Tim Spitzer vermietet junge Schweine
Hochzeitsplaner mit neuem Standbein

Lienen -

Die Pandemie hat sich auch auf Hochzeitsplaner, Hoteliers und Gastronomen negativ ausgewirkt. In jeder Krise steckt jedoch eine Chance. Dachte sich der 31-jährige Tim Spitzer. Seit zehn Jahren ist er erfolgreicher und begeisterter Hochzeitsplaner im Beverland-Resort in Ostbevern-Brock. Da Hochzeiten derzeit so gut wie gar nicht in großem Rahmen stattfinden, hat er nach einer Möglichkeit für ein zweites Standbein gesucht.

Freitag, 13.11.2020, 21:04 Uhr
Tim Spitzer vermietet junge Schweine: Hochzeitsplaner mit neuem Standbein
Foto: Bernd Pohlkamp

Die Pandemie hat sich auch auf Hochzeitsplaner, Hoteliers und Gastronomen negativ ausgewirkt. In jeder Krise steckt jedoch eine Chance. Dachte sich der 31-jährige Tim Spitzer . Seit zehn Jahren ist er erfolgreicher und begeisterter Hochzeitsplaner im Beverland-Resort in Ostbevern-Brock. Da Hochzeiten derzeit so gut wie gar nicht in großem Rahmen stattfinden, hat er nach einer Möglichkeit für ein zweites Standbein gesucht.

Das Glück stand ihm dabei schon vorher zur Seite. Als er davon erfuhr, dass in Lienen ein Resthof verkauft werden sollte, griff er zu. Anfang 2018 war es soweit: Tim Spitzer wurde Eigentümer der Anlage mit einer zwei Hektar großen Weide. Weil dort früher noch 30 Rinder und rund 200 Schweine gehalten wurden, fand er Stallungen vor, die nach kurzer Renovierung inzwischen voll funktionsfähig sind.

Mit seiner Familie lebt er seit drei Jahren auf dem Bauernhof. Dort reifte auch seine Idee, Hobby-Landwirt zu werden und damit seinen Lebensunterhalt zumindest teilweise abzusichern. Der gebürtige Kelheimer (Niederbayern) verwirklichte so seinen Traum, auf einem Bauernhof zu leben und Schweine zu züchten. Nicht irgendwelche, sondern außergewöhnliche Vierbeiner: Bunte Bentheimer Landschweine und iberische Schweine (Iberico de Bellotta de Pata Negra). Seine Liebe zu Borstentieren führte ihn zu den seltenen Schweinerassen. „Tierfreundliche und nachhaltige Landwirtschaft betreibe ich von Anfang an,“ beschreibt Tim Spitzer sein Leitmotiv: „Außerdem haben meine Vierbeiner viel Auslauf. Sie fühlen sich bei mir „sau-wohl“, denn sie sind ganzjährig draußen auf der Weide. Als Unterschlupf dienen kleine „Hütten“. Immer wieder werden Ferkel auf dem Hof geboren. Sie wachsen im Familienverbund zunächst im Stall und später in Freilandhaltung auf.

Bei der Auswahl der Tiernahrung wird Spitzer von einem Futtermittelexperten begleitet. „Auf gentechnikfreie Futtermittel lege ich größten Wert. So verfüttere ich frische Kartoffeln, die ich in einem großen alten Kessel zuvor koche und danach zubereite.“ Auch mit Getreide, Futterrüben, Erbsen, Gras, Klee, Zucchini, Kürbissen, Eicheln oder Nüssen verpflegt er seine Tiere. Bei der Nahrungszufuhr verzichtet Tim Spitzer auf Antibiotika, Wachstumsbeschleuniger und andere Zusätze. Das führt zu einer guten Tierhaltung, Seine bodenständige und grundehrliche Einstellung zum Tierwohl und zur Landwirtschaft schult er durch „Lernen durch Tun“. Dabei verinnerlicht er das Zitat von Aristoteles: „Was man lernen muss, um es zu tun, das lernt man, indem man es tut.“ „Die Schweine,“ so Spitzer, „leben bei mir ihre natürlichen Bedürfnisse komplett aus und werden – anders als ihre konventionell gehaltenen Artgenossen – mindestens doppelt so alt.“ Die Fleischqualität solcher Freilandschweine bezeichnet er als einzigartig. Die Tiere seien extrem ausgeglichen, beobachtet er immer wieder. „Sie spielen, fressen, wühlen und schauen – wie es Schweinen zu eigen ist. Die Leitlinie des „Natürlichen“ lebt Tim Spitzer mit seiner Familie konsequent auf dem Bauernhof in Lienen.

Der Hochzeitsplaner und Hobby-Landwirt in Personalunion läßt seine Tiere in der Landfleischerei Beermann in Bad Laer schlachten: „Das Bunte Bentheimer Schwein und das Iberico werden von Grillfreunden, Gourmets und Fleischfans sehr geschätzt,“ weist Spitzer auch auf die fettdurchzogene Marmorierung hin, die Zartheit und besten Geschmack garantiere.

Über Social Media und einen eigenen Onlineshop werden verschiedene Fleischprodukte angeboten. Die bestellte Ware kann der Kunde direkt am Hof abholen oder über einen Lieferservice in der Region frei Haus liefern lassen. „Durch einen fairen Preis für das hochwertige Fleisch haben wir die Möglichkeit, unsere Tiere tierfreundlich zu halten, zu füttern und auf diese Weise später Fleisch zu vermarkten, das nicht nur geschmacklich überzeugt, sondern auch mit gutem Gewissen genossen werden kann.“

Tim Spitzer entwickelt sein „Bauernhofprojekt“ ständig weiter. Nicht nur, dass er sich der Initiative „Landwirtschaft: Mag doch jeder“ anschließen will, er bereitet auch mit weiteren drei Partnern und Erzeugern in der Landwirtschaft einen Hofverkauf vor, nach dem Motto „Vier Höfe, vier Wochenenden und vier landwirtschaftliche Betriebe“. Denn er ist davon überzeugt, dass man nur gemeinsam gewinnen kann. So möchte er den Hofverkauf auch als Teil der Imagearbeit für die Landwirtschaft verstanden wissen. Der geplante Hofverkauf könnte immer im Wechsel auf dem jeweiligen Hof der vier Partner stattfinden. Dort sollen Rindfleisch-, Schweinefleisch- und Honigprodukte angeboten werden.

Dank der Kooperation mit der Jagdschule Tecklenburger Land kommt auch Wildfleisch ins Sortiment. Ein weiterer Plan ist das Leasing. Hierbei möchte Tim Spitzer Kunden gewinnen, die ein Schwein von Geburt an bei ihm leasen. Nach seinen Vorstellungen reserviert sich der Käufer sein junges Schwein, das eine Ohrmarkennummer erhält. Nach zwölf Monatsraten verpflichtet sich der Käufer, sein erworbenes Schwein am Ende der Mastdauer zu kaufen. Anschließend bestimmt der Käufer den Schlachtzeitpunkt, welchen er mindestens drei Wochen vorher mitteilt. In der Vereinbarung ist auch der Transport, die Schlachtung und Verarbeitung des Schweines geregelt.

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