Politik lehnt Verwaltungsvorschlag ab
Keine Unterkunft auf dem ehemaligen Tennenplatz

Lienen -

Mit ihrem Vorschlag, auf dem ehemaligen Tennenplatz neben der Waldorfschule eine Unterkunft zu errichten, beißt die Verwaltung bei der Politik auf Granit.

Dienstag, 16.03.2021, 19:34 Uhr aktualisiert: 17.03.2021, 18:33 Uhr
Der Mietvertrag für die bisherige Notunterkunft an der Iburger Straße 22 läuft Ende des Jahres aus und wird nach Auskunft der Verwaltung auch nicht verlängert.
Der Mietvertrag für die bisherige Notunterkunft an der Iburger Straße 22 läuft Ende des Jahres aus und wird nach Auskunft der Verwaltung auch nicht verlängert. Foto: Michael Schwakenberg

Im Haupt- und Finanzausschuss, der am Montagabend Corona-bedingt und Corona-konform stellvertretend für den Rat tagte, stimmten alle Fraktionen dagegen, beziehungsweise fassten einen anderslautenden Beschluss.

In dem heißt es: „Unter Berücksichtigung der bisherigen Beratungen und dem politischen Willen, sind die Flächen des Tennenplatzes für die Entwicklung von Schule und Kindertageseinrichtungen freizuhalten und diese nach aktuellem Stand nicht für eine andere Bebauung zur Verfügung zu stellen.“

Hintergrund des Verwaltungsvorschlags war zum einen, dass der Gemeinde einige der aktuell angemieteten Objekte zur Unterbringung von Flüchtlingen oder anderen von Obdachlosigkeit bedrohten Personen in absehbarer Zeit nicht mehr zur Verfügung stehen. Allen voran die Notunterkunft an der Iburger Straße 22 direkt neben dem Seniorenheim Baulmann. Zum anderen hat Lienen seine Aufnahmequote noch lange nicht erfüllt und muss zumindest damit rechnen, mittel- bis langfristig noch weitere 116 Personen zugewiesen zu bekommen.

In ihrem Bemühen, Wohnraum für den betroffenen Personenkreis zu schaffen, ist der Beschluss des Ausschusses für die Verwaltung ein Rückschlag. Denn: „Jetzt müssen wir nach Alternativen suchen. Aber andere Grundstücke haben wir dafür zurzeit nicht“, machte Fachbereichsleiter Christian Brüger gestern auf WN-Anfrage deutlich. Es bestehe aber die Hoffnung, dass sich womöglich ein Investor meldet, der ein entsprechendes Grundstück selbst mitbringt.

Alternativen sind nach Auskunft von Brüger aber auch Wohnungen, die die Gemeinde anmietet. Was auch jetzt schon gängige Praxis sei. Allerdings sei das nicht immer ganz einfach. „Nicht jede Wohnung ist für jede Familie oder eine Gruppe von Einzelpersonen geeignet.“ Hin und wieder hätten auch Vermieter ganz konkrete Vorstellungen. Und weil die Gemeinde eine einmal angemietete Wohnung nicht verlieren wolle, gehe man da zumeist auch drauf ein.

Solch ein Fall kam am Montag auch im Ausschuss zur Sprache. Da ging es um eine Wohnung in Kattenvenne, die aktuell leer steht, weil der Vermieter ausschließlich eine fünfköpfige Familie dort wohnen haben möchte. Eine solche Familie habe dort gewohnt, sei aber jetzt weggezogen. Die Verwaltung, so Brüger, würde jetzt gerne einer anderen fünfköpfigen Familie, die derzeit in einer der Lienener Notunterkünfte wohnt, diese Wohnung geben. „Doch der Mann hat in Lienen Arbeit gefunden und keinen Führerschein.“ Deshalb sei der Umzug nach Kattenvenne nach Ansicht der Verwaltung nicht zumutbar.

Brüger machte auch deutlich, dass Leerstände von angemieteten Wohnungen keinen Seltenheit seien. Es sei zu spät, Wohnungen erst dann zu suchen, wenn neue Flüchtlinge vor der Tür stehen. Um Wohnraum vorzuhalten, würden Leerstände deshalb in Kauf genommen.

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