Schützenvereine blicken besorgt auf 2021
„Das Brauchtum liegt am Boden“

Ladbergen/Lienen -

Eigentlich stünden bei vielen Schützenvereinen in diesen Wochen Jahreshauptversammlungen an. Doch wie im vergangenen Jahr bereits die Schützenfeste der Corona-Pandemie zum Opfer fielen, so ist es nun auch um die Versammlungen schlecht bestellt. Immerhin, mancher behilft sich mit digitalen Konferenzen. Doch so oder so, die Einschränkungen hinterlassen zunehmend Spuren

Sonntag, 10.01.2021, 16:30 Uhr aktualisiert: 11.01.2021, 18:48 Uhr
Als die Schützen Lienen-Holzhausen im Sommer 2019 gut gelaunt ihr Schützenfest feierten, wussten sie noch nicht, dass es vorerst ihr letztes Fest sein würde. Nach dem Schützenfest 2020 wurden coronabedingt auch die Feierlichkeiten
Als die Schützen Lienen-Holzhausen im Sommer 2019 gut gelaunt ihr Schützenfest feierten, wussten sie noch nicht, dass es vorerst ihr letztes Fest sein würde. Nach dem Schützenfest 2020 wurden coronabedingt auch die Feierlichkeiten Foto: Luca Pals

Jahreshauptversammlungen von Schützenvereinen zu Beginn eines jeden Jahres sind gute Tradition. Eigentlich, denn in diesem Jahr müssen die Vereine, wie schon in den vergangenen zehn Monaten umdisponieren. So ist es auch bei den neun Schützenvereinen aus Lienen und Ladbergen. Was 2020 noch als letzte Veranstaltung über die Bühne ging, findet 2021 schon nicht mehr statt. Während Hans-Dieter Kötter, Schriftführer der Hölteraner in Ladbergen, die Veranstaltung am 15. Januar per Videokonferenz abhalten wird, ist sie vielerorts bereits komplett abgesagt. Mit der Verlängerung und der Verschärfung des Lockdowns wurde den Verantwortlichen die Entscheidung abgenommen. Einen Strich durch den Terminkalender wird die Corona-Pandemie wohl im gerade begonnenen Jahr erneut machen.

Besonders bitter ist die Situation für den Verein Lienen-Holzhausen. In einem Rundschreiben an die Mitglieder bedauert der Vorstand die Absage der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen, das Jubiläum steht in diesem Jahr an. Die Verantwortlichen planen, das große Fest 2023 nachzuholen. Dann sei die urkundliche Erstnennung der Bauerschaft 800 Jahre alt, auch ein Grund zum Feiern.

Das Schützenfest ist auch bei den Schützen aus Kattenvenne von zentraler Bedeutung. Der Vorsitzende Wolfgang Robben stimmt das weitere Vorgehen und anstehende Planungen aktuell telefonisch und über Whats-app mit den anderen Vorstandskollegen ab. Für den Verein, der 220 Mitglieder zählt, sei 2020 kein gutes Jahr gewesen. „Wir haben uns mit ein paar Leuten im Sommer am Schießstand getroffen – viel mehr ging ja kaum“, bedauert er.

Das Gedenken am Ehrenmal fand - mit Abstand – trotzdem statt. Dennoch lebe ein Schützenverein von regelmäßigen Veranstaltungen. So sieht es auch Natascha Schwake vom SV Wester Ladbergen: „Wir halten aktuell noch an unserem Schützenfest am dritten Juli-Wochenende fest, haben Kapelle und Spielmannszug bereits reserviert. Ohne das Vereinsleben fehlt schon etwas. Außerdem wird der Kontakt zu den Mitgliedern immer schwächer.“ In Wester gebe es noch einen sehr guten Nachwuchs, die 20 Mitglieder, die 2020 den Verein verlassen hatten, könnten in normalen Zeiten „locker wieder eingeholt werden“, sagt die Ladbergerin. Aber: „Wie soll das funktionieren, wenn man keine Veranstaltungen mehr hat?“

Noch schlechter ist es um den etwa 100 Mitglieder starken Verein Höste-Wes-terbeck aus Lienen bestellt. Schon seit einigen Jahren findet – auch aufgrund des fehlenden Nachwuchses – kein eigenes Schützenfest mehr statt. „Und 2020 fielen die wenigen Termine, die wir noch haben, auch weg“, sagt Vorstandsmitglied Marianne Kölsch. Die Älteren werden älter, die Jüngeren kommen nicht mehr nach – so einfach und gleichzeitig so schmerzhaft ist die Situation in einigen Vereinen.

Während Tobias Elsässer vom Schützenverein Lienen glaubt, dass es nach Corona so weitergehen wird wie vorher, und Wolfgang Robben seine „treuen Mitglieder“ lobt, weiß Natascha Schwake (Wester) zwar auch um den starken Zusammenhalt im Verein, sagt aber zugleich: „Wir leben von der Tradition. Deswegen liegt das Brauchtum aktuell am Boden.“

Wegen der meist älteren Mitglieder entschied sich unter anderem der Schützenverein Overbeck gegen Versammlungen im Online-Bereich, berichtet Heinz Kemper im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten. „Karneval 2020 war das letzte, was geklappt hat“, erinnert er sich. Finanziell habe die Corona-Pandemie den Verein noch nicht wirklich getroffen. „Aber wenn die Situation so weitergeht, wird auch das kommen“, ist er sicher. Er selber lebe für das Schützenwesen und sagt: „Mir fehlt das alles natürlich immens.“

Die Hoffnung auf Besserung schwingt mit, auch bei Ralf Fahrenhorst vom Schützenverein Amkenheide. Er sagt aber: „Unser Schützenfest ist Ende Mai. Das ist sehr früh – ich befürchte zu früh.“

Die Planungen nehmen die Kollegen von Lienen-Meckelwege dennoch auf: „Wir organisieren, als ob nichts gewesen ist. Wenn es dann nicht geht, können wir immer noch absagen.“ Für den Termin zum ersten Wochenende im August sei alles bereit, verrät Stefan Schmitte – einzig und allein die Gewissheit fehle. Wie in allen Vereinen.

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