Sandsteinelemente lagerten bei Dyckerhoff
Vereine retten Denkmalteile

Lienen -

die Lienener Schützen und der Heimatverein der örtlichen Erinnerungskultur einen besonderen Dienst. Sie sicherten die Überreste des alten Kriegerdenkmals, das früher auf dem Kirchplatz gestanden hatte.

Freitag, 20.11.2020, 19:31 Uhr aktualisiert: 20.11.2020, 19:40 Uhr
.
. Foto: Fritz Peters/Heimatverein Lienen

Obwohl in diesem Jahr die Gedenkfeiern zum Volkstrauertag wegen der Corona-Pandemie nur in begrenzter Form stattfanden, erwiesen die Lienener Schützen und der Heimatverein der örtlichen Erinnerungskultur einen besonderen Dienst. Sie sicherten die Überreste des alten Kriegerdenkmals, das früher auf dem Kirchplatz gestanden hatte. Seit Jahrzehnten lagerten zwei Sandsteinelemente auf dem Gelände des Dyckerhoff-Werks in Lengerich-Hohne. Wie sie dorthin gelangten, ist nicht bekannt.

Da Dyckerhoff das Gelände anders nutzen möchte, wandte sich das Unternehmen an den Heimatverein. Gemeinsam mit dem Schützenverein Lienen von 1893 organisierte dessen Vorstand den Rücktransport der insgesamt drei Tonnen schweren Bauteile. Dieser beherzten ehrenamtliche Einsatz von Mitgliedern beider Vereine rettete die Denkmalreste vor dem endgültigen Verlust.

Das alte Kriegerdenkmal stand bis 1973 auf dem Lienener Kirchplatz südlich der Kirche. Es wurde am 2. September 1890, am Jahrestag des Sieges von Sedan, für die im preußisch-österreichischen Krieg 1866 und im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 Gefallenen errichtet und in den folgenden Jahren vor allem zu den Gedenkfeiern am Sedanstag genutzt.

Seine Gestaltung geht auf eine Skizze von Pfarrer Wilhelm Kriege zurück, die der Bildhauer Mosecker aus Münster in Sandstein umgesetzte. Die Inschrift, die ebenfalls von Pfarrer Kriege stammt, lautete: „Den im Kampf für Kaiser und Reich Gebliebenen zum Gedächtnis, den Lebenden zur Erinnerung, den kommenden Geschlechtern zur Nacheiferung. Die dankbare Gemeinde. Erst wägen, dann wagen. Furchtlos und beharrlich“.

Das von einem eisernen Gitter umgebene Denkmal stand erhöht, so dass einige Stufen hinaufführten. Das Oberteil mit den Marmorplatten, auf denen die Namen der Gefallenen zu lesen waren, lief in einem gotischen Mittelturm und vier gotischen Ecktürmchen aus.

Unverkennbar sind die Anleihen von Gestaltung und Inschrift, die Pfarrer Kriege für seine Skizze bei dem in den Jahren 1818 bis 1822 errichteten Berliner Kreuzbergdenkmal zur Erinnerung an die Befreiungskriege (1813–1815) gemacht hatte. Das Einfassungsgitter wurde während des Zweiten Weltkriegs entfernt.

In den Jahren danach verfiel das Denkmal, eine Restaurierung hätte immense Kosten verursacht. Im Juni 1962 machte die Kriegerkameradschaft Lienen die Kirchengemeinde auf den „ungünstigen baulichen Zustand“ aufmerksam und regte eine Instandsetzung an. Mit dem Hinweis auf die damals geplante Neugestaltung des Kirchplatzes lehnte das Presbyterium den Vorschlag im Juni 1964 ab.

Im Februar/März 1973 fiel die Entscheidung, das Denkmal im Zuge der Neugestaltung des Kirchplatzes zu entfernen. Danach verliert sich die Spur der einzelnen Teile.

Erst 1995 fand Dr. Michael Rossmanith das Denkmal im Steinbruch der Firma Dyckerhoff wieder. Die Überreste wurden gesichert und blieben seither auf dem Werksgelände. In welcher Form die nun nach Lienen zurückgekehrten Überreste des Denkmals genutzt werden können, ist noch nicht entschieden. Es gibt aber Ideen zu einer möglichen kreativen Verwendung und Umgestaltung.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7687793?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F176%2F
Nachrichten-Ticker