Fraktionen sind nicht dagegen, sehen aber hohe Hürden
Windrad im Meckelwege geplant

Lienen -

Windkrafträder – ja oder nein? Diese Frage hat sich in Lienen bislang immer nur gestellt, wenn jenseits der Ortsgrenze, aber quasi in Steinwurfweite, ein Anlage errichtet werden sollte. Wie zum Beispiel in Glandorfs Bauerschaft Averfehrden, wo inzwischen mehr als ein halbes Dutzend Anlagen rotieren und Strom produzieren. Jetzt liegt auch in Lienen ein Antrag auf dem Tisch.

Dienstag, 16.02.2021, 17:21 Uhr aktualisiert: 18.02.2021, 16:44 Uhr
Etwa drei Kilometer südlich des Lienener Ortskerns soll das Windrad in Meckelwege errichtet werden.
Etwa drei Kilometer südlich des Lienener Ortskerns soll das Windrad in Meckelwege errichtet werden. Foto: na

Jetzt liegt auch in Lienen ein Antrag auf dem Tisch. Die Firma Innovent aus Varel hat die Gemeindeverwaltung sowie die betroffenen Anlieger darüber informiert, dass sie auf einem Grundstück in Meckelwege eine Anlage errichten möchte – etwa drei Kilometer südlich des Ortskerns unweit der Grenze zu Glandorf. Nach Darstellung der Verwaltung tritt Innovent dabei als Projektentwickler auf.

Folgendes ist laut Verwaltungsvorlage schon bekannt: Die Nabenhöhe soll 126 Meter betragen, die Gesamthöhe 197 Meter, der Rotordurchmesser 141 Meter. Acht Wohnhäuser/Hofstellen liegen im Radius von 800 Metern, drei Wohngebäude im Abstand einer zwei- bis drei-fachen Gesamthöhe der Anlage. Dabei handelt es sich um einen Prototypen, der grundlastoptimiert ausgelegt ist und durch Elektrolyseverfahren Energieumwandlung in Wasserstoff durchführt

Bauamtsleiter Nico Königkrämer hat den Umweltausschuss, der am Montag per Videokonferenz als Informationsveranstaltung tagte, über das Vorhaben informiert.

Windkraft – ja oder nein? Bei dieser Frage ist Georg Kubitz, Fraktionssprecher vom Bündnis für Ökologie und Demokratie, gespalten: „Aus energiepolitischen Gründen sind wir grundsätzlich dafür. Aus Naturschutzgründen und auch wegen der dichten Besiedlung des Außenbereichs halten wir Lienen nicht unbedingt für geeignet. Und wenn ein Windrad in Meckelwege, dann nur als Bürgerwindrad.“

CDU-Fraktionssprecher Michael Stehr sagte auf Anfrage der WN : „Wir haben nichts gegen Windenergie, auch nichts gegen Windenergie in Lienen. Aber die rechtlichen Voraussetzungen müssen erfüllt sein.“ Allen voran die Abstände zu den umliegenden Anwesen sieht er als möglichen Knackpunkt. Stichwort Bürger-Windrad: „Das wäre wünschenswert, ist für uns aber keine zwingende Voraussetzung.“

Für Carsten Antrup (FDP) kann aus dem Vorhaben „nur in enger Abstimmung mit den Anwohnern“ etwas werden. Die SPD-Fraktionsspitze war für die WN gestern telefonisch nicht erreichbar.

Laut Verwaltung laufen derzeit Voruntersuchungen, unter anderem in Bezug auf artenschutzrechtliche Belange, Gewässer, Landschaftsbild sowie Schall- und Schattenwurfprognosen. Ein Genehmigungsantrag liege noch nicht vor.

Genehmigungsbehörde ist der Kreis Steinfurt. Königkrämer: „Der Kreis hat dem Vorhabenträger mitgeteilt, welche Unterlagen für einen Genehmigungsantrag vorzulegen sind. Sobald hier weitere Schritte veranlasst wurden, wird der Ausschuss entsprechend informiert. Ob eine Genehmigung erteilt werden kann, ist nach Einschätzung des Kreises Steinfurt noch völlig offen.“

Bauplanungsrechtlich ist das Vorhaben nach Einschätzung der Verwaltung grundsätzlich zulässig. Der Flächennutzungsplan der Gemeinde Lienen treffe in seiner aktuell gültigen Fassung keine Festlegung zu Windkonzentrationszonen. Der Kreis werde die Gemeinde zu gegebener Zeit um eine Stellungnahme sowie um eine Erklärung zum gemeindlichen Einvernehmen gemäß bitten.

„Allerdings“, so Königkrämer auf Nachfrage der WN, „kann man das Einvernehmen nicht verwehren, nur weil einem das Vorhaben nicht gefällt. Stellt sich eine Ablehnung als rechtswidrig heraus, kann der Kreis das Einvernehmen ersetzen.“

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