Beschwerden über Abholzung einer Hecke
„Eine ökologische Katastrophe“

Lienen -

Anwohner und die Biologin Anja Roy haben kein Verständnis für die Rodung einer Hecke am Barfußpark. Bauamtsleiter Nico Königkrämer nennt jedoch Gründe, die das Entfernen der Bäume notwendig machten.

Donnerstag, 05.11.2020, 17:50 Uhr
Anja Roy ist Biologin. Für die Rodung einer Hecke entlang des Barfußparkes hat sie „absolut kein Verständnis.“
Anja Roy ist Biologin. Für die Rodung einer Hecke entlang des Barfußparkes hat sie „absolut kein Verständnis.“ Foto: Luca Pals

Zwei bis drei Meter hoch, etwa 300 Meter lang und saftig grün – so sah die Hecke entlang eines Abschnittes des Barfußparkes noch in der vergangenen Woche aus. Davon ist nun nichts mehr zu sehen. Nur noch vereinzelt stehen Bäume. Von einer stattlichen Hecke kann keine Rede mehr sein. Reines Unverständnis über die Rodung zeigen Anwohner. Vor allem die Diplom-Biologin Anja Roy .

Am Montagabend sprach sie das Thema in der Einwohnerfragestunde der konstituierenden Ratssitzung an: „Warum wurde die Hecke entfernt?“ Im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten sagt sie: „Eine richtige Antwort blieb leider aus.“ Die Gemeinde verwies auf die beauftragten Fachfirmen und die einzuhaltende Verkehrssicherheitspflicht. Bauamtsleiter Nico Königkrämer bestätigte auf Nachfrage: „Über allem sind wir verkehrssicherheitspflichtig. Uns ist bewusst, dass eine solche Rodung kritisch ist.“ Eine Wildblumen-Aussaat soll so ausgesät werden, dass es im Frühjahr „wieder grün“ sein wird: „Wir wollen die Attraktivität aufrechterhalten und sind uns unserer ökologischen Verantwortung bewusst.“

Anja Roy ist Anwohnerin und Fachfrau. Seit 1995 arbeitet sie selbstständig in Forschung und Landschaftsplanung. Sie sagt: „Das ist eine ökologische Katastrophe. In Zeiten des Klimawandels sind jeder Baum und jede Hecke wertvoll.“ Sie führt aus: „Vor allem jeder gesunde Baum. In den Wäldern ist schon zu viel kaputt, aber diese Hecke war gesund.“ Und besaß eine besondere Vielfalt: „Hasel, Hainbuche, Eiche oder Buche – hier war wirklich alles zu finden. Das waren gewachsene Strukturen.“ Königkrämer sieht es etwas anders: „Da waren einige tote Bäume. Vor allem die wild ausgesäten Kirschbäume, deren Standhaftigkeit wir nicht mehr sicher stellen konnten.“ Dazu kam: „Wir hatten einige Beschwerden über illegale Müllabladungen. Wenn wir hier eine bessere Einsicht herstellen können, können wir dem entgegen wirken.“ In den vergangenen Jahren hätten sich dahingehend einige Besucher des Barfußparkes beschwert.

Für Roy sei die Hecke ein wertvoller Rückzugsort vieler Tierarten gewesen. „Spatzen sieht man in Lienen nur noch ganz selten. Hecken sind wichtig für die Vögel.“ Roy verweist auf die Artenschutzpflicht der Gemeinde und bedauert: „Die wird aber leider immer öfter anderen Richtlinien hinten angestellt.“ In diesem Punkt pflichtet Königkrämer ihr bei: „Das geht oft vor. Die neue Wildwiese soll aber insektenfreundlich sein.“

Roy hält dagegen: Die vereinzelt stehenden Bäume würden es in Zukunft schwer haben: „Wenn die Sommer wieder so heiß und trocken wie die letzten werden, haben die Bäume keine Chance mehr. Sie können sich nicht beschatten. Dann platzt die Rinde auf und sie gehen kaputt.“ Die 54-jährige Frau aus Lienen ist sichtlich verärgert: „Alle reden über den Klimawandel und dann wird so etwas gemacht.“

Nicht nur für sie ist das unverständlich. Anwohnerin Gerhild Schnier erinnert sich: „Als hier alles platt gemacht wurde, haben viele Nachbarn neugierig geschaut. Von uns kann das keiner verstehen.“

Auch deswegen, weil ein Teil der Hecke als Abschnitt des Barfußparkes diente. Roy: „Hier konnten die Kinder sehr schön durchlaufen.“

Anja Roy will gegen das Vorhaben von Gemeinde und zuständiger Firma nicht weiter vorgehen, sie appelliert nur: „Vielleicht kommt man bei solchen Themen eher zur Vernunft.“

 

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