Kein Hinweis mehr auf das Holperstübchen
Kreis verbietet Werbeschilder

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Welcher Wanderer sehnt sich zwischendurch nicht nach einer kleinen Pause in gemütlichem Ambiente? Im Holperstübchen von Gaby Beck am Campingplatz in Holperdorp kann man solche Pausen einlegen. Wer es allerdings nicht kennt, der findet das Holperstübchen nicht so ohne Weiteres. Zumindest jetzt nicht mehr, da Gabi Beck alle ihre vier Werbeschilder, kleine wie große, an der Kreisstraße entfernen musste.

Dienstag, 09.03.2021, 19:15 Uhr aktualisiert: 10.03.2021, 18:10 Uhr
Um sich nicht weiteren Schritten des Kreises auszusetzen, haben Holperstübchen-Betreiberin Gaby Beck und ihr Mann wie gefordert alle Hinweis- und Werbeschilder entfernt. Das rechte Bild wurde am Dienstag bei leichtem Schneefall aufgenommen.
Um sich nicht weiteren Schritten des Kreises auszusetzen, haben Holperstübchen-Betreiberin Gaby Beck und ihr Mann wie gefordert alle Hinweis- und Werbeschilder entfernt. Das rechte Bild wurde am Dienstag bei leichtem Schneefall aufgenommen. Foto: msc

Im Hochsommer ein kühles Bier oder bei schlechtem Wetter eine heiße Suppe? Welcher Wanderer sehnt sich zwischendurch nicht nach einer kleinen Pause in gemütlichem Ambiente? Im Holperstübchen von Gaby Beck am Campingplatz in Holperdorp kann man solche Pausen einlegen. Wer es allerdings nicht kennt, der findet das Holperstübchen nicht so ohne Weiteres. Zumindest jetzt nicht mehr, da Gabi Beck alle ihre vier Werbeschilder, kleine wie große, an der Kreisstraße entfernen musste.

Für die Gastwirtin ist die Ansage des Kreises ein Schlag ins Kontor. „Sieben Monate null Umsatz und dann kommt so etwas. Ohne die Schilder findet uns doch keiner.“ Hinzu komme, dass nach ihrem Wissen fast alle anderen Schilder an der Kreisstraße mit Hinweisen auf Gewerbetreibende stehen bleiben dürfen.

Allerdings: Schild ist nicht gleich Schild, erfuhren die WN gestern auf Anfrage aus dem Steinfurter Kreishaus. Sogenannte grüne Hinweisschilder – ohne Werbung – seien zum Beispiel genehmigungsfähig.

Hinweise auf illegal errichtete Schilder oder Werbeanlagen kämen meistens von der Streckenkontrolle der Straßenmeisterei, die jede Kreisstraße regelmäßig abfahre. Und es sei zu vermuten, dass das Aufstellen an manchen Stellen in jüngster Vergangenheit merklich zugenommen habe.

In seinem Schreiben verweist der Kreis auf Paragraf 28 der Straßen und Wegeordnung (StrWG) NRW, der solche Fälle regelt. Unter anderem heißt es dort: „Durch die Werbeschilder wird die Sicherheit und Leichtigkeit des Straßenverkehrs gefährdet.“ Jedoch können Ausnahmen zugelassen werden, „wenn eine konkrete Beeinträchtigung (...) nicht zu erwarten ist“.

Gaby Beck stellt nicht in Abrede, dass der Kreis korrekt handelt. Doch sie kann sich mit Blick auf andere Schilder am Straßenrand nicht des Eindrucks erwehren, dass die Behörde mit zweierlei Maß misst: „Man wollte nicht mal einen Ortstermin machen, um nach einer Lösung zu suchen oder Alternativen aufzuzeigen.“

Dass Gaby Beck ihre Schilder ausgerechnet jetzt abnehmen musste, wo eine Öffnung der Außengastronomie wieder in greifbarer Nähe ist, findet sie besonders bitter. „Die Leute reden schon: Gaby hat zugemacht. Hier geht es um meine Existenz. Vom Campingplatz alleine kann ich nicht leben. Auch ich brauche die Ausflügler.“

Anstatt der großen Tafeln an der Einfahrt zum Holperstübchen sieht man dort einen Schriftzug: „Werbung weg. Wir bleiben.“

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