Heiraten im Corona-Jahr
„Es war eine Zitterpartie“

Lienen-KattenvennE/Ladbergen -

Ein Hin und Her zwischen Bestätigung und Absage des Hochzeitstermins hat es gegeben., Doch dann passte alles für Nicole und Simon Wieczorek.

Montag, 25.01.2021, 19:42 Uhr aktualisiert: 25.01.2021, 19:50 Uhr
Das Brautpaar und die Gäste: Bei der Hochzeit im September
Das Brautpaar und die Gäste: Bei der Hochzeit im September Foto: privat

Das Datum ist auf den Eheringen eingraviert. Das Datum des Tages, an dem das junge Paar sich das Ja-Wort gab: Der 4. September 2020. Simon und Nicole Wieczorek , geborene Esser, entschieden sich für eine Hochzeit – trotz Corona-Pandemie. Und trotz Abständen und Begrenzungen.

Den Tag werden die beiden natürlich nicht vergessen: „Es hat alles gepasst“, erinnert sich Nicole. Morgens habe es noch ein wenig geregnet, am Mittag spielte dann aber auch das Wetter bei den beiden mit. Eine Fahrt im Cabrio vom Standesamt zum gemeinsamen Heim in Kattenvenne war somit genauso möglich wie das Feiern im eigenen Garten.

Kennengelernt haben die beiden sich durch die gemeinsamen Freundeskreise, auf Feiern und später auch bei Treffen zu zweit. Seit sieben Jahren sind sie zusammen. Er aus Lengerich-Hohne, sie aus Ladbergen – gemeinsam haben sie sich in der Mitte – in Kattenvenne – getroffen. Seit 2018 steht das eigene Haus im Grünen.

Zwar hätte es von vielen Seiten ein Hin und Her zwischen Bestätigung und Ablehnung einer Hochzeit in Pandemie-Zeiten gegeben. Am Ende aber zählt, was Nicole wie folgt formuliert: „Wir heiraten ja nicht für die Gäste oder für die schönen Kleider – wir heiraten, weil wir uns lieben.“ Eigentlich sei der Termin für den Juni geplant gewesen. Damals seien die Regelungen aber dermaßen streng gewesen, dass das Paar den Termin um drei Monate nach hinten geschoben hatte: „Im Juni hätten nur wir im Standesamt stehen und kein anderer hätte dabei sei dürfen.“ Im September – als die Zahlen der Neuinfektionen stetig sanken – war schon mehr möglich: Zehn Menschen durften bei der standesamtlichen Trauung dabei sein. Simon zählt auf: „Wir, der Standesbeamte, die Trauzeugen und Eltern und dazu noch meine Schwester.“ Mehr ging nicht – aber immerhin.

Nicole erklärt: „Es war eine Zitterpartie. Noch eine Woche vorher wussten wir nicht wirklich, ob alles so stattfinden kann.“ Aber: Es passte – Lockerungen seitens der Bundesregierung machten es möglich, dass das Paar mit 16 Personen in einem großen Zelt im eigenen Garten den Tag, sich und die Liebe feiern konnte. Zum engsten Kreis gehörten vor allem beide Familien. Auch die Tische wurden auseinandergestellt, für ein großes Gruppenfoto wurde ein wenig Abstand genommen. Die Location – geplant war mit etwa 80 Personen in Bad Iburg – musste zwar fallen gelassen werden, konnte aber durch „einen perfekten Lieferdienst“ der Waldschänke Kipp aus Ladbergen ersetzt werden. Die Feier ging bis 2 Uhr in der Nacht. Nur wenige Wochen nach dem Termin, erinnert sich Simon, sei die Zahl der Infizierten wieder angestiegen und die Restriktionen strenger geworden: Ein perfektes Timing.

Und eines, das sie nicht bereuen. „Wir kennen einige aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, die ihre Hochzeit auf 2021 geschoben haben und jetzt – weil die Lage nicht viel besser ist – immer noch keine Sicherheit über einen Termin haben.“

Für Nicole und Simon Wieczorek ist im Rückblick klar: „Es war der perfekte Mittelweg und ein sehr schöner Tag. Natürlich wollen wir aber auch im großen Kreis nachfeiern – wenn es dann wieder möglich ist.“

 

Übrigens: Das Statistische Bundesamt (Destatis) verzeichnet für das erste Halbjahr des vergangenen Jahres 139 900 Eheschließungen und damit 29 200 weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Zuletzt 2007 (138 800) seien die Zahlen vergleichsweise niedrig gewesen, hat das Amt ermittelt.

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