Zehn Monate nach der folgenschweren Explosion steht fest:
Unglückshaus weicht Neubau

Lienen -

Zehn Monate nach der heftigen Explosion im Lienener Ortskern, bei der ein 19-jähriger Feuerwehrmann im Einsatz getötet wurde, steht fest: Das Unglückshaus wird abgerissen. Das teilte Eigentümer Ernst-Rudolf Hunsche jetzt den WN auf Anfrage mit.

Mittwoch, 09.12.2020, 19:32 Uhr aktualisiert: 10.12.2020, 17:14 Uhr
Bei der Explosion am 8. Februar dieses Jahres wurde ein junger Feuerwehrmann von Trümmern erschlagen und das Haus
Bei der Explosion am 8. Februar dieses Jahres wurde ein junger Feuerwehrmann von Trümmern erschlagen und das Haus Foto: msc

„An selber Stelle wird ein Wohn- und Geschäftshaus mit einer Begegnungsstätte für die AWO im Erdgeschoss und darüber fünf Wohnungen neu gebaut“, führte Hunsche weiter aus. Der von ihm beauftragte Architekt Ulrich Saatkamp aus Ladbergen hat die Pläne soweit fertig und möchte Bauantrag noch vor Jahresfrist einreichen.

Abriss und Neubau oder Sanierung? Diese Frage beschäftigte Hunsche ebenso wie die zuständige Versicherung über Monate hinweg. „Wäre es nach mir gegangen, wäre das schon eher so entschieden worden“, sagt Hunsche, der von vorneherein für einen Abriss plädiert hatte – und nach eigener Aussage dabei auch die Öffentlichkeit im Auge hatte. Aus Politik, Verwaltung und Feuerwehr waren einige Zeit nach dem Unglück Stimmen laut geworden, dass es wohl besser wäre, das Haus abzureißen und dort etwas Neues, quasi Unbelastetes zu errichten. Bei der Versicherung stand nach Hunsches Aussage aber lange die Frage im Raum, ob eine Sanierung nicht wirtschaftlicher und daher vorzuziehen sei. Als Reaktion auf ein entsprechendes Gutachten pro Sanierung habe er ein eigenes Gutachten in Auftrag gegeben, das zu einem anderen Ergebnis gekommen sei und letztlich maßgeblich war. Er sei froh, dass die Hängepartie nun beendet ist und hoffe, dass es möglicht schnell losgehen kann.

Das Unglückshaus wurde ebenso wie die benachbarten Gebäude von dem Lienener Architekten Heinz-Dieter Galla entworfen, der in seinem Heimatort vielfach tätig war. Saatkamp teilt die Einschätzung, dass eine Sanierung kaum Sinn macht. „Die Kellerwände sind gewölbt und haben mit Sicherheit Risse bekommen. Da wird man kein Unternehmen findet, das eine Garantie darauf gibt, den Keller wieder dicht zu bekommen.“ Wegen der Nähe zum Dorfteich und dem hohen Grundwasserstand an der Stelle sei das ein vermutlich nicht in den Griff zu bekommendes Problem.

Saatkamp hat war jahrelang Mitarbeiter bei Galla und fühlt sich bei der Planung seinem alten Chef verpflichtet. Der Neubau, so Saatkamp, werde sich „mit weiß geschlämmtem Verblender und von den Texturen her harmonisch in den Bestand einfügen“. Ein Laubengang vor der AWO-Begegnungsstätte sei auch wieder geplant. In den Obergeschossen sollen fünf Wohnungen in der Größe zwischen 71 und 102 Quadratmetern entstehen. Das Gebäude ist als Niedrigenergiehaus mit Wärmepumpe geplant.

Der Architekt hofft, dass es „im zeitigen Frühjahr“ losgehen kann. Erst kurz vorher werde der Abriss erfolgen. Sollte der Wunsch bestehen, an dem neuen Gebäude eine Gedenktafel oder etwas ähnliches anzubringen, das an das Unglück erinnert, ließe sich das problemlos verwirklichen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7716560?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F176%2F
Nachrichten-Ticker