Kahlschlag im Steinbruch Höste
Dyckerhoff lässt letzte Buchen fällen

Lienen/Lengerich -

Kahlschlag für den Steinbruch: Buchen auf einer Fläche von dreieinhalb Hektar, die wegen offener natur- und artenschutzfachlicher Fragen zunächst stehen bleiben durften, sind jetzt im Auftrag der Firma Dyckerhoff gefällt worden. Die Bürgerinitiative Pro Teuto  kritisiert den Zeitpunkt der genehmigten Rodung.

Donnerstag, 07.01.2021, 18:11 Uhr aktualisiert: 07.01.2021, 20:28 Uhr
Kurz vor Weihnachten wurden auch die letzten Buchen im Steinbruch Lienen-Höste gefällt (großes Bild). Was für die Firma Dyckerhoff und den Kreis Steinfurt ein folgerichtiger Schritt ist, kritisiert die Bürgerinitiative Pro Teuto als Verstoß
Kurz vor Weihnachten wurden auch die letzten Buchen im Steinbruch Lienen-Höste gefällt (großes Bild). Was für die Firma Dyckerhoff und den Kreis Steinfurt ein folgerichtiger Schritt ist, kritisiert die Bürgerinitiative Pro Teuto als Verstoß Foto: Pro Teuto

Rund ein Jahr nach der Rodung von fünf Hektar Buchenwald im Steinbruch Höste fielen nun auch die Bäume auf der dreieinhalb Hektar großen Insel, die die Firma Dyckerhoff wegen offener natur- und artenschutzfachlicher Fragen zunächst ausgespart hatte. Nachdem der Kreis Steinfurt am 11. Dezember sein Okay gegeben hatte, rückten die Waldarbeiter an.

Kurz vor Weihnachten informierte Dyckerhoffs Pressesprecherin Steffi Fischer den Kreis darüber, dass die Rodung abgeschlossen sei. Für sie ist der Schritt folgerichtig. Das Unternehmen habe ein Jahr lang freiwillig auf die Maßnahme verzichtet. Nachdem der Kreis die vorgesehenen Rodungen als „rechtlich zulässig“ angesehen“ hatte, bestand keine Notwendigkeit mehr abzuwarten.

Bürgerinitiative Pro Teuto übt Kritik an Rodung

Das sieht die Bürgerinitiative Pro Teuto anders. „Sie hätten die Fläche noch halten können, bis sie sie benötigen“, sagt Sigrid Elling-Augé vom Pro-Teuto-Vorstand. Ihre Kritik geht auch an die Kreisverwaltung, die die Rodung „ohne Not“ zugelassen habe. Die Initiative erinnert an die früher übliche Praxis, nach der Waldbestände nur in der Größe abgeholzt werden durften, wie es für den Betriebsablauf des Zementwerkes erforderlich gewesen sei. „Die Genehmigung aus 1999, die sich auf die beiden Steinbrüche in Lengerich-Hohne und Lienen-Höste bezieht, enthält aber nur das Aktenzeichen und einen Verweis auf die früheren Genehmigungen des Steinbruchs Lengerich-Hohne, nicht auf die des Steinbruchs Lienen-Höste“, heißt es in einer Pressemitteilung von Pro Teuto.

Grundsätzliche Genehmigung aus dem Jahr 1999

Stefan Gerdes, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, stellt klar, dass die grundsätzliche Genehmigung aus dem Jahr 1999 Gültigkeit besitze und auch der Artenschutz ausreichend berücksichtigt werde. So sei die Rodung außerhalb der Brutzeit und nach einer Horst- und Höhlenkontrolle durchgeführt worden. Zudem habe Dyckerhoff zugesagt, freiwillig Nistkästen für Waldkäuze aufzuhängen. Steffi Fischer bestätigt, dass das Unternehmen gemeinsam mit einem Vertreter der ANTL im Vorfeld der Rodung drei Kästen in der Nähe der gerodeten Fläche aufgehängt habe, obwohl Brutplätze nicht nachgewiesen werden konnten.

Für Pro Teuto ist die Beurteilung des Kreisumweltamtes einseitig und ein Déjà-vu, seien doch vor Weihnachten 2019 zur Erweiterung des Calcis-Steinbruchs beantragte Flächen bis in das NATURA-2000-Gebiet hinein gerodet worden, obwohl bis heute fraglich sei, ob eine weitere Abgrabungsgenehmigung erteilt werde.

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