Kerstin Hunsche-Schellner bangt um ihr Lebenswerk
Reiterhof in roten Zahlen

Lienen -

Vor einem Jahr war die Welt auf dem Reiterhof Hunsche noch in Ordnung. Kerstin Hunsche-Schellner hatte ihren Betrieb gerade konzeptionell auf neue Füße gestellt, neben der bestehenden Ponyschule noch eine Kinderreitschule aufgebaut. „Das kam richtig gut an. 35 Kinder waren angemeldet“, berichtet die 49-Jährige. Dann kam Corona.

Montag, 15.02.2021, 18:19 Uhr aktualisiert: 16.02.2021, 17:21 Uhr
Durch die strengen Lockdown-Maßnahmen sieht Kerstin Hunsche-Schellner ihre Reitschule in der Existenz bedroht
Durch die strengen Lockdown-Maßnahmen sieht Kerstin Hunsche-Schellner ihre Reitschule in der Existenz bedroht Foto: msc

Zwar hat das Virus bislang einen Bogen um den Hof gemacht, doch die Folgen der Pandemie trafen und treffen Hunsche-Schellner mit voller Wucht. „Wenn das so weiter geht, kann ich bald zumachen“, spricht sie aus, was ihr das Herz brechen würde.

Es geht um ihr Lebenswerk – und das ihrer Mutter. Denn: Die Corona-Schutzmaßnahmen, allen voran der aktuelle Lockdown, wirken wie finanzielle Daumenschrauben, bedrohen massiv die Existenz. Kurzzeitige Entlastung brachte zwar der Sommer mit seinen Lockerungen. Der Effekt ist aber längst verpufft. Nach reiflicher Überlegung hat sich Hunsche-Schellner dazu durchgerungen, auf der Internet-Plattform „gofundme“ um Spenden für die Versorgung der elf Ponys und Pferde auf ihrem Hof zu bitten.

Während draußen der Schnee für eine lange nicht dagewesene Idylle sorgt, erzählt Kerstin Hunsche in der urigen Diele, wie die Misere vor einem Jahr losging. Und wie sie seitdem versucht, den Hof über Wasser zu halten. Die Ferienwohnungen auf dem Hof hat sie aktuell an Monteure vermietet. „Derzeit meine einzige Einnahmequelle“, sagt sie. Mal abgesehen von sogenannten Patenschaften für ihre Vierbeiner, die fremde Kinder übers Internet buchen und damit einhergehend Geld für Futter spenden. Aber das seien nur wenige Euro, nicht einmal der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein.

Elf Ponys und Pferde haben auf dem Hof ihr Zuhause, stehen für regelmäßige Reitstunden, therapeutisches Reiten und Reitferien zur Verfügung. Normalerweise. In Pandemie-Zeiten sind sie die meiste Zeit zum Nichtstun verurteilt.

Es mutet in der Tat ein wenig kurios an: Während Kinder morgens im Kindergarten zusammenspielen, dürfen sie nachmittags in einer großen Reithalle keinen Unterricht bekommen. Kerstin Hunsche-Schellner: „Wir können hier ohne Probleme alle geforderten Abstände einhalten. Aber Unterricht geben darf ich nicht. Nicht mal Einzelunterricht.“ Noch kurioser: Kinder, die eigenständig ein Pferd betreuen können, dürfen vorbeikommen und das tun. Allerdings muss eine Aufsicht gestellt werden. „Was ist der Unterschied, ob ich am Rand stehe und Aufsicht führe oder Kommandos gebe?“, fragt sich die Reitlehrerin. Vielen Reiterhöfen gehe es derzeit schlecht. Die Lienenerin hätte sich gewünscht, dass die Politik bei den Corona-Schutzmaßnahmen mehr differenziert hätte: „Es geht nicht nur um die Höfe, sonder auch um die Kinder. Die brauchen doch Programm und Beschäftigung in diesen Zeiten.“

Einen Kredit hat die 49-Jährige zur Überbrückung bereits im vergangenen Jahr aufgenommen und auch schon Corona-Hilfen erhalten. Doch was nutzt das, wenn die Durststrecke anhält? Nach ihrer Berechnung verschlingt der Betrieb rund 10 000 Euro im Monat. Zu Personal-, Energie- und Versicherungskosten gesellen sich Kapitaldienst und der Unterhalt der Pferde. Um nur die wichtigsten Posten zu nennen. „Pro Pferd haben wir monatlich Kosten von 270 Euro“, rechnet Hunsche-Schellner vor.

Und nur darum geht es ihr bei ihrer Spendensammelaktion: um den Unterhalt der Pferde. Die Lienenerin ist dankbar für alles, was ihr dabei hilft. „Und wenn es nur ein Sack Möhren ist.“ Den hat neulich eine Bekannte vorbeigebracht.

Leicht fällt es ihr nicht, andere um Spenden zu bitten. Aber angesichts der prekären wirtschaftlichen Lage sieht die Betreiberin keine andere Möglichkeit, den Hof und die Reitschule zu halten. Als die Lebenspartnerin ihres Sohnes sie zu einem Spendenaufruf über das Internet ermutigte, habe sie schließlich zugestimmt. Inzwischen sind 4500 Euro zusammengekommen. „Ich hätte nie gedacht, dass mir so viele Menschen helfen wollen“, ist Hunsche-Schellner überwältigt und hofft, dass sie solange durchhalten kann, bis Reitschulen wieder durchstarten dürfen. Bis sie das volle Programm wie vor Corona wieder anbieten darf, davon ist die Lienenerin überzeugt, wird es wohl noch Monate dauern.

Wer sich an der Spendenaktion beteiligen möchte, kann das über die Plattform im Internet oder sich direkt mit Kerstin Hunsche-Schellner ( 01 73/ 25 54 279) in Verbindung setzen.          

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