Agritura nimmt es mit dem EPS auf
Biozideinsatz statt Nester absaugen

Lienen-Kattenvenne -

Um den Eichenprozessionsspinner im Zaum zu halten, setzt die Agritura-Raiffeisen nicht auf das Absaugen der Nester, sondern auf den präventiven Einsatz eines Biozids.

Dienstag, 23.02.2021, 16:42 Uhr
Johannes Stricker (rechts) und Hanno Teckenbrock, der zu den Fahrern gehört, die das Biozid ausbringen dürfen.
Johannes Stricker (rechts) und Hanno Teckenbrock, der zu den Fahrern gehört, die das Biozid ausbringen dürfen. Foto: msc

Sind die Nester mit den haarigen Raupen erstmal da, hilft nur noch absaugen oder sich fernhalten. Denn die feinen Härchen des Eichenprozessionsspinners haben es in sich. Diese Erfahrung haben in den vergangenen Jahren immer mehr Menschen in der Region gemacht. Juckreiz, Rötungen, Pusteln – all das bleibt meistens nicht aus, wenn man mit den Haaren in Berührung gekommen ist.

Die Agritura-Raiffeisen war schon im vergangenen Jahr präventiv tätig – und hat jetzt weiter aufgerüstet im Kampf gegen die kleinen Biester. Für den Einsatz stehen bereit: ein Unimog und ein Teleskoplader, beide ausgestattet mit Spritzmitteltank und Gebläse. „Damit können wir zielgenau arbeiten“, erläutert Johannes Stricker , Leiter Pflanzenschutz am Standort Kattenvenne. Arbeiten heißt in diesem Fall: ein Biozid verblasen und damit die belaubten Kronen benetzen. „Und wenn die Raupen die Blätter fressen, gehen sie kaputt.“

Klingt erstmal ganz einfach. Es steckt aber schon ein bisschen mehr dahinter. Denn die Agritura will bei ihren Einsätzen auf der sicheren Seite sein und möglichst wenig unnötige Schäden verursachen. Eins lässt sich nicht wegdiskutieren: Das Biozid wirkt nicht nur bei den Raupen des EPS, sondern auch bei denen anderer Spinner und Falter.

Stricker: „Das Zeug unkontrolliert hochjagen kann jeder. Um die Schäden für die Natur möglichst gering zuhalten, sind wir in der Lage, nur die Bäume zu benetzen, die wir auch treffen wollen.“ Der Teleskoplader kann das Gebläse 12,50 Meter in die Höhe hieven, der Unimog immerhin gut acht Meter. Sämtliche Gerätschaften hat die Agritura vom TÜV abnehmen lassen. Und bedienen darf sie nur ein Fahrer, der den Sachkundenachweis Pflanzenschutz vorweisen kann.

Im vergangenen Jahr, als die Agritura das erste Mal mit dem Biozid unterwegs war, kamen die Aufträge vor allem von Privatleuten, die Eichen am Hof, im Garten oder vor der Haustür stehen haben und in den Vorjahren schon leidvolle Erfahrung gemacht hatten. Stricker: „Dadurch, dass unser Fahrzeuge kompakt und wendig sind, kommen wir fast überall hin.“ Aus den Rückmeldungen der Kunden schließt er, dass die Erfolgsquote bei rund 95 Prozent liegt.

Da man 2020 nicht genügend Kapazitäten hatte, um alle Aufträge anzunehmen und abzuarbeiten, erfolgte jetzt die Erweiterung. Rund 50 000 Euro hat die Genossenschaft investiert. Je nach Größe und Lage dauert das Benetzen einer Eiche zwischen zehn Minuten und einer Viertelstunde. Bei mehreren Bäumen kann ein Einsatz schon mal Kosten im dreistelligen Bereich verursachen. „Das ist aber allemal günstiger, als später die Nester absaugen zu lassen“, ist Stricker überzeugt. Und die Kinder im Sommer nur noch drinnen spielen zu lassen, das sei ja wohl keine wirkliche Alternative.

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