem sie im Juli 1975 zweimal den Ort Lienen kritisch auf Baudenkmale und erhaltenswerte Gebäude durchforstet hatten. 23 Gebäude im Lienener Ortskern hielten sie für besonders wertvoll und nahmen sie in ihre Liste der Baudenkmale und erhaltenswerte Gebäude auf. Darüber und über die Folgen berichtete 1983 die Heimatzeitung.

Angeführt wird die Reihe von der evangelischen Stadtkirche. Es folgen das Haus Diekesdamm 1 (heute Haus des Gastes ), Haus Hauptstraße 14/Ecke Schulstraße (Amtshaus), Haus Hauptstraße 20 (Heitgreß), Haus Hauptstraße 22, Haus Kirchplatz 1 (Hohes Haus), Haus Kirchplatz 6 (Kriege), Haus Kirchplatz 8 (Lenzing), Haus Kirchplatz 10 (früher Haus der Landfrau, heute der Kirchengemeinde gehörend) und das Haus Thieplatz 6 (ehemals Peters).

Folgende Häuser wurden bezeichnet als „Gebäude, die aus kulturhistorischen Gründen und für das individuelle Ortsbild von Lienen erhaltenswert sind“: Diekesdamm 2, Diekesdamm 5, Hauptstraße 8, Hauptstraße (Anbau zu Kirchplatz 4), Hauptstraße 30, Hauptstraße 32, Iburger Straße 4, Kirchplatz 2, Parkstraße/Ecke Diekesdamm, Schulstraße 6, Thieplatz 3, Thieplatz 7 und Zum Teich 1.

Mit der Renovierung von drei Gebäuden aus dieser Liste – es sind die Häuser Hauptstraße 20, Thieplatz 6 und Thieplatz 7 – kam die Gemeinde Lienen ihrem Ziel wieder ein Stück näher, den Ortskern weiter zu verschönern. Nachdem die drei Sanierungsobjekte „Hohes Haus“, „Haus der Landfrau“ und „Haus des Gastes“ noch mit bedeutender öffentlicher Förderung ausgebaut werden konnten, flossen die Mittel für die drei erstgenannten Gebäude jetzt weitaus spärlicher. Nur noch „gekürzte Landesmittel“ standen zur Verfügung, um Häuser zu erhalten.

Gekürzte Landesmittel

Der Landeskonservator leitet seine Liste der besonderen Gebäude ein mit einer Charakterisierung des Ortskernes: „Der Ort Lienen bezieht seinen Hauptreiz durch die Raumfolge Thieplatz und Kirchplatz sowie im weiteren Verlauf durch den Diekesdamm mit dem angrenzenden Dorfteich und anschließenden Freiräumen. Städtebaulich beherrschendes Element ist außer der Kirche, dass Kirchplatz und Thieplatz voneinander trennende und zugleich verklammernde Hohe Haus. Die weiteren ortsspezifischen Blickrichtungen mit Elementen der Unverwechselbarkeit ergeben sich im Verlauf der das Ortsgefüge in Längsrichtung (Ost-West) durchquerenden, mehrfach gekrümmten Hauptstraße. Neben Fachwerkhäusern wird das Ortsbild im wesentlichen von einigen spätbarocken und klassizistischen beziehungsweise klassizistisch umgeformten älteren Fachwerkhäusern geprägt.“

Gemeindedirektor Karrenbrock bringt die Feststellung des Landeskonservators schlicht auf einen Nenner: „Wir unternehmen alles, um den dörflichen Charakter Lienens zu wahren.“

Fertiggestellt ist jetzt auch das ehemalige Haus „Allerdise“ am Thieplatz 7, in dem jetzt die „Stofftruhe“ untergebracht ist. Der Landeskonservator schrieb über dieses Gebäude 1975: eingeschossiges schlichtes Fachwerkhaus um 1800. Krüppelwalm, fünf Achsen plus Querdeelen. Städtebaulich als Platzwand wichtig, davor drei Lindenbäume.

Das ehemalige Haus Peters am Thieplatz wurde 198 als Dependance für das „Hohe Haus“ ausgebaut und in diesem Winter bezogen. Das „Hotel Landhaus“, wie es genannt wurde, steuert zum Bettenkontingent des Erholungsortes Lienen 16 Betten hinzu. Der Landeskonservator in seiner Beschreibung 1975: „eineinhalbgeschossiges Fachwerkhaus mit Auslucht, Giebelseite (Platzseite) mit auf Knaggen zweifach vorragendem Giebel hinter einer dichten Baumreihe verborgen. Originaltyp. Vor Ostseite Anbau. Nord- und Südseite verputzt. Das Haus steht zur Zeit leer, mit eingeschlagenen Fenstern etc. verwahrlost wirkend.“ Sicher wäre der Landeskonservatorangenehm überrascht, wenn er dieses Gebäude im renovierten Zustand wiedersehen würde.

In diesem Jahr noch fertig werden soll das „Haus Heitgreß“, Hauptstraße 20, das seit 1982 im Besitz von Architekt Galla ist, der das alte Gebäude an der Hauptstraße in Lienen zur Zeit renoviert. Im Erdgeschoss des Hauses ist bereits eine Drogerie untergebracht. Dazu kommen noch fünf Wohnungen. Der Landeskonservator hatte das Haus Hauptstraße 20 bei der Ortsbegehung 1975 als „Baudenkmal“ eingestuft und wie folgt beschrieben: „Spätbarockes zweigeschossiges Traufenhaus mit klassizistischer Haustür und Freitreppe sowie klassizistischer Schaufensterumrahmung. In der Straßenfassade acht Fensterachsen. Krüppelwalmdach.“

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