Prozessauftakt wegen Drogenhandels
Zwei Säbel und ein Kilogramm Gras

LIENEN/Münster -

Weit über ein Kilogramm Gras hat ein Münsteraner einem Mann aus dem Tecklenburger Land verkauft - so viel ist klar. Doch in dem Prozess, der am Freitag startete gibt es dennoch offene Fragen.

Freitag, 08.01.2021, 21:00 Uhr aktualisiert: 10.01.2021, 16:30 Uhr
Prozessauftakt wegen Drogenhandels: Zwei Säbel und ein Kilogramm Gras
Foto: dpa

Vor dem Landgericht Münster ist am Freitag der Prozess gegen einen 22-jährigen Münsteraner sowie einen 30-jährigen Mann aus Lienen eröffnet worden. Dem Münsteraner wirft die Staatsanwaltschaft Münster unter anderem vor, mehr als ein Kilogramm Marihuana an den anderen Mann verkauft zu haben, der seinerseits ebenfalls Handel mit den Rauschmitteln betrieben haben soll.

Beide Angeklagte sind, was ihre Verkaufsgeschäfte angeht, geständig. Dennoch warf der erste Verhandlungstag Fragen auf. Klar ist bislang: Im vergangenen Sommer gingen zwei illegale Geschäfte über die Bühne.

Ort des Drogenverkaufs ist unklar

Zunächst erwarb der Mann aus Lienen von dem Münsteraner ein Kilogramm Marihuana, wenig später dann noch einmal 50 Tütchen mit je gut drei Gramm Inhalt des illegalen Rauschmittels, das in Deutschland lediglich zu medizinischen Zwecken erlaubt ist.

Unklar dagegen: Wo hat der Verkauf der Drogen stattgefunden? Auf dem Parkplatz des Universitätsklinikums, wie beide Angeklagte angeben, oder doch in der Wohnung, in der der Münsteraner mit seiner Mutter lebt?

Säbel aus Dekorationszwecken mitgenommen

Das könnte nicht zuletzt hinsichtlich zweier dort aufgefundener Säbel, laut Aussage des Verteidigers lediglich zu Dekorationszwecken vom Sperrmüll aufgelesen, problematisch für den Angeklagten werden. Fragen wird das Gericht wohl auch noch zu rund 27 000 Euro Bargeld stellen, die laut dem Anwalt des Münsteraners lediglich aus einem Autoverkauf stammen sollen.

Auch beim zweiten Angeklagten, der sich, anders als der Münsteraner, auch selbst zu den Vorwürfen äußerte, wurde eine Waffe aufgefunden. In dem Rucksack, in dem sich auch ein Teil der gekauften Drogen befanden, fand die Polizei ein Tierabwehrspray. Ein leicht zu bekommender, in der Szene verbreiteter Gegenstand. Er habe Angst vor Hunden, ließ der Angeklagte auf Nachfrage wissen.

Hohe Strafen für bewaffneten Drogenhandel

Der Vorsitzende Richter schien von dieser Begründung merklich weniger überzeugt. Dabei könnte die vergleichsweise harmlose Bewaffnung den Angeklagten bei der Strafbemessung teuer zu stehen kommen. Denn bewaffneter Drogenhandel wird in Deutschland nicht mit unter fünf Jahren Freiheitsstrafe geahndet.

Wortwörtlich zuletzt, nämlich kurz vor Ende des ersten Verhandlungstages, blieb auch eine Frage des Staatsanwalts an den Angeklagten aus dem Tecklenburger Land offen. Warum er denn an seinem Mercedes falsche Kennzeichen gehabt habe, fragte der Staatsanwalt. Ohne diese nämlich wären Fahrzeug und Fahrer wohl nie kontrolliert worden. Eine Antwort darauf gibt es vielleicht am 25. Januar, wenn der Prozess fortgesetzt werden soll.

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