Mit 65 Jahren beschreitet Hermann Bruns neue Geschäftswege
Er geht online statt in Rente

Lienen -

Andere gehen mit 65 Jahren in Rente, Hermann Bruns geht online: Zeitgleich mit Beginn, aber nicht aufgrund der Corona-Pandemie hat der Inhaber des gleichnamigen Geschäfts am Diekesdamm beschlossen, sich von einem Freund eine neue Homepage gestalten zu lassen. Gesagt, getan. Seit drei Wochen kann man jetzt sogar online von Hermann Bruns beraten werden.

Freitag, 09.04.2021, 20:57 Uhr aktualisiert: 09.04.2021, 21:00 Uhr
Hermann Bruns ist ein echter Tausendsassa. Er berät, verkauft und repariert – und ist seit Neuestem auch online für seine Kunden da.
Hermann Bruns ist ein echter Tausendsassa. Er berät, verkauft und repariert – und ist seit Neuestem auch online für seine Kunden da. Foto: Jens Dölling

„Wenn du was brauchst, geh zu Hermann .“ Wie oft dieser gut gemeinte Tipp in Lienen wohl schon gegeben wurde? Natürlich weiß auch jeder, wo er hin muss: nämlich zu Hermann Bruns. Früher hätte man ein Geschäft wie seines als bis unters Dach gefüllten Gemischtwarenladen bezeichnet. Bekommt man in dem Einzelhandel von der einzelnen Schraube über Haushaltswaren, Werkzeuge und Geschenkideen bis hin zu komplexen Gartengeräten doch quasi alles. Und dafür muss man seit drei Wochen nicht mal mehr persönlich am Diekesdamm 9 vorbeischauen.

Denn der 65-Jährige, für den der unmittelbare Kontakt zu seinen Kunden und die persönliche Beratung seit jeher ein hohes Gut sind, ist online gegangen. Eine Homepage, sagt er, habe er zwar schon länger gehabt. „So eine einfache im Baukasten-Prinzip.“ Ob sich viele Kunden darüber informiert haben? „Ich hab‘ das nie nachgehalten.“ Vor einem Jahr – parallel, aber eigentlich unabhängig von der Corona-Pandemie – reifte dann der Entschluss, sich in diesem Bereich neu und deutlich stärker als zuvor aufzustellen. Gesagt, getan.

Ein Freund entwickelte die aktuelle Homepage, die dem Kunden das Brunssche Sortiment auf dem heimischen Sofa präsentiert und einen Einblick in den Laden und dessen Geschichte seit 1950 bietet. Der Kunde sucht aus, bestellt online und kann die Ware in der Folge kontaktlos abholen – oder sie geschickt bekommen. Und er kann sich sogar online vom Geschäftsinhaber beraten lassen. Via Zoom, wie Bruns erzählt. Wobei er auch sagt, dass sich das Interesse daran, (noch) in Grenzen halte. Aber die Technik macht‘s möglich. Und darauf ist das Lienener Urgestein stolz.

Tatsächlich sind Bruns, seine Frau und ihr Angestellter momentan auch so schwer auf Trab. Der Verkauf vor der Eingangstür und am Hinterausgang ist ihm gestattet. „Und dann schlepp‘ ich im Zweifelsfall eben vier Kaffeemaschinen nach draußen“, erzählt der Tausendsassa, dass das Arbeiten zwar zweifellos anders und eingeschränkt funktioniere, der Kunde aber auch während der Pandemie den bestmöglichen Service erhalten solle. „Am Abend haben wir jedenfalls alle ein paar Schritte gemacht“, lacht er.

Wer dem Lienener zuhört, vernimmt in seiner Stimme keinesfalls Verbitterung ob der aktuellen Situation. Er stellt sich den Herausforderungen. Und das eben auch digital. „Wir haben uns für die Zukunft aufgestellt“, nennt er das – und die sieht auch vor, dass er über kurz oder lang einen Nachfolger für sein Einzelhandelsgeschäft sucht, „der sich dann im Fall des Falles ja online schon mal einen Eindruck verschaffen kann“. Aber, und das schiebt er schnell hinterher: „Fünf Jahre mach ich schon noch.“

 

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